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Praxis 17. August 2005

Kein Job ohne Abfertigung

Seit 1. Jänner 2003 gibt es die „Abfertigung neu“. Noch weiß jedoch niemand so genau, wie sich die Veranlagung entwickeln wird. PRAXIS & WIRTSCHAFT gibt Entscheidungshilfen, ob das alte System beibehalten oder zur Abfertigung „neu“ gewechselt werden soll.

Dienstnehmern, die vor dem 31.12.2002 bereits in der Ordination beschäftigt waren, steht eine Abfertigung dann zu, wenn das Dienstverhältnis länger als drei Jahre bestanden hat, die Kündigung vom Dienstgeber ausgesprochen bzw. eine einvernehmliche Kündigung vereinbart wird oder der Dienstnehmer in Pension geht. Die Besteuerung liegt bei sechs Prozent.

Rückstellung und Wertpapierdeckung rückläufig

Über die gesetzliche Höhe hinaus ist es auch möglich, eine freiwillige Abfertigung zu zahlen. Das wird vor allem bei Ehepartnern interessant sein, die bei Pensionierung bereits lange Zeit in der Ordination beschäftigt sind. Auch hier kann ein Teil mit sechs Prozent begünstigt besteuert werden. In Höhe von 47,5 Prozent der fiktiven Abfertigung muss eine Rückstellung gebildet werden, ab 2004 nur mehr zu 40 Prozent. Nur für Mitarbeiter, die das 50. Lebensjahr überschritten haben, darf die Rückstellung 60 Prozent betragen. Von den Rückstellungen waren 50 Prozent an Wertpapieren am 31.12. des Folgejahres in einem Depot zu halten. Dieser Betrag wurde herabgesetzt. Die Wertpapierdeckung musste Ende 2003 nur mehr 40 Prozent betragen, 2004 nur mehr 30 Prozent und mit Ende 2007 entfällt die Pflicht dieser Deckung.

Beiträge im neuen System

Im neuen Abfertigungssystem befinden sich automatisch alle Mitarbeiter, die ab 1. Jänner 2003 in ein Unternehmen eingetreten sind. Der Arbeitgeber zahlt für jeden Arbeitnehmer die Beiträge in Höhe von 1,53 Prozent des Bruttoentgeltes gemeinsam mit den Sozialversicherungsbeiträgen an die Sozialversicherung. Diese leitet die Beiträge an die jeweilige Mitarbeitervorsorgekasse weiter, wo sie (hoffentlich) gewinnbringend veranlagt werden. Diese Ausgaben sind Betriebsausgaben, führen beim Arbeitnehmer jedoch nicht zu einem steuerpflichtigen Arbeitslohn. Für die Auswahl der Mitarbeitervorsorgekasse ist der Dienstgeber verantwortlich. Wer keine neuen Mitarbeiter seit dem 1. 1. 2003 beschäftigt, muss sich noch nicht für eine der Mitarbeitervorsorgekassen entscheiden.

Einzahlungen mitnehmen

Scheidet ein Mitarbeiter aus, dann nimmt er die bereits vom Arbeitgeber einbezahlten Beiträge im „Rucksackprinzip“ mit. Die Einzahlungen verfallen nicht, sondern der Arbeitnehmer kann darüber verfügen. Unter bestimmten Umständen können die Beiträge sogar sofort ausbezahlt werden. Die Auszahlung erfolgt durch die Mitarbeitervorsorgekasse und unterliegt im Regelfall ebenfalls dem begünstigten Steuersatz von sechs Prozent. Bei Mitarbeitern, die im alten Abfertigungssystem sind, kann alles beim Alten bleiben. Das System Abfertigung „alt“ läuft dann weiter bis zur Pensionierung.

Einige Alternativen

Eine Alternative ist der Vollübertritt. Der Dienstnehmer wechselt ins neue System, die bestehenden Ansprüche werden übernommen. Arbeitnehmer und -geber müssen einen Betrag aushandeln, zu dem die alten Abfertigungsansprüche abgegolten werden. Diese Summe wird an die Mitarbeitervorsorgekasse überwiesen. Ab diesem Zeitpunkt befindet sich der Dienstnehmer im System Abfertigung „neu“. Auch ein Teilübertritt kann vereinbart werden. Hier wird der bisher erworbene Abfertigungsanspruch „eingefroren“. Für diesen Teil gelten die alten Regelungen. Ab dem Zeitpunkt des Übertritts muss der Arbeitgeber die monatlichen Beiträge gemäß dem System Abfertigung „neu“ bezahlen.

System „alt“ oder „neu“?

Nun stellt sich die Frage, ob ein Übertritt in das neue System empfehlenswert ist oder nicht? Dabei gilt grundsätzlich, dass beim alten System eine höhere Abfertigung zu zahlen ist als beim neuen. Außerdem besteht die Möglichkeit der Zahlung einer zusätzlichen freiwilligen Abfertigung. Wird der Ehepartner in der Ordination beschäftigt, kann im alten System ein höherer Betrag steuerbegünstigt ausbezahlt werden als im neuen System. Man wird also in der Regel im alten System bleiben. Bei den anderen Mitarbeitern, die bereits vor dem 1. Jänner 2003 in der Praxis tätig waren, stellen sich für den Arzt als Arbeitgeber zwei Fragen. Erstens: Will ich eher eine höhere Abfertigung zahlen? – In diesem Fall sollten Sie im alten System bleiben. Zweitens: Will ich die Mitarbeiter an meine Arztpraxis langfristig binden? Wenn ja, dann bleiben Sie ebenfalls im alten System, weil hier eine höhere Abfertigung erreicht wird bzw. bei Selbstkündigung nicht gezahlt werden muss. Außerdem überlegen sich Mitarbeiter unter diesen Voraussetzungen eher, zu kündigen und auf die Abfertigung zu verzichten. Wählen Sie den Vollübertritt, so kann Ihr Mitarbeiter jederzeit kündigen, ohne einen finanziellen Schaden zu erleiden. Die bis zu diesem Zeitpunkt an die Mitarbeitervorsorgekasse bezahlten Beträge werden von ihm im Rucksackprinzip mitgenommen. Wer sich für den Teilübertritt entscheidet, wählt den Mittelweg. Bei Selbstkündigung verzichtet der Mitarbeiter auf die Abfertigung. Die zwischenzeitlich vom Arbeitgeber an die Mitarbeitervorsorgekasse gezahlten Beiträge werden jedoch mitgenommen.

Fragen an den Autor?
Mag. Manfred Kenda
Die Steuerberater, Klagenfurt

Mag. Manfred Kenda, Ärzte Woche 6/2004

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