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Praxis 17. August 2005

Diebstahl in der Ordination

Laut Arbeitsgericht wird jeder fünfte Diebstahl in Unternehmen von Mitarbeitern verübt – Tendenz steigend. Auch Praxisinhaber sind vor Langfingern in ihrem Team nicht gefeit.

Für entsprechend „veranlagte“ Mitarbeiter könnte beispielsweise eine volle Kassa bei höherem Selbstzahler-Anteil verlockend sein. Wie soll ein Arzt reagieren, wenn er eine Person verdächtigt, Bargeld entwendet oder aus dem Lager technische Geräte verkauft zu haben beziehungsweise die Kollegen zu bestehlen? Zweifellos eine heikle Situation, ist doch der Kriminalitätsverdacht gegen Mitarbeiter durchaus kein seltenes Anliegen in Rechtsanwaltskanzleien. Bei nicht eindeutiger Beweislage sollte der Verdacht keinesfalls offen geäußert werden. Denn falsche Anschuldigungen vergiften nicht nur das Betriebsklima, der Arzt kann auch ganz schnell eine Verleumdungsklage am Hals haben. Ehe juristische Schritte eingeleitet werden, ist zunächst das Gespräch mit vertrauten Mitarbeitern anzuraten. Diese Vertraulichkeit sollte vorher unbedingt klargestellt werden. Vielleicht hat der Gesprächspartner ja gleiche oder ähnliche Beobachtungen gemacht, möglicherweise aber auch ganz andere. Auf diese Weise lässt sich der Verdacht unter Umständen erhärten.
Im nächsten Schritt sollte das gesamte Praxisteam über die Vorfälle aufgeklärt werden; dies wird die Aufmerksamkeit erhöhen. Der Dieb wird so vielleicht schneller bei der nächsten Tat ertappt oder fühlt sich derart beobachtet, dass er sich nicht mehr traut, erneut zuzuschlagen.

Große Schadenssumme

Immer mehr Beschäftigte lassen etwas aus ihrem Betrieb mitgehen. In Deutschland stieg die Zahl der Schadensfälle durch Mitarbeiter bereits auf gut eine Million. Die Schadenssumme hat sich im Jahr 2002 im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Rund sieben Milliarden Euro büßten deutsche Unternehmen dadurch ein. 2001 hatte die durch Diebstahl, Unterschlagung und Betrug verursachte Summe noch bei 3,8 Milliarden Euro gelegen. Den größten Gesamtschaden verursachten 37 Prozent der Mitarbeiter mit Schadenssummen bis zu 5.000 Euro. Vergleichbare Werte für Österreich liegen nicht vor. Die Zahlen aus dem Nachbarland machen aber deutlich, dass auch bei uns Firmen und somit auch Arzt-Praxen vor Diebstählen von Mitarbeitern nicht gefeit sind.

Dr. Jürgen Brunotte, Ärzte Woche 18/2004

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