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Praxis 17. August 2005

Kinder bei Laune halten

Viele Erwachsene kaufen nur deshalb in bestimmten Geschäften ein, weil sich ihre Kinder dort wohl fühlen. Diese clevere Marketingstrategie lässt sich auch in Arztpraxen nutzen.

„Was für Kurzweil der Kinder sorgt und somit für kurze Entspannung gestresster Eltern, wird von manchen Dienstleistern derart geschickt ausgenutzt, dass der Konsum der Dienstleistung als Belohnung für Kinder eingesetzt wird“, so Harald Kuttner von der Wiener Unternehmensberatung Steigflug. Diese clevere Marketingstrategie lässt sich seiner Ansicht nach auch für Arztpraxen nutzen: „Man muss ja nicht gleich im Stil von Fast-Food-Ketten bei jedem Arztbesuch den Kindern ein neues Geschenk mitgeben, wer aber den Kindern das Warten vergnüglich macht, bringt Eltern dazu, sich im Bedarfsfall für seine Ordination zu entscheiden.“

Von der Wirtschaft lernen

In den meisten Branchen der Wirtschaft ist Verdrängung und Wettbewerb dieser Art längst nichts Neues mehr. Man muss ständig nach neuen Wegen und Maßnahmen suchen, um am Markt weiterhin erfolgreich bestehen zu können.„Auch der Wettbewerb zwischen Ärzten ist bereits groß, und wer sich in den nächsten Jahren nichts Neues einfallen lässt, wird langsam und stetig Patienten verlieren“, so Kuttner. Dabei lassen sich Ideen und Strategien der Patientenbindung außerhalb von Arztpraxen übernehmen und in einer Ordination umsetzen. Kundenorientierung, Service und zielorientierte Kommunikation stehen dabei laut Kuttner immer im Vordergrund. Bei jedem Friseur werden beispielsweise Getränke und aktuelle Zeitschriften angeboten. Auch mit Dekoration ist einiges zu machen – nichts ist schlimmer, als jahrelang die gleiche Praxisdekoration zu verwenden, die schon Verschleißerscheinungen zeigt.

Gute Ideen müssen gar nicht teuer sein

Die meisten Firmen wissen bereits, dass man über die Kinder zu den Erwachsenen als Kunden kommt. Wo sich Kinder wohl fühlen, gehen Erwachsene auch gerne hin. „Das Gefühl kommt bereits bei einfach eingerichteten Spiel­ecken auf, das Spielzeug darf ruhig funktionstüchtig sein und nicht so abgewirtschaftet wie in manchen halbherzig eingerichteten Arztpraxen“, rät Kuttner. Auch ein Aquarium als Blickfang kann Kinder stundenlang fesseln. Gute Kinderbücher oder Comics sind ebenfalls geeignet, die Kleinen lange zu beschäftigen. In Arztpraxen herrscht aber gerade in diesem Bereich oft unnötige Sparsamkeit vor. Kuttner: „Für viele Ärzte ist es mühsam oder hinausgeschmissenes Geld, sich auf diese Weise um die Patienten/Kunden zu kümmern.“ Dabei ist die Liste preiswerter Ideen endlos lang: ausrangierte PCs, auf denen aber Spiele noch gut laufen, Lego- oder Duplosteine, die von den eigenen Kindern schon ausgemustert wurden.„Auch babygerechte Ordinationen können zur Patientenbindung beitragen“, ist Kuttner überzeugt. Eine Mutter mit Kleinkind bewertet den Warteraum nach vorhandenen gefährlichen und zerbrechlichen Gegenständen. Tatsächlich lassen sich die meisten kleinen Kinder mit einfachen Dingen aus der Praxis wie Verbands- oder Pflasterresten sowie kleinen Spritzen relativ leicht ablenken und beschäftigen. Ein Karton mit derartigen Utensilien schafft auch Raum für Kommunikation mit dem Patienten.„Denkbar sind aber auch eigene Mutter-Kind-Nachmittage, die den Patienten signalisieren, dass Kinder in der Ordination willkommen sind“, regt Kuttner an. Jedenfalls sollte kein Arzt auf die Zielgruppe junge Mütter, Babies und Kinder verzichten. Diese Zielgruppe bedeute sicheren Umsatz, der zu einem guten Teil aus Prävention bestehe und daher auch in Zukunft von den Sozialversicherungen gut honoriert werden wird.

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