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Praxis 17. August 2005

Vom Giftzwerg zur guten Helferin

Sie schimpft hinter dem Rücken ihrer Kolleginnen, unterstellt ihnen das Schlimmste und wirft ihnen Böswilligkeit vor. Eher selten greift sie ihre Kolleginnen aber direkt an. Ein solcher „Giftzwerg“ im Praxisteam ist für den Arzt als Führungskraft eine echte Herausforderung, denn sie gefährdet auch den Erfolg seiner Praxis. Gegensteuern ist angesagt.

Ganz gleich, wer einer übellaunigen Mitarbeiterin in einer Ordination begegnet, irgendwann gerät eigentlich jeder in ihr Visier. Nicht nur das Verhältnis zu den Kolleginnen verschlechtert sich dadurch. Auch Patienten schnappen immer wieder einmal ungewollt ein Detail der üblen Nachrede auf und denken sich schnell: „Na, wer weiß, was die hinter meinem Rücken über mich erzählt?!“ Das könnte ein durchaus nachvollziehbarer Grund für manche sein, den Arzt zu wechseln. Mit einer solchen Mitarbeiterin im Team umzugehen, ist meist sehr schwierig. Am besten versuchen Sie erst einmal zu verstehen, um welchen Menschentyp es sich hier überhaupt handelt. Weil viele dieser Menschen in ihrem Leben nie auf der Sonnenseite standen oder viel gehänselt wurden, konnten sie kein stabiles Selbstbewusstsein, geschweige denn Souveränität in ihrem Tun aufbauen.

Angst vor zu viel Nähe

Insgeheim können sie sich selbst nicht leiden. Durch Aggression soll eine Distanz aufgebaut werden, damit ihnen niemand zu nahe kommt. Nichts ist für solche Menschen schlimmer, als Nähe zuzulassen, weil andere dadurch Bekanntschaft mit ihrer unerfreulichen, unglücklichen Realität machen können. Doch auch solche schwierigen Mitarbeiter haben eine tiefe Sehnsucht danach, von anderen anerkannt zu werden. Es fehlt ihnen nur die passende Strategie und häufig auch der Glaube daran, dies zu erreichen.

Beziehungsbrücke fördert Integration ins das Team

Wollen Sie als Arzt die Helferin wieder ins Team integrieren, können Sie dies nur schaffen, wenn es Ihnen gelingt, von ihr aufgebaute Distanzen abzubauen. Zugang findet man durch eine persönliche Gemeinsamkeit wie Herkunft, Hobby oder andere Interessen. Diese Beziehungsbrücke zu errichten, geht aber nur sehr langsam, weil solche Persönlichkeiten meist sehr miss-trauisch sind. Als Nächstes sollte der Arzt auf die Arbeit dieser Helferin besonders achten und sie betont anerkennen, dann auch sie hofft auf Anerkennung. Und schließlich sollte er ihr anbieten, jederzeit ein Ohr für sie zu haben, wenn es um berechtigte Kritik und Verbesserungen geht. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, zu betonen, dass der Praxischef der einzige Ansprechpartner für Kritik jeder Art ist; denn damit lässt sich die Lästerei gegenüber anderen Kolleginnen unterbinden. Sollte der „Giftzwerg“ trotzdem weiter Gift und Galle im Sprechzimmer des Arztes spucken, muss dies sofort im Ansatz unterbunden werden. Hierbei kann der Arzt signalisieren, dass er nicht interessiert ist, und sollte schnell das Thema wechseln. Er kann beispielsweise die Helferin fragen, wie weit sie mit einer bestimmten Aufgabe ist. Denn von solchen Menschen muss konsequent Leistung gefordert werden. Der Arzt muss der Helferin klar machen, dass er jede Form des „Giftspritzens“ mit Verwarnung und – wenn nötig – per Abmahnung unterbinden wird.

Dr. Jürgen Brunotte
Tel. 01/877-87-27,
e-Mail:

Dr. Jürgen Brunotte, Ärzte Woche 3/2004

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