zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 23. November 2005

Dubiose Angriffe der Anlagebetrüger

Keine Woche vergeht, in der die einschlägige Presse nicht berichtet, dass Millionenbeträge bei einer betrügerischen Kapitalanlagefirma verschwinden. Auch Ärzte zählen zu den Opfern dieser Anbieter auf dem grauen Kapitalmarkt.

Die Ursache ist stets die gleiche, aber es funktioniert immer wieder: Eine geschulte Verkäuferstimme am Telefon, die sich als renommierter Vermögensverwalter vorstellt, verspricht 20 bis 40 Prozent Gewinn in wenigen Wochen. Diese prächtigen Chancen ständen auch Ihnen offen, wenn Sie Kakao, Kaffee, Schweinebäuche oder ähnliches kaufen; aber es müsse schnell gehen.

Dubiose Versprechen

Wer jetzt seine Ersparnisse überweist, hat schon verloren. Kaum ist das Geld transferiert, werden die Spuren verwischt, die Briefkastenfirma aufgelöst, und am Telefon gibt es keinen Anschluss unter der angegebenen Nummer. Jährlich verlieren österreichische Anleger nach Schätzungen 2,5 bis 3,5 Milliarden Euro, weil sie falsch oder unzureichend beraten wurden oder einfach einem Anlage-betrug zum Opfer gefallen sind. Die Betrügereien treten in den unterschiedlichsten Formen auf. Der Euro erleichtert dieses Spiel: Er hat für ein niedriges Zinsniveau gesorgt, so dass Anleger für dubiose Versprechen anfälliger sind.

Faule Bankgarantien

Noch immer scheinen Bankgarantien das Geschäft des Jahrhunderts zu sein. Angeboten werden Bestätigungen von Banken, dass Schecks wirklich gedeckt sind. Im Handel werden damit Im- und Exportgeschäfte abgesichert. Diese so genannten „Standby Letters of Credit“ dürfen aber weder ge- noch verkauft werden. Der Käufer hat ein wertloses Blatt Papier erworben. Kriminelle Anlagegesellschaften behaupten, das Geld der Anleger in einem großen Pool zu sammeln, um damit in den „renditeträchtigen“ Handel mit Bankgarantiegeschäften einzusteigen. Doch Achtung: Wie beim Buttern wird die Milch gerührt und der Rahm abgeschöpft. Beim „Churning“ schichtet der Vermögensverwalter eifrigst das Kapital um und schöpft dabei seine Gebühren ab. Das Gefinkelte an dieser Me-thode ist, dass der Betrug schwer nachzuweisen ist; denn eine schlechte Börsenlage kann häufiges Umschichten nötig machen. Verdächtig wird das naturgemäß, wenn damit unverschämt hohe Gebühren verbunden sind.

Geldanlage ist Vertrauenssache

Bevor Sie Ihr hart erspartes Geld veranlagen, sollten Sie sich auf das Beratungsgespräch gut vorbereiten. Fragen nach der persönlichen Risikobereitschaft, der Fristigkeit des Investments und nach besonderen Liquiditätserfordernissen müssen Sie sich selbst beantworten, denn erst auf Basis dieser Informationen ist eine kompetente Beratung möglich. Ob Sie sich an einen Wertpapierspezialisten Ihrer Hausbank wenden oder einen konzessionierten Vermögensberater kontaktieren, in jedem Falle sollten Ihnen Know-how und maßgeschneiderte Produkte, passend zu Ihrem persönlichen Risikoprofil, geboten werden. Beide haben strengste Schutz- und Aufklärungspflichten ihren Kunden gegenüber und verfügen über die persönliche und fachliche Eignung. Bei Zweifel schauen Sie auf der Homepage der Bundes-Wertpapieraufsicht unter www.bwa.at nach.

Dr. Jürgen Brunotte, Ärzte Woche 44/2004

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben