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Praxis 17. August 2005

Drei praktikable Kooperationsformen

Was vor einigen Jahren noch Zukunftsmusik war, beschäftigt mittlerweile weite Kreise der Ärzteschaft: Ärztliche Kooperationen sind zur Regel geworden. Einige Spielvarianten bringen den erwünschten Nutzen.

Die möglichen Synergieeffekte geeigneter Modelle sind offenbar groß genug, immer mehr als Einzelkämpfer ausgebildete Mediziner zu gemeinsamem Handeln zu motivieren. „Das Gruppenpraxen-Gesetz darf im Rahmen dieser Diskussion durchaus als missglückt bezeichnet werden“, sagt Harald Kuttner, Unternehmensberater aus Wien. Von den vereinzelt in Wien gegründeten Gruppenpraxen bestehe nicht einmal mehr eine Hand voll, stattdessen gebe es unzählige Modelle als Versuch, ärztliche Kooperationen aufzubauen.

Dauervertretungen in Wien

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Bei manchem Modell haben sich die Möglichkeiten der Umsatzausweitung, Kostenreduktion sowie Verbesserung der Organisation doch nicht wie geplant eingestellt; zu groß sind offenbar auch die Möglichkeiten potenzieller Meinungsverschiedenheiten der ärztlichen Partner. Kuttner kennt jedoch drei Spielarten von Kooperationen, die sich auf breiter Front durchgesetzt haben: „Besonders erfolgreiche Modellierungen sind im Bereich der Dauervertretungen in Wien anzutreffen.“ Hierbei greift der Arzt aufgrund unerträglicher Arbeitsbelastung auf einen oder mehrere Vertreter zurück, wobei diese umsatzabhängig entlohnt werden können.

Vorteile durch Ausweitung der Ordinationszeiten

„So entsteht fast automatisch eine schlanke Kostenstruktur durch die optimale Ausnutzung von Ressourcen“, weiß Kuttner. Die Patienten haben schon allein durch die mögliche Ausweitung der Ordinationszeiten bessere Voraussetzungen, das vorhandene Angebot wahr-zunehmen. „Es muss in Urlaubszeiten auch nicht mehr geschlossen werden, viele Vorteile einer Gruppenpraxis in Optimalform sind bei diesem Modell zu erkennen“, resümiert der Unternehmensberater.

Untervermietung auch am Land

Ein gängiges Modell, das sich auch in ländlichen Gebieten immer stärker etabliert, ist die Untervermietung von Ordinationen. Diese Form der „Kooperation“ macht selbst vor entlegenen Hausapothekergebieten nicht Halt. Ein Arzt nutzt die Infrastruktur seiner Ordination dadurch besser aus, indem er diese einem Kollegen zur unbenutzten Zeit untervermietet. Dabei spielt es keine Rolle, ob mit diesem Kollegen auch in weiterer Folge zusammengearbeitet wird. Diese Konstellation eignet sich für fachgleiche wie fachübergreifende Kooperationen. Die Entlohnung erfolgt über eine Stunden- oder Tagesmiete, auch umsatzabhängige Modellierungen sind möglich. Beim dritten von Kuttner angesprochenen Modell wird versucht, medizinische und pharmazeutische Versorgung zu kombinieren. Innovative Apotheker bieten an, Ordinationen im gleichen Gebäude anzusiedeln. Solche Modelle haben weitreichende Vorteile, unter anderen schätzen es die Patienten, wenn sie mehrere Wege in einem Haus erledigen können.

Langfristige Wertsicherung für Standort und Immobilie

In zahlreichen Fällen haben sich so schon medizinische Kompetenzzentren gebildet, in denen den Patienten neben Versorgung mit Kassenmedizin und Medikamenten auch Alternativmedizin angeboten wird. Selbstverständlich sind bei solchen Modellierungen auch die beiden erstgenannten Kooperationsformen Dauervertretung und Untervermietung zusätzlich zu ermöglichen, wodurch sich die Nutzung von Synergien nochmals erhöht. Tatsache ist, dass bei Kooperationen dieser Art auch der Wert von Standort und Immobilie langfristig abgesichert ist.

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