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© Jörg Carstensen/dpa
Blick auf den Reichstag und das Bettenhaus der Charité. Berlin ist mit dem Flugzeug in ca 80 Minuten von Wien zu erreichen.
 
Praxis 2. November 2015

„Es war Lehrgeld zu bezahlen“

Arbeiten in Berlin – Teil 1: Ein Wiener Jungmediziner sammelt praktische Erfahrungen an der Charité.

Dr. Michael Kurz wollte den Turnus in Wien umgehen und dennoch lernen, was ein Arzt können muss. Die Chance dazu bot ein Job im Herzzentrum Berlin.

Die Kürzestbiografie lautet: „Ich bin Michael Kurz, habe 2012 mein Medizinstudium in Wien abgeschlossen.“ Um den Turnus in Wien zu umgehen wechselte er nach Berlin. „Ich bin ein Stadtmensch, und wollte in keiner wesentlich kleineren Stadt als Wien leben.“ Kurz fragt im Bekanntenkreis nach guten Ausbildungsstätten. Ein aus Deutschland nach Österreich zurückgekehrter Kollege empfiehlt ihm das Deutsche Herzzentrum Berlin.

Die deutsche Hauptstadt kannte Kurz bereits von seiner Famulatur auf der Intensivstation der Herzchirurgie. „Sehr viel Technik, viel Personal, sehr schnelle Abläufe. Wieder in Wien bewarb ich mich dort.“

Nach einigem Hin und Her mit der Approbation beim Landesamt für Gesundheit und Soziales kann Kurz nach 4-maligem Besuch in Berlin endlich seinen Arbeitsvertrag unterschreiben. Angestellt wird er an der Klinik für Herz-Thorax-Chirurgie. Sein Traum: Internist und Kardiologe zu werden. Kurz wird eine umfassende Ausbildung zugesichert, was er „wohlwollend annimmt und nicht weiter nachfragt“. Hätte er vielleicht tun sollen, denn: „Erst viel später sollte ich bemerken, dass die Ausbildung hier eben nicht so einfach anrechenbar ist.“

Als Berufsanfänger werkte der Wiener auf der Normalstation. „Die Arbeit auf der Normalstation begann mit dem Aufnehmen von Patienten. Ich arbeitete im ersten halben Jahr oft von 6:30 bis 19:00 ohne Pause.“ Es ist der Winter 2013. „Es war Nacht als ich zu Arbeiten begann, und Nacht wenn ich nach Hause ging. Die Stimmung auf der Normalstation war mäßig, Dienstältere ließen die Jungen rotieren, und gingen selbst pünktlich nach Hause. Dass man im DHZB Überstunden aufschreiben konnte wurde mir, denke ich, bewusst verschwiegen. Es war viel Lehrgeld zu bezahlen.“Auf der Normalstation gibt es zwei junge Ärztinnen, die die gleiche Tortur durchmachen. „Sie hatten 4 und 2 Monate vor mir angefangen und wir freundeten uns an. Als noch ein Kollege aus Eberswalde bei uns anfing wurde aus Arbeit Spaß.“ Die Folge: „Nach 6 Monaten war ich effizienter, kannte die Abläufe und hatte mich etabliert, und einige der Hintergründe verstanden. Die Oberärztin hatte mich zu einem guten Assistenzarzt erzogen. Wenn ich länger als eine Stunde über meine Arbeitszeit da war, schrieb ich nun Überstunden auf. Die Zeit, die ich sparte konnte ich in Denken investieren. So folgte eine fruchtbare Phase.“

Es werden prä- und postoperative Patienten versorgt. „Die meisten Patienten haben eine KHK mit Bypassindikation.“ Außerdem hat er es zu tun mit: Aortenklappenstenosen, Mitralklappeninsuffizienzen, Aneurysmata der Aorta, Klappenendokarditiden, andere Klappenvitien, Herztumore. „Nach diesen Erfahrungen nahm meine Lernkurve langsam ab und ich wollte auf die Intensivstation rotieren. Schnell wurde mir klar, dass die Oberärztin mich ungern abgeben wollte.“

Lesen Sie in der nächsten Ärzte Woche: Bewährungsprobe auf der Intensivstation

Martin Burger, Ärzte Woche 45/2015

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