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Praxis 17. August 2005

Reisewarnung gilt als Stornogrund

Wann und zu welchen Bedingungen kann eine Reise storniert werden? Die Rechtslage dazu ist eher unübersichtlich. PRAXIS & WIRTSCHAFT hat einen Überblick erarbeitet.

Eigentlich ist es erstaunlich, wie schnell die Reiselust der Österreicher nach jedem Horrorszenario zur Normalität zurückkehrt. Weder das Attentat auf Bali noch die Boden-Luft-Rakete in Kenia noch die Vogelgrippe in Asien konnten das Reiseverhalten nachhaltig bremsen. Nicht einmal der Anschlag auf das World Trade Center oder der Irak-Krieg lösten eine anhaltende Reisepanik aus. Dennoch kann es Gründe geben, eine gebuchte Reise nicht anzutreten. Die Annahme eines Stornos sollte aber – trotz Versicherung – nicht als selbstverständlich erachtet werden. Ein wesentliches Kriterium für ein Storno ist die Sicherheitsbeurteilung des Ziellandes durch das Außenministerium. Sie erfolgt in den zwei Stufen „erhöhtes Sicherheitsrisiko“ und „Reisewarnung“ und kann tagesaktuell im Internet abgerufen werden (www.bmaa.gv.at – Reisehinweise).
Die erste Stufe, „erhöhtes Sicherheitsrisiko“, besteht für viele, auch populäre Reiseziele und ist kein Stornogrund. Die zweite Stufe ist die „Reisewarnung“. Sie wird vom Außenministerium nur bei akuter Gefährdung ausgesprochen und besteht etwa für den Irak oder Afghanistan, nicht aber für Israel. Aufgrund eines Übereinkommens mit der Reisebranche können Reisen in Gebiete, für die eine Reisewarnung besteht, kostenlos storniert werden; zumindest solange die Reisewarnung aufrecht ist. Denn dann fällt nach dem ABGB die Geschäftsgrundlage weg und das Geschäft ist von beiden Seiten auflösbar.

Angst allein reicht nicht

Wenn irgendwo eine Bombe explodiert, ist das jedoch keineswegs automatisch ein Stornogrund. Angst zu haben ist zu wenig, es muss eine konkrete Gefährdung der körperlichen Sicherheit gegeben sein. Wann das der Fall ist, entscheidet in letzter Konsequenz das Gericht. Dabei spielen die Entfernung des Urlaubsortes vom Geschehen und der Zeitabstand zum Reiseantritt eine wesentliche Rolle. Grundsätzlich wird kein Reisebüro oder Reiseveranstalter seine Kunden leichtfertig Gefahren aussetzen. Umbuchungen und Stornos werden daher großzügig gehandhabt. Wer ein Hotel in Österreich bucht, sollte auf einer schriftlichen Buchungsbestätigung bestehen, denn die Rechte und Pflichten gelten für beide Seiten. Nur so haben Sie bei der Anreise etwas in der Hand, das Ihnen Ihr Recht auf das gebuchte Zimmer garantiert.
Für Stornofälle gelten seitens der österreichischen Hotellerie folgende Bedingungen: Bis drei Monate vor Ankunft des Gastes kann der Vertrag von beiden Seiten ohne Stornokosten aufgelöst werden. Ab einem bis drei Monate vor dem Urlaub wird eine Stornogebühr im Ausmaß des Zimmerpreises für drei Tage fällig. Wer kurzfristiger als einen Monat vor Urlaubsbeginn storniert, ist zur Bezahlung des vereinbarten Betrages verpflichtet. Der Beherberger muss jedoch abziehen, was er sich infolge der Nichtinanspruchnahme seines Angebots erspart. Ist Zimmer mit Frühstück gebucht, sind das zumeist 20 Prozent des Gesamtpreises, bei Halbpension 30 Prozent.

Zu wenig Schnee ist kein Stornogrund

In manchen Jahren bekommen Skiurlauber die Launen von Frau Holle leidvoll zu spüren – Schnee ist absolute Mangelware, die Skifahrer drängen sich auf wenigen künstlichen Schneebändern zusammen. Das macht zwar wenig Spaß, ist aber leider kein Grund für ein Storno, denn der Hotelier erfüllt ja seinen Vertrag. Anders verhält sich die Situation bei Hochwasser. Steht das Hotel im Wasser, so entfällt eindeutig die Geschäftsgrundlage. Der Hotelier kann seinen Teil des Vertrags nicht erfüllen. Dem Gast entstehen keine Stornokosten. Ist man hingegen am Urlaubsort eingeschneit und kann diesen nicht zum ausgemachten Zeitpunkt verlassen, so muss der Gast die zusätzlichen Nächte bezahlen. Es sei denn, er hat eine Reisestorno-Versicherung. Auch bei Flugbuchungen gilt die Abmachung laut Vertrag. Die teuren Linienflüge zum offiziellen Tarif sind „refundable“, das heißt, sie können kostenfrei umgebucht und storniert werden. Hält man jedoch ein „Special fair“-Ticket in Händen (Pex-Tarife), so entstehen in der Regel 50 Prozent Stornokosten. Zur Minimierung des eigenen Kostenrisikos bietet sich der Abschluss einer Reisestorno-Versicherung an. Mit deren Abschluss ist man tatsächlich fast alle Sorgen der Kostenübernahme los, vorausgesetzt natürlich, man hält sich auch hier an die Abmachung.

Dr. Jürgen Brunotte, Ärzte Woche 24/2004

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