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Praxis 17. August 2005

Mehr Freiheit für Werbung von Ärzten

Seit März gibt es einige Änderungen, wie Ärzte in der Öffentlichkeit auf ihre Angebote aufmerksam machen dürfen.

Das bisherige Verbot, an einen Personenkreis, der über die eigene Patientendatei hinausgeht, Flugblätter, Postwurfsendungen oder E-Mails zu senden, gilt nicht mehr. Weggefallen ist auch die Beschränkung, dass dies nur in Zusammenhang mit der Eröffnung oder Verlegung einer Ordination möglich ist. Auch sonst bieten die neuen Werberichtlinien mehr Möglichkeiten als bisher, um als Arzt an die Öffentlichkeit zu treten. Informationen über das eigene Tätigkeitsfeld dürfen nun auch Aus- und Fortbildungen umfassen, die kein Diplom der Ärztekammer sind. Außerdem ist der offizielle Hinweis auf nichtärztliche Angebote gestattet. Die Schilderordnung ist davon allerdings nicht betroffen.

Mehr Raum in Anspruch nehmen können Ärzte in Zukunft bei Anzeigen in Printmedien, bislang waren diese mit einem Viertel einer Seite des jeweiligen Mediums beschränkt. Gefallen sind auch die Mengenbeschränkungen und die Vorgaben zur zeitlichen Abfolge. Bei Hinweisen zur eigenen Tätigkeit können nunmehr Namen und Bilder von Patienten eingesetzt werden; ihr schriftliches Einverständnis vorausgesetzt. Dabei kann auch der Gesundheitszustand vor und nach einer Behandlung ins Bild gerückt werden. Möglich ist sogar, dass sich ein Arzt gemeinsam mit einem Patienten ablichten lässt.

Mit Honoraren werben

Mit der neuen Richtlinie fällt außerdem das Verbot, Honorare für privatärztliche Leistungen zu veröffentlichen und explizit auf unentgeltliche Angebote hinzuweisen. Weiterhin verpönt bleibt aber die „marktschreierische“ und aufdringliche Selbstanpreisung. Konkretisiert wurde das Verbot, den Eindruck medizinischer Exklusivität zu erwecken. Die Formulierung lautet nun „Verboten ist das Darstellen einer wahrheitswidrigen österreichweiten medizinischen Exklusivität“.

Dr. Willibald Gindra-Vady, Disziplinaranwalt der Kammer für Stei-ermark und Kärnten, betont, dass mit der neuen Regelung ebenso die „Werbung durch Dritte“ gemeint ist. In vielen Disziplinarverfahren werde vorgebracht, die Verletzung der Richtlinien sei nicht vom Arzt selbst, sondern von anderen Personen, berichtet Gindra-Vady.

Der Arzt haftet trotzdem für die Inhalte, dazu ein Beispiel: In einem Einkaufszentrum eröffnete eine Schneiderei und vermietete Teile der Räumlichkeiten an einen Allgemeinmediziner. Die Eröffnung wurde in einem gemeinsamen Flugblatt angekündigt. Dort wurde auch explizit auf besondere Fähigkeiten des Arztes, unter anderem in Sachen Schamanismus, Charismabildung und diversen alternativen Heilverfahren, hingewiesen. Der Arzt meinte, das Flugblatt wäre ihm vorher nicht mehr gezeigt worden, doch der Disziplinarrat betonte, dass gerade aus einem solchen Anlass eine genaue Kontrolle der Inhalte von an die Öffentlichkeit gehenden Texten unerlässlich wäre. Diese dürfe sich auch nicht nur auf Telefonate beschränken.

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