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Praxis 17. August 2005

Schutz vor Anzeigen durch Patienten

Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei. Daher sollte jeder Arzt seine Versicherungen auch im Hinblick auf die Abdeckung eines strafrechtlichen Risikos überprüfen.

Die Basler-Versicherung hat dieses Jahr eine neuartige Strafrechtsschutz-Versicherung auf den Markt gebracht, die sich dieses immer größer werdenden Risikos annimmt. Das hat zu großer Resonanz und Nachfrage bei Versicherungsmak-lern, Rechtsanwälten und nicht zuletzt Ärzten geführt. Eine genaue Statistik, wie viele Ärzte in Österreich jährlich strafrechtlich verfolgt werden, existiert allerdings nicht. Es ist jedoch zu erwarten, dass die Zahl dieser Fälle in den kommenden Jahren zunehmen wird. Dies nicht zuletzt deshalb, weil Patienten durch vermeintlich besseres Wissen, das in Gesundheitsmedien und Internet breit angeboten wird, die Arbeit des Arztes immer genauer überprüfen können. Dies bestätigt auch Wolfgang Karner, akademischer Versicherungskaufmann des Raiffeisen Ärzte Service aus Linz. Gutachten oft maßgeblich für Ausgang eines Verfahrens„Ärzte denken fast immer daran, das Risiko der Arzthaftung für Schadenersatz und Schmerzensgeld durch den Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung zu minimieren“, meint Karner. Neben dieser Absicherung, deren Aufgabe in der Deckung gerechtfertigter und der Abwehr ungerechtfertigter Forderungen besteht, sei aber der Abschluss einer geeigneten Berufsrechtsschutz-Versicherung zur Verteidigung im Strafverfahren seiner Ansicht nach unbedingt notwendig.
Zusätzlich zur Kompetenz eines geeigneten Strafverteidigers sind Sachverständigengutachten von erheblicher Bedeutung für den Ausgang eines Verfahrens. Dazu meint Mag. Klaus Zotter, Rechtsanwalt bei Reiff und Partner in Graz: „In der Praxis unterschätzt die Ärzteschaft oft die Kosten, die bei der Durchführung eines Strafverfahrens anfallen. Wenn man bedenkt, dass allein die Kosten für ein Sachverständigengutachten oft im vierstelligen Eurobereich liegen, ergibt sich für den betroffenen Arzt eine enorme finanzielle Gesamtkostenbelastung.“ Dr. Dietmar Bayer, Präsident der Ärztekammer für Steiermark, bringt die Problematik auf den Punkt: „Die Ärzteschaft ist sich zwar ihres Haftungsrisikos bewusst und die meisten Kolleginnen und Kollegen haben eine Haftpflichtversicherung, die wenigsten sind sich aber darüber im Klaren, dass ihre tägliche Arbeit zum Wohle ihrer Patienten auch ein strafrechtliches Risiko birgt.“ Er rät deshalb allen angestellten und freiberuflich tätigen Ärzten dringend, sich auch über diesen Aspekt ihres Berufes Gedanken zu machen.

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