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Praxis 17. August 2005

Piercen auch beim Kosmetiker erlaubt

Piercen und Tätowieren ist seit einiger Zeit auch Gewerbetreibenden für Kosmetik bzw. Schönheitspflege ohne Verletzung des lange bestehenden Ärztevorbehaltes erlaubt.

Bei Durchsicht der dafür geltenden Ausübungsregeln fällt auf, dass hier per Gesetz ein bislang Ärzten vorbehaltener medizinischer Bereich für Nichtärzte eröffnet wurde. In der Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit steht folgende Definition: „Piercen ist das Durchstechen der Haut zwecks Anbringung von Schmuck an Hautfalten, verknorpelten Stellen des Ohres oder des Nasenflügels oder an der Zunge vor dem Zungenbändchen, sofern dazu ein Gerät verwendet wird, das höchstens zwei Millimeter durchmessend in die Haut eindringt und keine strich- oder flächenförmigen Verletzungen oder Vernarbungen verursacht. Tätowieren ist das Einfügen von Farbstoffen in die menschliche Haut oder Schleimhaut zu dekorativen Zwecken. Zum Tätowieren zählt auch das Anbringen von Permanent-Make-Up.“ Vor der Behandlung ist eine schriftliche Einwilligung einzuholen sowie über die mit dem Piercen und Tätowieren verbundenen Risken aufzuklären. Eine schriftliche Bestätigung über die erfolgte Aufklärung hat zu erfolgen.

Arztbesuch anraten

Im Falle von Komplikationen nach dem erfolgten Eingriff ist dem Betroffenen das Aufsuchen eines Arztes anzuraten. Eine Aufklärung hat insbesondere über die erforderliche Nachbehandlung der gepiercten bzw. tätowierten Körperregion, mögliche unerwünschte Reaktionen nach Vornahme des Eingriffs, wie allergische und entzündliche Reaktionen, sowie die Möglichkeit zur Entfernung des Piercings und der Tätowierung und schließlich der damit verbundenen Gefahren zu erfolgen. In der Betriebsstätte haben eine Erste-Hilfe-Ausstattung und ein Ruheraum vorhanden zu sein. Es sind ausschließlich sterile Geräte, Farben und Stoffe mit Chargennummern zu verwenden, mit deren Gebrauch keine nachgewiesenen Gesundheitsrisiken verbunden sind.

Farben und Stoffe, die mit dem Körper in Berührung kommen, dürfen unter Bedachtnahme auf die chemikalien- und arzneimittelrechtlichen Bestimmungen keine gefährlichen Eigenschaften aufweisen und bei bestimmungsgemäßem Gebrauch keine gefährlichen Stoffe freisetzen. Alle Implantate müssen steril, nicht allergisierend, gut verträglich und nicht toxisch sein.

Anlehnung an Ärztegesetz

Bei diesen Regelungen fällt eine enge Anlehnung bzw. sogar Übernahme der Berufspflichten des Ärztegesetzes auf. Das sind medizinische Aufklärungspflicht, Dokumentations-, Aufbewahrungs- und Ausfolgungspflicht. Die Zuständigkeit der Ärzte beginnt nach dem Willen des Gesetzgebers erst bei Komplikationen nach dem Eingriff, obwohl die Gefahrengeneigtheit dieser Tätigkeiten im Vorfeld erkannt worden sein dürfte. Nach Eingriffen ist eine geeignete Nachsorge und Behandlung, gegebenenfalls die Überweisung in eine entsprechende Klinik oder Praxis jederzeit – auch nachts – sicherzustellen. Bleibt zu hoffen, dass die Übertragung derartiger Tätigkeiten ein Einzelfall bleibt und der Gesetzgeber nicht weitere Bereiche Nichtärzten zugänglich macht – mit dem eigentümlichen Zusatz: „Der Durchführende muss über ein ausreichendes medizinisches Wissen verfügen, um den Eingriff sachgerecht durchführen und auf Komplikationen adäquat reagieren zu können.“

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