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Praxis 17. August 2005

Barzahler sind die besten Patienten

Wer eine Wahlarztordination eröffnet, sollte sich zu Beginn nicht nur die Frage nach der Größenordnung des Honorars stellen, sondern auch darüber nachdenken, auf welche Weise die Zahlungen durch den Patienten zu erfolgen haben.

Mag. Hans-Georg Goertz von der Steuerberatungskanzlei Dr. Scholler & Partner aus Wien empfiehlt grundsätzlich, dass die Patienten bar bezahlen sollen: „Sicher ist es anfangs nicht einfach, ‚die Hand aufzuhalten’ und das Honorar zu verlangen. Allerdings muss man sich immer vor Augen führen, dass jeder Unternehmer oder Handwerker sein Geld verlangt – und warum sollte der Arzt auf den ihm zustehenden Lohn verzichten?“
Wie verfährt man aber, wenn der Patient kein Bargeld dabei hat? „Die eine Möglichkeit ist, ihn zur Bank oder zum nächsten Bankomaten zu schicken. Ist dieser Weg zu weit, bleibt als offensichtlich letzte Lösung nur die Mitgabe eines Zahlscheins“, so Goertz. „Hier wird sich aber auch beim Glauben an das Gute im Menschen über die Zeit doch ein gewisser Prozentsatz der Honorare als ausständig und möglicherweise sogar als uneinbringlich erweisen.“

Bankomatkasse in der Praxis?

Deshalb bietet sich noch die Anschaffung einer Bankomatkasse an. Basis für die Entscheidung über deren Anschaffung sollten vor allem die laufenden Kosten der einzelnen Transaktionen sein, da der Kaufpreis von etwa 300 Euro dagegen kaum ins Gewicht fällt. Die laufenden Kosten setzen sich grundsätzlich aus den Transaktionskosten der Betreiberfirmen und den Telefonkosten zusammen. Die Kosten für die Transaktion wiederum beinhalten normalerweise ein monatliches Grundentgelt und ein Disagio, das von 0,5 Prozent bis fast drei Prozent des Umsatzes schwanken kann. So gesehen entspricht das Disagio einem Verlust, der den Zinsen von bis zu einem halben Jahr Zahlungsverzug gleichkommt.

Zahlscheine erfordern ein konsequentes Mahnwesen

Dr. Christoph Reisner, Vizepräsident der Ärztekammer Niederösterreich und Präsident des Österreichischen Wahlärztevereins, empfiehlt ebenfalls, möglichst bar oder mit Bankomatkarte zu verrechnen. Bei der Ausgabe von Zahlscheinen muss ein Mahnwesen installiert werden, das auch tatsächlich regelmäßig durch Mahnungen untermauert wird. Die Bankomatzahlung ist für den Patienten sicher ein großer Vorteil, auf Seiten des Arztes stehen aber Kosten dafür an. Barzahlung hingegen hat für den Patienten zusätzlich den Vorteil, dass die Honorarnote zwecks Rückerstattung sofort eingereicht werden kann; dieses Service könnte auch durch die Wahlarztpraxis erfolgen. Harald Kuttner von der Wiener Unternehmensberatung Steigflug lehnt die Begleichung der Arztrechnungen mittels Zahlschein ebenfalls ab, da der Verwaltungsaufwand unmittelbar von der Ordination zu tragen ist und in keiner Relation zum Vorteil des Patienten durch diese Zahlungsart steht. Die Bankomatkasse komme zwar nicht für jeden Patienten in Frage, stelle aber für jede Ordination eine Alternative dar.

Abbuchung mit Zeitverzug

Laut Kuttner gibt es einen Anbieter mit mobilem Gerät, dessen Anschaffungs- und Betriebskosten deutlich niedriger sind: „Mit diesem Anbieter lässt sich auch vereinbaren, dass die Beträge erst nach sechs Wochen vom Konto des Patienten abgebucht werden.“ Dadurch wird die Bezahlung am Konto erst zu einem Zeitpunkt wirksam, zu dem der Rückerstattungsbetrag der Krankenkasse bereits am Konto des Patienten eingegangen ist. „Selbstverständlich kann die Honorarnote des Arztes am Tag der Behandlung mit den Worten ‚Betrag dankend erhalten’ saldiert werden“, betont Kuttner. „Für die Rückerstattung durch die Kasse ist natürlich der Zeitpunkt der Bezahlung und nicht der Tag der tatsächlichen Abbuchung vom Konto des Patienten durch die Kartenverrechnungsstelle ausschlaggebend.“ So wird auch der für manche Patienten finanziell belastende Zeitraum zwischen Vorfinanzierung und Rückerstattung ausgeglichen.

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