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Praxis 23. November 2005

Praxisräume zum Fixpreis

Ärztezentren mit variablen Angeboten für die Anmietung von Ordinations-räumen punkten durch überschaubare Kosten. Wer aufwändige Investitionen scheut, ­findet darin eine durchaus ­attraktive Alternative.

Der Trend zu ärztlichen Kooperationen hält unvermindert an. Doch vielen Ärzten sind die gängigen Kooperationsformen zu intensiv, man möchte sich ungern an einen oder mehrere Partner binden, eventuell sogar mit großem wirtschaftlichem Risiko. Diesen Trend hat Artur Hofmann von der MED GmbH in Hallein erkannt, der an einigen Standorten in Österreich Dienstleistungszentren für Medizin plant. Das Konzept dieser Ärztezentren sieht vor, dass sich ein Arzt einmietet und entsprechend der gewünschten Stundenzahl eine fixe, gleich bleibende Miete bezahlt.

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Monatsmiete „all inclusive“

„Diese Miete umfasst die Raum- und Betriebskosten für 70 Quadratmeter, aber auch die gemeinsam genutzten Räume wie Anmeldung, Wartebereich, Sozialräume und Toiletten“, erklärt Hofmann. „Weiters ist das notwendige Investitionsvolumen integriert, beim Facharzt beispielsweise rund 150.000 Euro.“ Um optimales Arbeiten speziell für Wahlärzte zu gewährleisten, steht eine EDV-Anlage zur Verfügung. Die Rezeption ist ganztägig besetzt im Mietpreis enthalten, ebenso die Reinigung der Räume. Ein Beitrag für Werbekosten wird dazu verwendet, um das Ärztezentrum in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Der Betreiber übernimmt bei diesem Konzept im Wesentlichen alle organisatorischen, technischen und teilweise auch die kaufmännischen Agenden. Ein Vorteil für Ärzte, die Synergien nutzen wollen und sich gleichzeitig nicht um alles kümmern können.

Ein Berechnungsbeispiel für 36,5 Wochenstunden

Rechnen wir einmal nach, für welche Ärzte sich so ein Modell lohnt: Bei Nutzung von 36,5 Wochenstunden zahlt der Mieter beispielsweise beim Projekt Villach rund 4.500 Euro Monatsmiete. Das summiert sich auf Jahreskosten von 54.000 Euro. Demgegenüber müssen die Kosten bei alternativer Niederlassung auf eigene Faust gestellt werden. So wären allein für eine Miete von 70 Quadratmetern inklusive Nebenkosten etwa 10.000 Euro zu veranschlagen, Rezeption und Reinigung kommen mit weiteren 20.000 Euro pro Jahr hinzu. Die Finanzierung und Refinanzierung der Investitionen schlägt sich mit ungefähr 30.000 Euro pro Jahr zu Buche. Wenn dann noch etwa 7.000 Euro Mehrkosten für Versicherungen, Laborbedarf, EDV, Telefon und Werbung gerechnet werden, kommen in Summe 67.000 Euro zusammen. So gesehen ergeben sich also 13.000 Euro Vorteil pro Jahr für einen Mieter im Ärztezentrum Villach.„Der Vorteil ist natürlich umso höher, je weniger Stunden ein einzelner Arzt in der Ordination verbringt“, so Mag. Manfred Kenda, Steuerberater in Klagenfurt. Nachteil: Je geringer die Stundenanzahl, desto mehr unsichtbare „Partner“ hat man, die in den freien Zeiten die Ordination benutzen.
Zielvorstellung bei der Entwicklung dieser Ärztezentren ist das Anbieten eines Praxisstandortes mit optimalen Rahmenbedingungen, der für den Patienten ein medizinisches Dienstleistungszen­trum darstellt. Durch die Mietbasis nimmt man einerseits Rücksicht auf die steuerlichen Möglichkeiten eines Arztes, andererseits wird kein Eigen- oder Fremdkapital benötigt, um eine eigene Praxis zu starten. Das ist gerade für Wahlärzte von Bedeutung, die sich die zu einem Kauf notwendigen Fremdmittel nicht beschaffen wollen oder können. Aber nicht nur die Kostenseite ist bei solchen Überlegungen relevant. Durch Marketingaktivitäten der Gruppe aller im Zentrum eingemieteten Ärzte ergibt sich schon ein erheblicher Startvorteil bei der Praxisgründung und in weiterer Folge eine permanente Kontaktmöglichkeit zu den Patienten.

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