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Praxis 21. November 2005

Darf‘s ein bisserl mehr sein?

Nicht nur medizinische Dienstleistungen, auch der Verkauf von Produkten kann zum Angebotsportfolio einer Praxis gehören. Der dafür erforderliche Aufwand hält sich meist in Grenzen.

In den vergangenen Wochen hat PRAXIS & WIRTSCHAFT einige lukrative Privatleistungen vorgestellt, die sich für Ordinationen aller Art anbieten. Die meisten davon kann man den Bereichen Schönheit und Wellness zuordnen, denen nach einschlägigen Wirtschaftsprognosen weltweit eine der höchsten Wachstumsraten in den nächsten Jahrzehnten attestiert wird. Die Frage, ob eine Leistung mehr oder weniger lukrativ ist, hängt jedoch von einigen Komponenten ab: Wie hoch sind anfallende Investitionen in Geräte und/oder Ausbildung? Welcher Preis kann am Markt erzielt werden? Wie viele Patienten kann man behandeln? Und schließlich die wichtigste aller Fragen: Wie ist es um die für eine Behandlung notwendige Arbeitszeit von Arzt und/oder Assistentin bestellt?

Warum ein gutes Geschäft anderen überlassen?

Neben medizinischen Dienstleistungen bietet sich in Ordinationen natürlich auch Produktverkauf an, bei dem die genannten Engpässe nicht bestehen. Der Markt boomt, das Geschäft machen allerdings üblicherweise nicht die Ärzte. Dieses wird noch oft genug Händlern überlassen, die von der Medizin durchwegs keine Ahnung haben. Der Klassiker, der sich auch mit Therapien verbinden lässt, heißt Diätberatung in Kombination mit Produktverkauf. Hier gibt es einige standardisierte Konzepte, die ausschließlich mit Ärzten als Vertriebspartner arbeiten. Für den Patient hat diese Form der Beratung den großen Vorteil, dass neben seinen persönlichen Zielen auch die medizinische Sinnhaftigkeit verfolgt wird. Durch die regelmäßige Betreuung sind sinnlose oder gesundheitsschädigende Abmagerungskuren ausgeschlossen.

Reglementierungen wurden gelockert

Der Patient wird vom Arzt regelmäßig untersucht, viele Gespräche finden allerdings in der Gruppe statt. Die Patienten erhalten Nahrungsergänzungsmittel, an deren Verkaufspreis der Arzt natürlich seinen finanziellen Anteil bezieht. Die Kombination aus Beratung in der Gruppe und integriertem Produktverkauf ist aus wirtschaftlicher Sicht positiv zu beurteilen. Wer stän-dig etwa 20 Patienten betreut, kann aus Beratungshonorar und Produktverkauf bis zu 10.000 Euro an Zusatzeinkommen pro Jahr erzielen. Doch Diätberatung mit Produktverkauf ist nur ein Beispiel. Im Prinzip lassen sich diese Überlegungen auf viele Bereiche übertragen, immerhin sind die Reglementierungen für den Produktverkauf in Ordinationen jüngst gelockert worden (siehe ÄRZTE WOCHE Nr. 34 vom 6.10.2004). Für den Produktverkauf braucht man jedenfalls einen Gewerbeschein, der üblicherweise ohne Probleme erhältlich ist. Steuerlich ist die Umsatzsteuerpflicht zu beachten, die für den Produktverkauf neben der Ordinationstätigkeit besteht. Unter Umständen kann der Lebenspartner (oder eine andere Person) das Gewerbe anmelden und den Arzt als „medizinischen Leiter“ bestellen. Dies hätte auf der Seite der Einkommensteuer den Vorteil der üblicherweise geringeren Progression. Umsatzsteuerlich betrachtet, ergibt sich für Kleinunternehmer (unter 22.000 Euro Jahresumsatz) der Vorteil der unechten Umsatzsteuerbefreiung. In solche Konzepte können problemlos die Mitarbeiter einer Prxis eingebunden werden. Mit der richtigen Motivation, möglicherweise durch eine Umsatzbeteiligung unterstützt, steht einem wirtschaftlichen Erfolg nichts im Weg.

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