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Praxis 17. August 2005

Mut zu Selbstzahler-Leistungen

Allzu leicht lassen sich manche Ärzte abschrecken, wenn sie ein „zartes“ Interesse für den Einstieg in Selbstzahler-Aktivitäten hegen. Ein schrittweises Ausloten der Möglichkeiten kann die Vorbehalte zerstreuen.

Einer der Vorbehalte gegen eine Erweiterung des Leistungsspektrums auf Selbstzahlerbasis ist, dass erst einmal viel Zeit und auch viel Geld in Kurse und Literatur gesteckt werden müsse, bevor man sein Wissen anwenden und feststellen kann, ob einem die Sache überhaupt liegt. Ganz so ist es jedoch nicht. Zwar muss sich jeder engagieren, der mit dem zweiten Standbein Selbstzahler-Leistungen erfolgreich sein will. Aber auf fast jedem Gebiet ist „Reinschnuppern“ möglich, beispielsweise mit einem Fortbildungskurs auf einem Kongress. Wenn Sie das erworbene Wissen dann am Patienten anwenden und merken, dass Sie Erfolg haben, können Sie immer noch entscheiden, ob Sie Ihre Kenntnisse möglicherweise über eine Zusatzausbildung weiter vertiefen möchten.

Nische peu à peu einrichten

Für den Start brauchen Sie keine lange Liste von Angeboten, sondern können sich peu à peu in einer Selbstzahler-Nische einrichten. Diese kann darin bestehen, den Präventionsgedanken zu fördern und das ernst zu nehmende Bedürfnis auch des „gesunden Patienten“ nach mehr Wohlbefinden zu befriedigen. Durch Vorträge an Ihrem Wohnort oder in Ihrem Bezirk machen Sie beispielsweise Ihre Angebote auch außerhalb der Praxis bekannt. So könnten Sie – rechtzeitig zu Beginn der kalten Jahreszeit – Maßnahmen zur Stärkung des Immunsystems und der Psyche vorstellen. Dass dabei nicht Wissenschaftlichkeit, sondern die Steigerung des Wohlbefindens nach einer solchen Maßnahme verdeutlicht werden muss, liegt auf der Hand.

Recall-System einrichten

Gesundheitsbewusste Menschen sind erfahrungsgemäß gut auf zusätzliche Therapieangebote anzusprechen. So können Sie beispielsweise Check-up-Patienten gezielt mit schriftlichen Informationen auf zusätzliche Leistungen wie Akupunktur, Homöopathie oder Colon-Hydro-Therapie „zur persönlichen Gesundheitsvorsorge und als Beitrag zu einem aktiven lebenswerten Leben“ hinweisen. Der Check-up sollte aber in ein Recall-System eingebunden sein, damit die betreffenden Patienten vereinbarungsgemäß an die nächst mögliche Gesundheitsuntersuchung erinnert werden.

Erstkontakt als Chance nutzen

Aber auch bei neuen Patienten sollten Sie genau hinhören und sich Zeit nehmen für die Anamnese unter ganzheitlichen Gesichtspunkten, bei der auch Nebenbeschwerden abgefragt werden. Als Therapie-Möglichkeiten stehen unter Umständen auch Selbstzahler-Angebote zur Verfügung. Umweltmedizinische Leistungen lassen sich ebenfalls gut in ein Präventionskonzept einbauen. Schließlich hat jeder Arzt Patienten, die über Allergien oder chronische Müdigkeit klagen oder die sich ganz einfach nicht wohl fühlen. Manchmal liefern sie selbst schon den Hinweis auf Einflüsse, die besonders häufig Auslöser von Umwelterkrankungen sind.

Zuerst eine Testphase

Idealer Einstieg in Selbstzahler-Aktivitäten ist ein Kurs, um abzutesten, ob einem die Thematik liegt, und erst dann in die harte Fortbildung zu investieren. Grundsätzlich sollten Sie sich bei ihrer Ärztekammer über den Stand der Dinge informieren. Dann können Sie entscheiden, ob Sie sich erst über Fortbildungsveranstaltungen ein Basiswissen aneignen und dieses Wissen in Ihren Praxisablauf integrieren oder gleich auf die Erlangung der Zusatzbezeichnung zusteuern wollen. Zur fachlichen Kompetenz, die ein Arzt problemlos erwerben kann, muss sich auch die Fähigkeit gesellen, dem Patienten Selbstzahler-Angebote zu vermitteln. Doch dies fällt vielen Ärzten nach jahrzehntelanger Kassenmedizin noch immer unendlich schwer.

Dr. Jürgen Brunotte, Ärzte Woche 31/2004

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