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Praxis 17. August 2005

Ressourcen gemeinsam optimal nutzen

„International ist ein Trend zur Errichtung von Ärztezentren zu beobachten“, betont der Facharzt für Radiologie Dr. Peter List. Er ist Geschäftsführer des neuen Medizinischen Dienstleistungszentrums (MDZ) in Rohrbach (OÖ).

„Zentren wie das MDZ bringen eine Qualitätsverbesserung der medizinischen Versorgung unter optimaler Ausnutzung der Ressourcen“, ist List überzeugt. Ein zentraler Aspekt dabei ist für ihn, dass die Menschen aus der Region keine Tagesreise nach Linz mehr antreten müssen, um Fachärzte konsultieren zu können.

Langwierige Verhandlungen

Schon 1997 fand sich eine Kerngruppe von Medizinern, die dringend nach neuen Räumlichkeiten Ausschau hielt. Langwierige Verhandlungen mit Gebietskrankenkasse, Landesregierung und Ärztekammer folgten. Diese Gespräche führten allerdings zu keinem Ergebnis. „Anfang 2000 haben wir die Idee des Ärztezentrums mit einer Kombination von Kassenstellen und Wahlarztpraxen entwickelt“, berichtet List. Dann folgte eine mindestens ebenso mühsame Standortsuche. „Ein solches Projekt kann nicht auf der grünen Wiese realisiert werden, eine zentrale Lage oder etwa die Nähe eines größeren Einkaufzentrums sind unbedingt notwendig“, betont der Radiologe. Im Jahr 2002 erfolgte schließlich der Spatenstich, das MDZ besteht nun aus einem totalsanierten denkmalgeschützten Altbau und einem Neubau.„Die Realisierung war auch nur deswegen möglich, weil ich mich mit meinem Kollegen Dr. Manfred Spannbauer dazu entschlossen hatte, eine Praxisgemeinschaft für Radiologie zu realisieren. Wir sind beide Wahlärzte, eine in Oberösterreich einmalige Konstruktion, die sich für dieses Projekt bereits sehr gut bewährt hat“, ergänzt List.

Vermeidung von Parallelstrukturen

Beide Ärzte sind nebenbei weiter im Krankenhaus Rohrbach tätig, „auch hier ist uns eine enge Kooperation und die Vermeidung von Parallelstrukturen wichtig“, so List. Eine Besonderheit des MDZ ist ein Gemeinschaftslabor, das sowohl den Ärzten des Zentrums als auch allen Allgemeinmedizinern der Region offen steht. Im MDZ finden sich nun auf fast 1.300 Quadratmetern neben den Radiologen zwei Allgemeinmediziner, ein Urologe, Fachärzte für Augenheilkunde, Innere Medizin, Gynäkologie und HNO. Angeboten werden auch Massagen, Ernährungs- und Lebensberatung.
Damit steht für die Region eine bis dahin nicht gekannte breite Auswahl an Fachrichtungen zur Verfügung. List erscheint als besonders wichtig, „dass wir in dieser Form patientenfreundliche Öffnungszeiten anbieten können, also auch nachmittags und mehrmals in der Woche abends.“ Im MDZ gibt es weiters ein Fachgeschäft für Optik und Hörgeräte. Angeboten werden zudem Massagen, Lebensberatung und Ernährungsberatung. Als Beitrag zur Qualität der medizinischen Versorgung im MDZ gibt es regelmäßige Kooperationsgespräche aller Partner. Im Haus wurde ein ausgeklügeltes Intranet-System realisiert, das den reibungslosen Austausch von Befunden und anderen Informationen garantiert. Zudem ist für zuweisende Ärzte über Internet (www.mdz-rohrbach.at) zugleich mit einer Überweisung eine Terminorganisation möglich. In der letzten Ausbaustufe wird auch Patienten diese Möglichkeit eröffnet.

Wertvolle Beratung durch Kollegen mit Erfahrung

„Wer ein solches Ärztezentrum realisieren will, braucht einen langen Atem“, resümiert List aus eigener Erfahrung. Wertvoll sei eine entsprechende Unterstützung von außen. So haben die Betreiber des MDZ unter anderem Beratung vom Ärztezentrum in Freistadt in finanziellen Belangen bekommen. Eine wichtige Voraussetzung ist eine positive Grundeinstellung der anderen Ärzte in der Region. „Natürlich wird es gewisse Ängste vor Konkurrenzdruck geben“, so List. Letztlich würden aber alle von den neuen Angeboten profitieren.

Gesellschaftsform und Finanzierung

Neben einem guten Standort spielen Fragen nach der Gesellschaftsform und der Finanzierung eine bedeutende Rolle bei einem derartigen Projekt. „Wir haben uns für eine Ges.m.b.H. und eine Leasingfinanzierung entschieden, die auch steuertechnisch sehr günstig ist“, berichtet List. Der Großteil der Investitionen von etwa 3,2 Millionen Euro wurde von den Ärzten finanziert, dazu kamen Subventionen der Gemeinde und des Denkmalschutzes. Das Angebot des MDZ kann schrittweise um weitere fachärztliche Angebote erweitert werden. „Der Platz dazu ist vorhanden“, so List.

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