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Praxis 17. August 2005

Hohe Gewinne und trotzdem pleite

Aus diversen Untersuchungen ist eine Reihe von Gründen bekannt, die Unternehmer immer wieder zum Konkursrichter führen: zu viel Personal, unrentable Technik, zu kapitalintensive Technologie, zu große Räumlichkeiten, falsche Finanzierungskonzepte, zu frühe Anschaffung einer Immobilie sowie ungenutzte Rationalisierungspotenziale.

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als Sie sich selbständig gemacht, Ihr Unternehmen Arzt-Praxis gegründet oder übernommen haben? Damals wurden Ihnen viele gute Wünsche mit auf den Weg gegeben. Waren vielleicht auch einige dabei, die Sie gewarnt und Ihnen empfohlen haben, besonderes Augenmerk auf die Bereiche Finanzierung und Planung zu legen?
Wenn Ihre Praxis heute Gewinne schreibt und Sie im Vergleich zu Ihren Mitbewerbern „hoch-weiß“ dastehen, hat dies seine Gründe. Welche Haupt-Fallgruben haben Sie vermieden? Generell gesehen gibt es für den Arzt im wirtschaftlichen Ablauf seines Unternehmer-Daseins vor allem drei kritische Abschnitte: Die eigentliche Phase des Berufsstarts als niedergelassener Arzt, eine etwa drei bis vier Jahre später mögliche kritische Phase, das Eintreten in die Gewinnzone und schließlich jene Phase, in der der Unternehmer Arzt, bereits wohlsituiert, auf die Suche nach Anlagemöglichkeiten geht.

Gefahren in der Startphase

Für die Startphase gilt eine präzise und ungeschminkte Kapitalbedarfsermittlung auf Basis einer Einnahmen- und Kostenschätzung als entscheidender Teil eines Unternehmenskonzeptes, eines strategischen Konzeptes zur Errichtung und Führung einer Praxis. Darin sind auch die vorgesehenen Privatentnahmen und die voraussichtlichen Steuern nicht zu vernachlässigen und mit den meist ehrgeizigen Investitionen abzustimmen. Zudem sollte die alte Regel ernst genommen werden, dass man mit einem Eigenkapitalanteil von weniger als 30 Prozent bereits riskant finanziert. Diese Gefahr wollen leider auch viele Bankmitarbeiter nicht wahrhaben, wenn es um die Vergabe von Krediten geht.

Schlagartiges Auftreten der Steuerbelastung

Besonders kritisch ist die zweite Gefahrenphase: Das schlagartige Auftreten einer bis dahin nicht gewohnten Steuerbelastung, weil um diese Zeit meist beachtliche Kreditzahlungen und/oder Abschreibposten wegfallen. Bedingt durch die Art der Besteuerung werden da oft Beträge fällig, auf die man sich rechtzeitig vorbereiten sollte: Die meist sprungartig gestiegene Steuervorschreibung für das eigentliche Steuerjahr und zugleich die dieser Vorschreibung angepassten Vorauszahlungen. Selbst Ärzte, die die bisherigen Anforderungen problemlos bewältigen, weil sie entsprechend vorgesorgt haben, werden von „Fluchtreaktionen“ heimgesucht. Häufig wird in dieser Situation in Investitionen Zuflucht genommen, die zwar steuermindernd wirken, aber bei kühler Überlegung nicht den erhofften Ertrag bringen.
Das Lustgefühl der Steuerminderung wird so zuweilen vom Unlustgefühl abgelöst, unrentable Investitionen getätigt zu haben. Eine ähnliche Situation ergibt sich für Ärzte auch bei jeder sprunghaften Steigerung des Ertrags. Und wenn schon nicht steuersparend in Geräte investiert wird, fallen in solchen Zeiten häufig Entscheidungen für bauliche Investitionen, vornehmlich im privaten Bereich. Dabei kommt es nicht selten zu beachtlichen Überschreitungen der vorgesehenen Ausgaben. Die umfangreichsten und riskantesten Abenteuer gehen auch Ärzte, deren Praxis gut geht, meist im letzten Abschnitt ihres Berufslebens ein. Besonders kritisch ist das erfahrungsgemäß dann, wenn es um die Anlage größerer Beträge geht, weil dies leicht zu einem „Klotz am Bein“ werden kann.

Dr. Jürgen Brunotte, Ärzte Woche 27/2004

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