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Praxis 17. August 2005

Sonderleistungen richtig kalkulieren

Ob angebotene Selbstzahler-Leistungen kostendeckend oder sogar rentabel sind, darüber sollten nicht nur Wahl-ärzte Bescheid wissen. Der kassenfreie Markt steht auch Kassenärzten offen.

Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Viele der Angebotsmöglichkeiten sind aus medizinischer Sicht fragwürdig. Jeder Mediziner kann aber für sich abschätzen, ob eine bestimmte Leistung oder Behandlung für ihn in Frage kommt. Und verkaufen lässt sich ohnehin nur etwas, hinter dem der Anbieter steht. PRAXIS & WIRTSCHAFT beschäftigt sich rein mit der monetären Seite, also der Frage, ob bestimmte Leistungen für eine Ordination einen wirtschaftlichen Gewinn darstellen. Als konkrete Grundlagen für einzelne Berechnungen sind einige Kalkulationsgrößen erforderlich.

Tatsächliche Arbeitswochen

Betrachten wir wieder einmal unseren Durchschnittsarzt, der bei 200.000 Euro Umsatz pro Jahr 100.000 Euro Gewinn macht. Wenn wir das auf eine wöchentliche Arbeitszeit von durchschnittlich 30 Stunden hochrechnen und unter Berücksichtigung von Urlaub, Krank-heit, Fortbildung und Feiertagen 42 Arbeitswochen pro Jahr annehmen, ergibt sich daraus ein Stundenumsatz von 160 Euro sowie ein Stundengewinn von 80 Euro – vor Steuern selbstverständlich. Diese 80 Euro werden später zur Berechnung gebraucht, denn sie stellen den Gewinn dar, der unter Ausnutzung der gesamten Infrastruktur während des Ordinationsbetriebs vom Arzt erwirtschaftet wird. Wird also eine Privatleistung vom Arzt selbst erbracht, sollten eben diese 80 Euro auch als Ziel-setzung im Hinblick auf die Rentabilität dienen. Manche Privatleistungen lassen sich allerdings ohne direkte Mitwirkung „unter Aufsicht“ des Arztes erbringen. Dafür sind noch die Stun-densätze einer Assistentin zu berücksichtigen. Wir gehen von einer Assistentin aus, die bei 25 Wochenstunden ein Monatsgehalt von 1.000 Euro bezieht. Auch hier werden wiederum 42 Arbeitswochen pro Jahr angenommen, was etwa 1.000 Stunden ergibt. Die gesamten Lohnkosten inklusive Nebenkosten und Sonderzahlungen ergeben etwas mehr als 18.000 Euro pro Jahr, was einen Stundensatz für die Assistenz von rund 18 Euro bedeutet. Mit diesen Grundlagen lässt sich nun die Rentabilität von Privatleistungen aller Art kalkulieren. In den ÄRZTE WOCHE-Ausgaben bis Jahresende werden wir unterschiedliche Kalkulationen anstellen, die für gängige Leistungen angewendet werden können.

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