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Praxis 17. August 2005

Die finanzielle Seite der Colon-Hydro-Therapie

Ohne eine medizinische Wertung der Methode vorzunehmen, hat PRAXIS & WIRTSCHAFT diesmal die Colon-Hydro-Therapie als Privatleistung in einer Ordination kalkuliert. Als Erstinvestition sind etwa 6.000 Euro erforderlich.

Dickdarmspülungen und Darmbäder waren schon im Altertum üblich, um bei Verstopfung Abhilfe zu schaffen. Das Verfahren hat sich im Ansatz bis heute kaum geändert, nur ist es mit moderner Technik wirksamer geworden und frei von unangenehmen Begleitumständen. Die neuzeitliche Form der Colon-Hydro-Therapie wird erfolgreich zur Darmreinigung und -sanierung angewendet. Hierbei geht es nicht nur um die Behandlung von Verdauungsstörungen, sondern auch um das „Ausschwemmen“ von Erkrankungen. Diese Therapie kann in Verbindung mit Fasten, aber auch mit Ernährungsberatung bzw. Ernährungsumstellung angeboten werden. Im Allgemeinen werden zehn Behandlungen durchgeführt, der Patient liegt hierbei für jeweils etwa eine Stunde bequem, entspannt und zugedeckt in Rückenlage. Mit Hilfe eines „Einmal-Schlauch-Systems“ und einem geräteeigenen Reinigungssystem wird allen Hygiene-ansprüchen optimal Rechnung getragen. Die am Markt erhältlichen Geräte sind anwenderfreundlich zu bedienen und absolut geruchsfrei.

Für alle Fachrichtungen

Befürworter dieser Therapie berichten von „wohltuend entspannendem Gefühl und schmerzfreien Behandlungen“, bei denen der gesamte Bauchraum gereinigt wird. Die Anwendung wird „als wirksame Maßnahme zur Verhinderung von Selbstvergiftung durch zahlreiche Darmprobleme“ gesehen. Die Colon-Hydro-Therapie kann in Ordinationen aller Fachrichtungen durch-geführt werden. Die Aufsicht des Arztes reicht aus, die Überwachung der Behandlung kann durch die Assistenz erfolgen. Laut Ing. Michael Bör vom Wiener Ärzteausstatter Arztplan sind für ein geeignetes Gerät Anschaffungskosten von etwa 6.000 Euro anzusetzen. Erforderlich ist weiters ein vom Normalbetrieb abgetrennter Raum sowie eine geeignete Liege. Wasser- und Abwasseranschluss sollten ebenfalls vorhanden sein.„Ein gängiges Honorar für eine Behandlung mit zehn Einzelstunden liegt bei etwa 500 bis 600 Euro“, berichtet Bör. Wird ein Stundensatz von 18 Euro inklusive Lohnnebenkosten für die Assistenz mitberechnet, ergibt sich ein Deckungsbeitrag von 32 Euro pro Stunde. Diese Summe beziffert den Honorarüberschuss, der zur Rückzahlung der Investition bzw. zur Erzielung eines Gewinns verwendet wird.

Amortisation ab vier Patienten pro Jahr

Berechnet man die jährliche Abschreibung der Investition, ergibt sich ein Wert von 1.200 Euro. Diese sind bereits ab 38 Einzelbehandlungen eingespielt, was etwa vier Patienten pro Jahr entspricht. Werden 20 Patienten pro Jahr behandelt, ergibt sich ein Gewinn von knapp 9.000 Euro, bei 30 Patienten sind es bereits 14.000 Euro. Auch bei diesem Angebot erkennt man laut Bör, dass sich die Behandlung mit ständiger Überwachung durch den Arzt nicht so gut rechnen würde: „Der für die Rentabilität einer durchschnittlichen Kassenpraxis notwendige Stundengewinn des Arztes von 80 Euro kann bei einem Umsatz von 50 Euro pro Stunde nicht erreicht werden.“ Wird die Behandlung jedoch von der Assistentin durchgeführt, entsteht wie bei fast allen vergleichbaren Therapien ein guter zusätzlicher Gewinn, ohne dass der eigentliche Engpass – nämlich die Arbeitszeit des Ordinationsinhabers – zusätzlich strapaziert werden muss.

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