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Praxis 25. November 2005

Vor der Steuer sind nicht alle gleich

„Noch mehr Steuern!“ – Irgendwie kennt jeder von uns diesen verzweifelten Aufschrei. Und jeder von uns versucht, so wenig wie möglich beziehungsweise nur so viel wie unbedingt notwendig an Steuern zu zahlen. Maßgeblich für die Steuerpflicht in Österreich ist die Art des Einkommens, bei Ärzten oft eine Mischung aus angestellt und selbständig.

Wer ist denn überhaupt verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben? Hier bestimmt das Einkommensteuerrecht, dass jede natürliche Person, die ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich hat und Einkünfte erzielt, unbeschränkt steuerpflichtig ist. Unbeschränkt bedeutet grundsätzlich, dass alle, die hier wohnen, mit ihrem Welteinkommen in Österreich steuerpflichtig sind. Sollten Sie nur beschränkt steuerpflichtig sein, was eher eine Ausnahme ist, so besteht die Steuerpflicht gemäß Gesetz nur für die inländischen Einkünfte. Die Basis zur Berechnung der Einkommensteuer stellen die so genannten Einkünfte dar. Das österreichische Einkommensteuerrecht unterscheidet sieben Einkunftsarten (siehe Kasten). Die Summe dieser Einkünfte ergibt das zu versteuernde Einkommen.
Die ersten drei Einkunftsarten werden als betriebliche Einkunftsarten bezeichnet. Die Einkünfte daraus ergeben sich aus der Differenz zwischen Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben, also dem Gewinn. Die übrigen sind außerbetriebliche Einkünfte. Hier spricht man vom Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten. Einige dieser Einkunftsarten sind auch für Ärzte relevant. Besteht ein Anstellungsverhältnis, so trifft die vierte Art, „Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit“, zu. Auf Betreiber einer Ordination trifft die zweite Einkunftsart zu, also „Einkünfte aus selbständiger Arbeit“.

Arten der Steuererklärung

Wer ausschließlich ein Anstellungsverhältnis und andere Einkünfte von unter 730 Euro hat, ist nicht verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Man kann in diesem Falle aber, wenn genügend Ausgaben während des Jahres ge-tätigt wurden, eine so genannte Arbeitnehmerveranlagung (Formular L1) abgeben.
Wer im abgelaufenen Jahr mehrere Anstellungsverhältnisse hatte, ist jedenfalls verpflichtet, eine Arbeitnehmerveranlagung abzugeben. Personen im Anstellungsverhältnis, die nebenbei Gelder aus einer Ordination, Klassegelder, Vortragshonorare oder ähnliche beziehen, werden ebenfalls in der Regel verpflichtet sein, eine Einkommen-steuererklärung (Formular E1) abzugeben. Für eine freiwillige Arbeitnehmerveranlagung besteht fünf Jahre Zeit. Eine Arbeitnehmerpflichtveranlagung muss bis 30. September des Folgejahres, eine Einkommensteuererklärung bis 31. März beim Finanzamt einlangen. Hat man in diesem Fall auch ein Anstellungsverhältnis, so erstreckt sich die Frist bis 15. Mai des Folgejahres. Wer von einem Steuerberater vertreten wird, hat ein Jahr länger Zeit, die Einkommensteuererklärung abzugeben. Die Arbeitnehmerveranlagung ist immer am Wohnsitzfinanzamt einzureichen. Die Finanzamtszuständigkeit bei Betrieben richtet sich in der Regel nach der Lage des Betriebes. Hat jemand mehrere Betriebe, dann sind die Steuererklärungen wiederum am Wohnsitzfinanzamt abzugeben.

Fragen an den Autor?
Mag. Manfred Kenda
Die Steuerberater, Klagenfurt

Mag. Manfred Kenda, Ärzte Woche 2/2004

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