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Praxis 24. November 2005

Schutz vor beruflichen Konsequenzen

Seit kurzem bietet die Basler Versicherung eine Strafrechtsschutz-Versicherung für Ärzte an. Über erste Erfahrungen mit diesem jüngsten Produkt berichtet Dir. Wilhelm Zieger vom Basler Ärztedienst im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE.

Immer mehr Haftpflichtansprüche im Ärztebereich sind mit Strafanzeigen verbunden. Die Gründe sind klar: Neben den finanziellen Forderungen gegen den Arzt werden auch strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. „Herkömmliche Rechtsschutz-Versicherungen weisen bei strafrechtlichen Angelegenheiten allerdings massive Lücken auf und sind daher nicht als ‚Vollkaskoversicherung‘ zu betrachten“, betont Zieger.

Welche Kriterien sind beim neuen Produkt maßgeblich?
Zieger: Die neue Strafrechtsschutz-Versicherung deckt als Zusatzversicherung für Ärzte einige Risiken ab, die mit den herkömmlichen Versicherungsprodukten nicht abgedeckt werden. Dies sind insbesondere die vollständige Deckung auch in die Vergangenheit, die Deckung des Vorwurfs eines Vorsatzdeliktes, die Übernahme der Kosten eines privaten Sachverständigengutachtens sowie der Kosten des Privatbeteiligtenverfahrens. Außerdem beträgt die Versicherungssumme pro Fall 250.000 Euro, bis zu 75.000 Euro Strafkaution werden gestellt.

Der Arzt braucht also in jedem Fall auch eine herkömmliche Rechtschutzversicherung?
Zieger: Genau! Eine herkömmliche Rechtsschutzversicherung ist die unbedingte Grundlage, egal bei welcher Gesellschaft sie abgeschlossen wurde. Die Strafrechtsschutz-Versicherung versteht sich als Zusatzversicherung zu diesen herkömmlichen Produkten, die natürlich nicht gekündigt werden, sondern unverändert weiterbestehen müssen. Dabei ist uns aufgefallen, dass viele Ärzte überhaupt keinen Basis-Schutz haben.

Inwiefern ist das problematisch?
Zieger: Das kann sehr problematisch werden. Es geht bei solchen Versicherungen ja nicht um Schuld oder Unschuld. Kaum ein Arzt weiß, dass er auch im Falle eines Freispruchs auf sämtlichen Kosten sitzen bleibt. Das Gefahrenbewusstsein im Bereich Haftpflicht ist sehr wohl vorhanden, aber der Bereich Rechtsschutz wird häufig vernachlässigt.

Wie begründen Sie das?
Zieger: Uns ist ganz besonders aufgefallen, dass ein Großteil der Ärzte den Unterschied zwischen Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherung nicht kennt. Das wirft einerseits kein gutes Licht auf die Gilde der so genannten Ärzteberater, andererseits aber auch kein gutes Licht auf die Ärzte selbst. Unwissenheit schützt hier nicht, eine „Vogel-Strauß-Politik“ kann sehr teuer kommen. Wir haben festgestellt, dass junge Ärzte diesbezüglich wesentlich interessierter und auch besser informiert sind. Die neue Generation geht offenbar offener mit wirtschaftlichen und juristischen Fragestellungen um.

Wie war das Echo auf die Einführung des neuen Strafrechtsschutzprodukts?
Zieger: Die Resonanz war gewaltig. Nachdem wir auch über den Aktionszeitraum hinaus mit zahlreichen Anfragen bombardiert werden, haben wir uns entschlossen, den Aktionszeitraum mit der Sonderprämie von 190 Euro bis zum Jahresende zu verlängern.

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