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Praxis 17. August 2005

Hätten Sie gern eine Praxis-GmbH?

Eine Senkung der Körperschaftssteuer lässt den Ruf nach Ärzte-GmbHs als Organisationsform für Ordinationen wieder lauter werden. Doch ein Vergleich der Vorteile mit jenen von Einzelunternehmen gibt keinen Anlass zu Euphorie.

Der Finanzminister war in Bezug auf die Steuerreform 2005 nicht untätig, allerdings hat er Ärzte als Freiberufler nicht in die Gruppe seiner Begünstigten aufgenommen. Der Berechnungsmodus für die Steuer wurde zwar geändert, aber es bleibt, wie bisher, bei einer progressiven Steuer in identischer Größenordnung, das heißt beim zunehmenden Durchschnittssteuersatz, je höher das jeweilige Einkommen ausfällt.

Was bedeutet das in Zahlen?

Bei einem Jahreseinkommen von 60.000 Euro fallen 36 Prozent Einkommensteuer an, 100.000 Euro werden schon mit etwa 42 Prozent besteuert. Bei 220.000 Euro Jahreseinkommen müssen schon mehr als 46 Prozent Einkommensteuer an das Finanzamt abgeliefert werden. Steuerlich bedacht wurden hingegen andere Unternehmensformen. Wer eine GmbH besitzt, wurde bisher mit 34 Prozent Körperschaftssteuer (KÖSt) zur Kasse gebeten. Der verbleibende Rest (Gewinn minus KÖSt) wurde bei Ausschüttung mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer (KESt) versteuert. Dies ergab einen linearen Steuersatz von 50,5 Prozent, also bei jeder Einkommensklasse ungünstiger als das Freiberuflerdasein. Das ändert sich 2005: Die KÖSt wird auf 25 Prozent gesenkt, wodurch eine lineare Gesamtbelastung von 43,75 Prozent entsteht. Daher wird der Ruf nach möglichen GmbHs für Ärzte immer lauter. Dies entspricht einer Steuerbelastung beim Freiberufler, der ein Gewinn von etwa 135.000 Euro zugrunde liegt. Macht der Freiberufler weniger Gewinn, hat er eine geringere Steuerbelastung, als er bei einer GmbH hätte. Macht er hingegen mehr Gewinn, könnte er von einer GmbH profitieren.

Folgen einer Umstellung von Einzelunternehmen auf GmbH

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Der Betrieb einer GmbH statt eines freiberuflichen Einzelunternehmens würde auch zu organisatorischen Änderungen zwingen. So müsste statt Einnahmen-/Ausgaben-Rechnung eine Bilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung geführt werden, mit allen Ausprägungen wie Kassenführung und Inventur. Das würde neben großem internen Mehraufwand auch zu einem Anschwellen der Beratungskosten führen; ganz abgesehen von den Errichtungskosten bei Umstellung. Eine GmbH bräuchte weiters einen Geschäftsführer. Der Arzt würde in der GmbH angestellt und bezöge ein Gehalt. Für ihn würden wie bei anderen Dienstnehmern alle Lohnnebenkosten anfallen, diese wären höher als dies bei freiberuflicher Tätigkeit der Fall ist. Das muss man natürlich auch in der Kalkulation berücksichtigen.

Thema Geschäftsführergehalt

Doch wie dimensioniert man das Gehalt? Beachtet werden müsste die Angemessenheit, außerdem sollte man die niedrigen Progressions-stufen ausnutzen. Was jedenfalls positiv zu Buche schlagen würde, sind die Marginalbesteuerungen des 13. und 14. Monatsgehalts. Wie hat sich die Vergleichsberechnung nun verändert? In Summe brächte eine Umstellung von Einzelunternehmen auf GmbH eine Kostenerhöhung, daher hätte sich der Break-even der Steuerbelastung auf rund 167.000 Euro Gewinn erhöht. In diesem Falle wäre bei beiden Rechtsformen ein Nettoeinkommen des Inhabers von knapp 92.000 Euro gegeben. Als Vergleich: Bei 200.000 Euro Jahresgewinn liegt der Unterschied bei etwa 2.000 Euro zugunsten einer GmbH, bei 250.000 würde man sich heiße 5.000 Euro sparen.

Ohne zusätzliches Steuerzuckerl uninteressant

Will man sich für diese Beträge den ganzen organisatorischen Mehraufwand antun, zumal das nur für einen Bruchteil aller Ordinationen aufgrund der Gewinnsituation überhaupt in Frage kommt? Ohne ein zusätzliches Steuerzuckerl sicher nicht – aber da war doch noch was? Ja richtig! Eine weitere Steuervergünstigung, wenn die Gewinne nicht ausgeschüttet werden, sondern im Betrieb verbleiben. Was lehrt uns die Erfahrung: Wer viel Geld verdient, gibt es auch aus. Fast alle Menschen (auch Ärzte) orientieren sich bei der privaten Lebensplanung am Einkommen. Das bedeutet, dass nur die wenigsten in der Lage sein werden, überhaupt Geld im Betrieb zu lassen; zu groß sind die Häuser, die Autos und die dahinter stehende Kreditrückführung. Auf lieb gewonnene Gewohnheiten wie Urlaube will man auch nicht verzichten. So sind 20.000 Euro als nicht entnommener Gewinn mit Sicherheit auch für gut situierte Ärzte ein Richtwert. Was passiert in diesem Fall? Der gesamte Unternehmensgewinn unterliegt der KÖSt, KESt-besteuert wird aber nur die Entnahme. Der nicht entnommene Teil wird also quasi bis zum Zeitpunkt der Entnahme KESt-befreit, was zu einer Steuerentlastung von 5.000 Euro (pro Jahr) führt.

Zinseffekt sehr bescheiden

Aber Vorsicht: Die Versteuerung erfolgt zum Zeitpunkt der Entnahme, die sicher irgendwann einmal erfolgen wird, spätestens bei der Praxisniederlegung. Es entsteht damit also nur ein „Stundungseffekt“. Rechnet man die „gesparten“ 5.000 Euro auf 10 Jahre mit drei Prozent verzinst hoch, kommt man auf einen Zinseffekt von knapp 1.700 Euro – vorausgesetzt, das Geld wird wirklich gespart, weil von irgend etwas muss man ja schließlich leben. Summa summarum wäre die Umwandlung in eine GmbH also nur etwas für die wirklich „gut gesattelten“ Ärzte, die einerseits hohe Gewinne erzielen und diese andererseits nicht gänzlich für die Einkommensteuer und für Privatentnahmen verwenden müssen. Trotzdem steht die Frage im Raum, ob sich der ganze Zusatzaufwand lohnt. Außerdem wurden weitere wichtige Fragestellungen, wie beispielsweise nach Mitgesellschaftern oder berufsrechtlichen Themen, hier aus Platzgründen noch gar nicht aufgeworfen.

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