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Praxis 21. September 2015

Hausarzt ist „wahnsinnig wichtig“

Mit dem Begriff PHC können 17 Prozent etwas anfangen. Ein Prozent sieht darin eine Verschlechterung.

Die Patienten schätzen und vertrauen ihrem langjährigen Hausarzt. Jedoch wünschen sich vor allem jüngere Berufstätige längere Öffnungszeiten. Diese und andere, wenig überraschende Aussagen hat die Ärztekammer für Wien von Meinungsprofi Peter Hajek abfragen lassen.

Frage die Konsumenten nie, wie sie sich die Zukunft vorstellen. Sie wissen es nicht. So lautet ein gut abgehangener Manager-Spruch. Aber was bleibt, wenn man die Menschen nicht fragen braucht, ob sie ein Zukunft lieber ein Primärversorgungszentrum, ihren Hausarzt oder eine Gruppen-Praxis aufsuchen möchten: Man kann den Status quo erheben. Was die Ärztekammer für Wien getan hat und dafür das renommierte Markt- und Meinungsforschungsinstitut Public Opinion Strategies beauftragt hat.

Deren Chef Dr. Peter Hajek fand dann genau das heraus, was sich Ärztekammer-Vizepräsident Dr. Johannes Steinhart „immer schon gedacht hat, nämlich „dass das das Begehr der Patienten ist: 82 Prozent der telefonisch Befragten geben an „immer zum selben praktischen Arzt zu gehen“. Mit Betonung auf „zum selben, nicht zum gleichen“. 85 Prozent der Befragten sagen, es sei sehr wichtig, den praktischen Arzt selbst auswählen zu können und für 66 Prozent ist die Nähe der Praxis zum Wohnort besonders wichtig. 71 Prozent der insgesamt 500 Befragten meinen, das Gute am Hausarzt sei, dass er das familiäre Umfeld des Patienten schon länger kenne.

Patienten fühlen sich geborgen

Hajek: „Der Hausarzt nimmt eine wahnsinnig wichtige Rolle ein, er vermittelt Privatheit, Intimität und, wenn sie so wollen, auch Geborgenheit.“ Differenzierter ist das Bild beim Thema Öffnungszeiten: 30 Prozent sind längere Öffnungszeiten, wie es sie etwa beim PHC Mariahilf gibt (Anm.: 50 Stunden pro Woche geöffnet, jeden Tag bis 19 Uhr) sehr wichtig, 22 Prozent eher wichtig. Wobei: Jüngere Patienten, die noch in der Ausbildung stecken oder schon berufstätig sind die Randzeiten erwartungsgemäß wichtiger sind als Senioren. So monieren 31 Prozent der jüngeren Befragten, dass zu wenige Öffnungszeiten zeitig in der Früh oder am Abend angeboten werden, aber nur 16 Prozent der Älteren sehen das ähnlich kritisch.

Stichwort PHC. 17 Prozent der Befragten gaben an, mit dem Ausdruck Primary Health Care Center etwas anfangen zu können. Nachgefragt, wie man die Tätigkeit eines PHC beschreiben können, wurden elf verschiedene Antworten gegeben, Peter Hajek nennt so etwas „ein amorphes Bild“. Von „Gesundheitszentrum“ über „Erstversorgung“ bis zu „soll Ambulanzen entlasten“ war fast jedes Schlagwort dabei, das in den vergangenen Monaten durch die Medien ging. Dass ein PHC schlechtere Qualität biete als das derzeitige System sagt nur ein Prozent.

Gate-Keeper Krankenschwester

Abgefragt wurde auch die Vorstellung, ob eine ausgebildete Krankenschwester entscheiden solle, ob man vom Arzt untersucht wird oder gleich ein Rezept bekommt. So einer Vorabuntersuchung können sich 25 Prozent „eher vorstellen“, 30 Prozent „weniger“. Überhaupt nicht vorstellbar ist diese Praxis für 35 Prozent. Die Frage, ob Ordinationen von Anbietern geführt werden sollen, die nicht aus dem medizinischen Bereich stammen, hat mehr als die Hälfte (53 %) abgelehnt.

Aus all dem folgt für Dr. Wolfgang Mückstein, einem der Gründer des bislang einzigen PHC in Mariahilf folgendes: „Man soll PHC nicht als Widerspruch zum Hausarzt, sondern als Ergänzung sehen.“ Man habe sich seit 2009 aus einer bestehenden Gruppenpraxis heraus entwickelt und 300.000 Euro investiert. „Daher ist uns der gesamtvertragliche Kündigungsschutz wichtig.“ Man biete neben dem Ärzteteam eine Sozialarbeiterin, eine Psychotherapeutin und Pflegepersonal an – ein Alleinstellungsmerkmal. Denn die Gründung weiterer Primärversorgungszentren ist derzeit nicht abzusehen.

„Emotional“ beschreibt Steinhart seine Haltung zum geplanten PHC-Gesetz. Granada gespielt hat es ja schon. Die Ankündigung, den Gesamtvertrag aufzulösen, könnte man nur überbieten, indem man es tatsächlich tut.

Martin Burger, Ärzte Woche 39/2015

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