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Praxis 17. August 2005

Praxis-Sharing leicht gemacht

Ärztliche Kooperationen sind im Vormarsch. Die Gruppenpraxen-Gesetzgebung ist zwar in den meisten Bundesländern noch nicht ausgereift, aber das hindert viele Ärzte nicht daran, trotzdem zu kooperieren.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, ein mehr oder weniger fest gebundenes Praxis-Sharing zu betreiben, und zwar grundsätzlich unabhängig davon, ob es sich nur um Wahlärzte, nur um Kassenärzte oder um eine gemischte Form handelt. Ja, richtig gelesen! Diese Varianten von Praxis-Sharing stehen auch Kassenärzten zur Verfügung. Sie werden allerdings kaum genutzt, da der Kostendruck nicht so groß ist wie bei Wahlärzten. Die einfachste Form von Praxis-Sharing lässt sich über eine Untervermietung herstellen. Dabei wird eine marktübliche Miete ausgemacht, der Praxisinhaber trägt jedoch das gesamte wirtschaftliche Risiko der Ordination allein. Intensivere Kooperationsformen zeichnen sich dadurch aus, dass man die Praxiskosten oder zumindest einen Teil davon aufteilt und irgendwie gegenverrechnet. Manche gehen sogar soweit und schmeißen auch alle Einnahmen in einen Topf, der dann nach einem festgelegten Schlüssel aufgeteilt wird. Eines ist klar: Je intensiver die Kooperation, desto größer die Problemanfälligkeit. Unsere Expertenrunde gibt in dieser und der nächsten Ausgabe Tipps, wie man Praxis-Sharing-Modelle nachhaltig aufbaut.

Mag. Dr. Karl Braunschmid
Steuerberater, Linz
Tel. 0732/77 00 37

Trotz diverser Bemühungen der Ärztekammern in Ostösterreich gibt es derzeit noch kein ausgereiftes System, um eine Kassenpraxis mit einem Partner zu betreiben. Die vielfach so gelobte Gemeinschaftspraxis ist aufgrund ihrer Honorarabschläge benachteiligt und kann aus meiner Sicht wirtschaftlich nur ein Übergangsvehikel sein. Grundsätzlich ist die Betrachtung ärztlicher Gemeinschaften aufgrund der gesetzlichen Vorgaben ganz allgemein in Kassen- und Privatärzte zu teilen. Die Kassenärzte haben derzeit noch keine betriebswirtschaftlich sinnvolle Möglichkeit, ihre Ordination mit einem Zweiten zu betreuen. Deshalb flüchten viele Kollegen in die halblegale Dauervertretung, um die Lasten des Ordinationsalltages mit einem Zweiten zu teilen. Hierbei zeigt die Erfahrung, dass hauptsächlich die Honorarfrage und die Mitverantwortung zu Differenzen führen. Klarerweise kann eine häufige Unterstützung in der Praxis nicht mit einem gleich hohen Honorar vergütet werden wie allfällige Einzelvertretungen. Deshalb sind viele Ärzte dazu übergegangen, ihren Vertretern eine Umsatzbeteiligung anzubieten. Wie die Praxis zeigt, hat der Vertreter hierbei allerdings ein in vielen Fällen unkalkulierbares wirtschaftliches Risiko. Wir empfehlen unseren Kunden daher, auf Basis eines geringeren Fixums eine zusätzliche Umsatzbeteiligung zu vereinbaren.
Weiters hat es sich als äußerst nützlich erwiesen, von vornherein nicht nur finanzielle Details zu vereinbaren, sondern mit der Erstellung einer schriftlichen Aufgabenverteilung genau die Kompetenzen und Aufgaben der beiden Ärzte als Führungskräfte im Unternehmen festzuhalten. Privatärzte haben es deutlich einfacher. Sie müssen sich bei einer allfälligen Kooperation nur die gewünschte Gewinn- oder Umsatzverteilung vereinbaren, da sie sonst keine weiteren gesetzlichen Vorgaben zu beachten haben. Sollte aus einer vorübergehenden Kooperation ein tatsächlich gesellschaftsähnliches Auftreten am Markt erfolgen, so empfehlen wir in allen Fällen, dies auch in Form einer Gesellschaftsgründung zu untermauern. Jedenfalls sollten alle von uns empfohlenen Vereinbarungen schriftlich festgehalten und im Optimalfall durch gemeinsame Anwälte dokumentiert werden. Diese sollten ohnehin bei jeder weiteren wirtschaftlichen Entscheidung zugezogen werden, um Details wie zukünftige Investitionen, Get-Out-Optionen und Sonstiges im Vorhinein zu klären.

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