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Praxis 17. August 2005

Findige Köpfe sparen ein paar Steuer-Euro

Niedergelassene Ärzte unternehmen vielfältige Versuche, der Steuerpflicht speziell bei der Einkommensteuer zumindest ein wenig zu entgehen. Aber nicht alles hat Aussicht auf Erfolg.

Österreich zeichnet sich – wie sämtliche vergleichbare Staaten – durch ein progressives Steuersystem aus. Das bedeutet, dass beim Überschreiten einer gewissen Einkommensgrößenordnung der damit verknüpfte Anteil des Einkommens mit einem immer höheren Satz belegt wird. Obergrenze dieser Regelung ist ein Einkommen über ca. 50.000 Euro. Ab dieser Grenze wird Einkommen mit 50 Prozent besteuert. Durch die geringere Besteuerung der Einkommensteile unter 50.000 Euro ist der durchschnittliche Steuersatz etwas geringer, nähert sich aber bei größeren Einkommen immer mehr der 50-Prozent-Marke an.
Die Einkommensteuerlast ist also eine direkte Ableitung des Betriebsergebnisses, also eine Maßzahl für die Rentabilität eines Betriebes. Die einfachste Art, Steuer zu sparen, geht daher durch Misswirtschaft. Wenn beispielsweise unnötige Investitionen oder Betriebsausgaben getätigt werden, sinkt das Betriebsergebnis und damit auch die Steuerlast. Viele werten das als Erfolg, aber in logischer Konsequenz sinkt damit auch das Nettoeinkommen – eine Zahl, die sich leider so einfach nicht messen lässt.
Durch diese Art von Steuersenkung lässt sich also kein Vorteil erzielen, obwohl das Gefühl einer geringeren Steuerlast durchaus erfreut. Eine andere Möglichkeit, die Steuerlast zu beeinflussen, wird von vielen fälschlicherweise auch als Steuersparen bezeichnet. Damit sind Steuerverschiebungen gemeint, also das Verschieben von fälligen Steuern in Folgeperioden.

Nur ein imaginärer Zinsgewinn

Damit möchte man einen imaginären Zinsgewinn erzielen, indem man das für die Steuer fällige Geld während dieser Zeit einfach am eigenen Sparbuch deponiert und die Zinsen dafür selbst lukriert. Leider wird mit dieser Variante zumeist ein Steuerloch nur kurzfristig gestopft, das aber irgendwann in noch größerer Ausprägung wieder ans Tageslicht kommt.
Dann gibt es noch eine Steuersparmöglichkeit, die von vielen Ärzten und auch Steuerberatern vernachlässigt wird. Nämlich das Ausschöpfen aller legalen Optionen sowie die maximale Nutzung von „Privatvergnügen“ in der Ordinationsbuchhaltung. Hier ist das Betätigungsfeld mannigfaltig. Allein mit Ausführungen zum Thema „Kraftfahrzeug und Einkommensteuer“ ließen sich Bücher füllen. Das gilt auch für die Überlegung, ob man nahe Angehörige in der Ordination beschäftigen soll und, falls ja, zu welchem Lohn.
Rund um die großen Themen „Personal und Finanzierung“ lässt sich einiges machen. Dieser Bereich ist bei den meisten Ärzten allerdings nicht strategisch ausgerichtet, sondern beruht oft auf Zufall. Die Liste der Möglichkeiten, entstandene Kosten in den Betriebsausgaben unterzubringen, ist endlos lang. Zahlreiche Bücher setzen sich mit diesen Themen auseinander, für Ärzte zumeist aber nur schwer verständlich. So werden viele Entscheidungen aus dem Bauch heraus getroffen, obwohl sich viele Argumente finden lassen und das meiste sogar ganz genau nachgerechnet werden kann.
PRAXIS&WIRTSCHAFT wird deshalb in der ersten Jahreshälfte 2004 – beginnend mit der kommenden Ausgabe – alle Nuancen rund um die Steuerpflicht von Ärzten ausführlich „behandeln“.

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