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Praxis 17. August 2005

Feng-Shui-Kniffe für die Arztpraxis

„Praxisräume zum Lächeln bringen.“ Das hat sich Mag. Susanna Eckhart, Feng-Shui-Beraterin in Wien, zur Aufgabe gemacht. Räume – auch Warteräume – wirken auf Menschen, sie können beruhigen, aber auch aggressiv machen.

„Zahlreiche Studien belegen, dass Mitarbeiter von Firmen, deren Büros von großflächigen Glasfassaden umgeben sind, häufiger krank sind als Mitarbeiter, in deren Büros ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Stein- und Glasbau besteht“, so Eckhart. Ihre Erklärung: Glasfenster bieten dem Menschen – anders als Mauern – keinen wirklichen Schutz. Auf Dauer machen sie dort Arbeitende unsicher und auch weniger belastbar.

Farben und Formen aufeinander abgestimmt

Susanna Eckhart, die für verschiedenste Firmen gearbeitet hat, kann immer mehr Ärzte zu ihren Kunden zählen – und das nicht nur, weil sie mit einem Arzt verheiratet ist. „Im Vertrauen auf die beruhigende Wirkung auf Patienten richten sich viele nach Feng-Shui-Regeln ein“, freut sich die Beraterin. Feng-Shui in der Arztpraxis sei nicht zwanghaft verfolgte chinesische Symbolik. Es gehe um Farben und Formen, die energetisch aufeinander abgestimmt werden. „Oft sind nur ein paar Bilder auszutauschen, Stühle im Wartezimmer umzustellen oder der Eingangsbereich harmonischer zu gestalten“, sagt Eckhart. Sie weiß, dass Praxen oft nicht umzubauen sind, sondern mit nur wenigen „Tricks“ für Patienten und Mitarbeiter angenehmer gestalten werden können. Bei der Auswahl von Bildern gelten für Eckhart gewisse Regeln: „Abstrakte Bilder, so schön sie auch sein mögen, haben in Praxisräumen nichts zu suchen. Patienten gehen unterbewusst auf die Suche nach dem Sinn in der Malerei. Und wer sucht, hat Schwierigkeiten, sich zu entspannen, weil sein Geist ruhelos ist.“ Besser eigne sich Landschaftsmalerei als Praxisdekoration. Die hätte eine eindeutige und friedliche Aussage, so Eckharts Erfahrung.

Meist nur kleine Handgriffe

Auch im Wartezimmer genügen meist kleine Handgriffe, damit sich Patienten wohler fühlen. Ärzte stellen oft die Stühle zu nahe aneinander. Dies könne schnell ein Gefühl der Enge hervorrufen. Im schlimmsten Fall „fühlen sich Patienten wie Hühner auf der Stange, als Massenware bei einer Fließband-Abfertigung“. Ein Manko bei der Raumgestaltung ist oft der Eingangsbereich der Praxis. „Viele sind eng und außerdem dunkel. Solche Konstellationen lösen automatisch Stress aus“, gibt die Feng-Shui-Expertin zu bedenken. „In hellen und geräumigen Eingängen fühlen sich Patienten dagegen wohler. Eine vernünftige und helle Lampe tut oft wahre Wunder.“

Der optimale Schreibtischplatz

Doch nicht nur Patienten, auch das Praxispersonal kann von Feng-Shui-Kniffen profitieren. „Ein Arzt arbeitet entspannter, wenn er seinen Schreibtisch in jenen Bereich des Raumes verlegt, der am weitesten von der Tür entfernt liegt“, rät Eckhart. „Die größte Kraft liegt nach der Feng-Shui-Lehre im größten Überblick.“ Es sei kein Wunder, dass im Gericht die Richter immer am hintersten Ende des Raumes sitzen, um von dort aus ihren juristischen Geschäften nachzugehen. Um die Arbeit für Arzthelferinnen freundlicher zu gestalten, empfiehlt Eckhart, den Empfangsbereich nicht zu hoch zu bauen: „Oft verschwinden die Helferinnen förmlich dahinter.“ Doch je kompletter man einen Menschen wahrnehme, desto mehr Kraft gehe von seinem Körper aus. „Es kann durchaus sein“, so Eckhart, „dass ein Patient gegenüber einer Helferin frech auftritt, weil er nur ihren Kopf- und Schulterbereich sieht. Wie das Sprichwort schon richtig sagt, nimmt er sie dann nicht ganz für voll.“

Feng-Shui in China

„Feng-Shui“ bedeutet soviel wie „Wind und Wasser“ und bezeichnet die 4.000 Jahre alte chinesische Kunst, Räume harmonisch zu gestalten. Heutzutage wird in China vor jedem Hausbau ein Feng-Shui-Meister zu Rate gezogen. Das war nicht immer so: Im ersten Jahrhundert nach Christus gab es dort ein Gesetz, das nur der kaiserlichen Familie und höchsten Beamten erlaubte, Feng-Shui anzuwenden. Zuwiderhandeln wurde mit dem Tode bestraft.

Dr. Jürgen Brunotte, Ärzte Woche 30/2004

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