zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 17. August 2005

Vorbereiten auf die Patientenquittung

In ganz Österreich werden künftig auch alle Paragraph-2-Versicherten erfahren, welche Kosten ihre Behandlung verursacht hat. Unklar ist allerdings nach wie vor, wie die Informationen auf der Patientenquittung genau aussehen werden.

Nach einem Regierungsbeschluss hat der Hauptverband der Sozialversicherungsträger allen Kassen die Einführung der Patientenquittung vorgeschrieben. Jeder Versicherte einer Gebietskrankenkasse soll informiert werden, welche Leistungen im Vorjahr in Anspruch genommen wurden; sowohl im Bereich der ärztlichen Hilfe als auch der Medikamentenkosten und der Heilbehelfe.

Details noch nicht bekannt

„Obwohl die Aussendung dieser Informationen mehrfach angekündigt und wieder verschoben wurde, ist nach wie vor unklar, wie detailliert die Informationen auf den Patientenquittungen aussehen werden“, berichtet Dr. Josef Lohninger, Arzt für Allgemeinmedizin und Obmann der Sektion Allgemeinmedizin in der Bundeskurie für Niedergelassene Ärzte. Eine Frage sei etwa, ob jede einzelne Leistung und ihr entsprechender Gegenwert aufgelistet werde oder ob diese quartalsweise bzw. auf das gesamte vergangene Jahr gesehen für bestimmte Bereiche zusammengefasst werden. Die ersten Patientenquittungen sollen im Laufe des zweiten Quartals 2004 ausgesandt werden. „Es wird sicher einige Rückfragen von Patienten geben, die sagen, sie hätten bestimmte Leistungen überhaupt nicht konsumiert, oder sich über die Höhe der Kosten bestimmter Positionen wundern“, meint Lohninger. Dadurch könnte es auch verstärkt zu Rückfragen der Kassen kommen, die ihrerseits überprüfen wollen, was genau geleistet wurde.

Mehr als bisher dokumentieren

„Sicher ist für Ärzte eine noch genauere Dokumentation empfehlenswert. Vor allem bei komplexeren Fällen sollten auch Details festgehalten werden, die das Erinnerungsvermögen der Patienten auffrischen können“, empfiehlt der Allgemeinmediziner. Dabei geht es z.B. um Hinweise, die der Arzt etwa in Bezug auf die Veränderung des Lebensstils gegeben hat oder auf die Notwendigkeit bestimmter diagnostischer und therapeutischer Schritte, die vom Patienten ignoriert wurden. Lohninger rechnet allerdings nicht damit, dass sich durch die Einführung dieser Quittungen das Verhalten der Patienten in Bezug auf die Häufigkeit der Inanspruchnahme von Leistungen verändern wird: „Dort, wo es solche Abrechnungen seit langem gibt, also bei den kleinen Kassen, ist dieser Trend auch nicht eingetreten.“

Getrübtes Gesprächsklima

Dass die Kasse die Ärzte darüber im Unklaren lässt, wie genau die Patientenquittung aussehen wird, ist in Salzburg nur einer von mehreren Punkten, die aus Lohningers Sicht als Kurienobmann der Allgemeinmediziner das Gesprächsklima mit der Gebietskrankenkasse derzeit trüben. So gehe es etwa um die Verrechnung von Visiten in Altersheimen. „Dort sind oft mehrere Besuche hintereinander nötig, insbesondere in Zeiten der Urlaubsvertretung“, so Lohninger. „Aber nicht jede Visite wird als eigene Leistung anerkannt, obwohl mehrere Heime besucht werden.“ Honorareinsprüche sollten von den Ärzten genau geprüft und der Ärztekammer gemeldet werden. „Nicht zu empfehlen sind individuelle Lösungen mit der Gebietskrankenkasse“, betont Lohninger.
Ähnliches gilt für die Position der „Ordination außerhalb der Ordinationszeit“, für die nun Limits eingeführt wurden. „Ich bin gespannt, wann der erste GKK-Versicherte einen Vertragsarzt wegen Abweisung außerhalb der Ordinationszeiten verklagen wird“, so Lohninger. Ob ein Patient eine „abweisbare Diagnose“ hat, lässt sich meist erst nach der erbrachten Leistung sagen. Sehr zäh läuft in Salzburg weiters die Umsetzung der Modelle der Gruppen-, Nachfolge- und Job-Sharing-Praxis. „Die Gebietskrankenkasse beharrt darauf, dass für solche Modelle die Honorarautomatik nicht gelten dürfe. Zu sagen, dies gebe es in anderen Berufszweigen auch nicht, sei ein Killerargument und nur die halbe Wahrheit“, ärgert sich Lohninger. Orientierung könnten die aus seiner Sicht rasch erfolgten Lösungen in der Steiermark oder auch in Wien bieten. Mehr Kooperationsbereitschaft von der GKK wünscht sich Lohninger im Land Salzburg auch beim Arzneidialog, „der in anderen Bundesländern längst erfolgreich umgesetzt wird“. Positiv sieht er die Informationsveranstaltungen zum Thema Verschreibepraxis.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben