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Praxis 17. August 2005

Honorargestaltung bei Wahlärzten

Im Gegensatz zur Situation eines Kassenarztes, der nach einem peniblen Tarifsystem entlohnt wird, steht es dem Wahlarzt frei, seine Honorare nach eigenen Kriterien zu gestalten. In der Praxis gibt es theoretisch weder Ober- noch Untergrenzen.

Seit einigen Jahren beträgt die Rückerstattung durch die Krankenkasse maximal 80 Prozent des Kassentarifs, wobei im Regelfall weniger überwiesen wird. Verantwortlich dafür ist die so genannte Scheinschnittanwendung. Wenn beispielsweise eine Leistung nur bei jedem 20. Patienten angewendet werden darf, dann erscheint nur ein Zwanzigstel des verrechenbaren Betrags im Scheinschnitt auf. Der Wahlarztpatient bekommt dann nicht 80 Prozent vom Honorar für diese Leistung ersetzt, sondern nur 80 Prozent vom Zwanzigstel. Dies hat zur Folge, dass manchen Patienten weniger als 40 Prozent des Honorars refundiert werden.

Nicht an Rückerstattung der Kassen orientieren

Jedenfalls sind die Rückzahlungsmodalitäten nicht nachvollziehbar, und Zahlungen erfolgen teilweise erst bis zu einem Jahr später. Dr. Christoph Reisner, Vizepräsident und Wahlärztereferent in Niederösterreich, empfiehlt Wahlärzten, ihren Patienten keine Garantie über eine Größenordnung der Rückerstattung zu geben. Ein Wahlarzt sollte sich bei der Honorargestaltung auch nicht an der Rückerstattung orientieren, sondern ein individuelles Modell für seine Ordination festlegen.
In der Praxis haben sich einige Modelle als brauchbar herauskristallisiert. Als einfachste Variante ist eine Orientierung an den Kassen-tarifen denkbar. Einige Wahlärzte verrechnen 80 Prozent dieses Tarifs. „Das ist für den Patienten natürlich ein Vorteil, da er einen Großteil des Honorars rückerstattet bekommt“, sagt Reisner. Er kann sich allerdings schwer vorstellen, dass sich eine Wahlarztpraxis mit diesen Honoraren wirtschaftlich führen lässt. Als weitere Möglichkeit steht die Verrechnung des Kassentarifs, even-tuell mit einem „Wahlarztzuschlag“, im Raum. Reisner sieht bei diesen Modellen den Nachteil, dass Patienten verschiedener Versicherungssysteme für die gleiche Leistung unterschiedliche Honorare bezahlen müssten: „Wer sich für diese Abrechnungsform entscheidet, sollte darauf achten, den Patienten das ausreichend zu erklären.“
Auch für die kassenunabhängige Verrechnung gibt es laut Reisner einige Modelle: „Man kann Pauschalsummen verrechnen, die unabhängig von der erbrachten Leistung sind. Allerdings ist mit so einem System gerade am Anfang die Positionierung am Markt sehr schwierig.“ Viele Wahlärzte verwenden daher ein zeitabhängiges System, bei dem sich das Honorar aus der Dauer der Ordination ergibt. Wichtig bei dieser Variante ist allerdings, dass der Patient nicht das Gefühl bekommt, die Ordination werde bewusst „verlängert“.

Warnung vor Dumping

Denkbar ist auch ein Mischsystem, bei dem ein Teil aus Pauschale und ein Teil aus Zeitbedarf abgeleitet wird. Wichtig dabei ist, dass die Honorare planbar und nachvollziehbar sind und der Patient sich nicht „über den Tisch gezogen“ fühlt. Der Wahlärztereferent warnt auch davor, mit Dumpingpreisen viele Patienten an sich ziehen zu wollen: „Dann besteht die Gefahr, dass die Leistung vom Patienten als weniger wert beurteilt wird und die Ordination als Ganzes nicht wirtschaftlich geführt werden kann, was nach kurzer Zeit zu Honorarkorrekturen führen wird.“

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