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Praxis 24. November 2005

Die hohe Kunst der Geldübergabe

Erben ist für immer mehr Menschen ein wichtiges Thema – oder sollte es zumindest sein. Von einer bewussten und geplanten Strategie des Vererbens kann bei den meisten Österreichern aber noch nicht die Rede sein. Ein Grund, rechtzeitig die Weichen richtig zu stellen, sind Steuervorteile, zum Beispiel durch Schenkungen zum richtigen Zeitpunkt.

Reichtum wird auch in Österreich vom vereinzelten Phänomen zum Normalfall. Das private Geldvermögen der Österreicher belief sich per Ende 2002 auf über 300 Milliarden Euro. Im Durchschnitt ist damit jeder Bürger vom Baby bis zum Greis rund 38.000 Euro schwer. Geld wird ausgegeben, veranlagt, aber natürlich auch vererbt. Die auf die Zielgruppe betuchter Privatkunden spezialisierte „Bank Privat“ schätzt, dass hierzulande jährlich deutlich mehr als fünf Milliarden Euro allein an Geldvermögen von einer Generation an die nächste weitergegeben werden – Tendenz steigend. Dazu kommen Immobilien, Wertgegenstände und Betriebsvermögen.

Vererben ohne Strategie?

Durch rechtzeitige Planung der Vermögensweitergabe lassen sich nicht nur Erbstreitigkeiten unter den Nachkommen vermeiden, sondern auch Erbschaftsteuer sparen. Nicht zuletzt bedeutet eine entsprechende rechtliche Konstruktion trotz vorzeitiger Übergabe an die Erben auch Absicherung bis ans Lebensende für den Geber.

Die gesetzliche Erbfolge

Ausgangspunkt für alle Überlegungen ist dabei die gesetzliche Erbfolge (siehe Kasten). Sie kommt zum Tragen, wenn kein Testament vorliegt. Grundsätzlich wird das Vermögen dabei unter den Nachkommen aufgeteilt. Sind nähere Verwandte, etwa Kinder oder Enkel, vorhanden, schließt das entferntere Angehörige wie Bruder oder Onkel von der Erbfolge aus. Bei aufrechter Ehe erhält der Ehegatte jedenfalls den gesamten Hausrat und das Wohnrecht in der ehelichen Eigentumswohnung sowie ein Drittel des Nachlasses, wenn Kinder vorhanden sind, ohne Nachkommen sogar zwei Drittel.

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Erbfolge korrigieren

Gesetzliche Erbfolge und Pflichtteilsrechte sind allerdings selten ideal. Wenn ein 30-jähriger Familienvater mit zwei kleinen Kindern stirbt, werden dadurch zwei Drittel des Familienvermögens bis zu deren 18. Geburtstag blockiert. Es empfiehlt sich daher selbst bei klaren Familienverhältnissen das Abfassen eines Testamentes. Wer Lebensgefährten absichern will, muss diesen Schritt ohnehin setzen, ansonsten drohen diese alles zu verlieren, was gemeinsam aufgebaut wurde. Denn Lebenspartnerschaften werden vom Gesetz her noch immer diskriminiert. Auch dann, wenn Lebenspartner im Testament bedacht werden, unterliegen sie der ungünstigen Steuerklasse V. Aus steuerlicher Sicht ist daher auf jeden Fall zur Heirat zu raten. Als Alternative, um dem gesetzlichen Handicap von Lebenspartnern auszuweichen, empfiehlt sich eine zeitgerechte Planung von Schenkungen.
Wer seinen Lebensgefährten bedenken will, tut gut daran, dies zeitgerecht zu regeln. Jene Werte, die innerhalb von zwei Jahren vor dem Ableben dem Partner übergeben wurden, können anerkannte Erben nämlich unter dem Titel „Schmälerung des Stammvermögens“ zurückfordern. Als Bezugsberechtigte einer Lebensversicherung zahlen Lebensgefährten zwar Erbschaftssteuer, das Geld ist aber vor dem Zugriff von pflichtteilsberechtigten Verwandten sicher. Somit eine weitere Möglichkeit, den „Geliebten“ vor der Familie zu schützen.

Dr. Jürgen Brunotte
Tel. 01/877-87-27,
e-Mail:

Dr. Jürgen Brunotte, Ärzte Woche 2/2004

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