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Praxis 17. August 2005

Vorsorgemodell à la Oberösterreich

In Sachen Wohlfahrtsfonds ist die Ärztekammer für Oberösterreich „gut gesattelt“. Im Österreichvergleich rangiert die Kammervorsorge in diesem Bundesland an der Spitze. Jetzt kommt ein neues Angebot dazu.

Die Performance des Wohlfahrtsfonds muss selbstverständlich auch finanziert werden. So zahlt ein durchschnittlicher, unermäßigter Arzt über 40 bereits etwa 12.500 Euro pro Jahr in die Grund- und Zusatzversorgung I oder II ein, wenn er das Höchstbeitragsvolumen der Zusatzversorgung noch nicht erreicht hat. In diesen Tagen läuft eine Befragung der Kammermitglieder zur Einführung einer zusätzlichen Vorsorge, die das Lebensalter 60 bis 65 überbrücken soll. Grund genug für uns, dieses Modell einmal vorzustellen und auch Stimmen dazu einzuholen.

Steuerliche Absetzbarkeit durch Beitragspflicht

Das System sieht vor, dass Ärzte ab 50 mit der Einzahlung beginnen. Die über zehn Jahre einbezahlten Beiträge sollen ausreichen, einen Teilrückzug aus dem Arbeitsleben zwischen 60 und 65 zu gewährleisten. Mit den Auszahlungen dieser Ansparform sollten dann auch die Beiträge zum Wohlfahrtsfonds und zur gesetzlichen Pensionsversicherung finanziert werden. Grundgedanke war, durch die Einführung von Pflichtbeiträgen auch eine steuerliche Absetzbarkeit zu bekommen. Man argumentiert mit Vorteilen in der Veranlagung durch eine Steuerprogression von 50 Prozent, die einer geringeren Progression zum Zeitpunkt der Auszahlung gegenüberstehen. Um die Maximalpension aus Wohlfahrtskasse und gesetzlicher Pension für fünf Jahre innerhalb von zehn Jahren ansparen zu können, ist ein monatlicher Betrag von etwa 3.000 Euro notwendig; daher sind auch Möglichkeiten zur Beitragsreduktion vorgesehen.

Unrealistische Beitragsgrundlagen

Das System sieht den Maximalbeitrag von 3.000 Euro pro Monat ab einem Monatsnettoeinkommen von 108.000 Euro vor, unter 33.300 Euro erfolgt eine Beitragsbefreiung. Das entspricht einem Bruttojahresgewinn von etwa 2.576.000 Euro (mehr als 35 Millionen Schilling) für den Höchstbeitrag und einem Bruttojahresgewinn von 783.000 Euro (fast 11 Millionen Schilling) als Mindestbeitragsgrundlage. Diese unrealistischen Zahlen sind laut Dr. Friedrich Badhofer von der Wohlfahrtskasse der Ärztekammer für OÖ aufgrund der Rückrechnung der bisherigen Pflichtbeiträge mit den Richtlinien des Wohlfahrtsfonds entstanden, die Gesamtbeiträge über 11,76 Prozent des Einkommens vor Steuern nicht vorsehen. Das System wäre also eine clevere Möglichkeit, steuerlich absetzbar in eine zusätzliche Altersvorsorge zu investieren, sich aber bei Nichtgefallen problemlos beitragsfrei stufen lassen zu können.

Keine Liquidität für Entschuldung

Eine der Redaktion bekannte Ärztegruppe aus Oberösterreich ist jedoch skeptisch: Zum einen zweifelt man an der Notwendigkeit dieses Vorhabens, wo doch kaum ein Arzt die Mindestbeitragsgrundlage überschreitet und sicherlich kein einziger auch nur annähernd an die Höchstbeitragsgrundlage herankommt. Außerdem wäre so eine Finanzierung in der Altersstufe ab 50 für die meisten gar nicht möglich, weil dort durch Refinanzierungen und diverse private Kosten, wie beispielsweise ein Studium der Kinder, keine Liquiditätsreserve besteht. Die wenigen, die sich das leisten können werden, kommen ohnehin niemals wieder unter die 50-Prozent-Progression, was auch deren Steuervorteil zunichte macht. Ein Problem hätten vor allem jene Ärzte, die schon den Deckel der Zusatzvorsorge erreicht haben. Wenn endlich einmal Luft für die betriebliche Entschuldung da wäre, würde die Beitragspflicht in der Zusatzversorgung (ZV) III wieder voll in Richtung Liquiditätsengpass durchschlagen.

Nutzen für kleine Gruppe

De facto soll nach deren Ansicht eine steuerbegünstigte Beitragspflicht zum Nutzen von nur wenigen Ärzten verwendet werden. Ist die ZV III erst einmal beschlossen, könnte laut einem Vertreter der Gruppe die Richtlinie über die Maximalhöhe der Beitragspflicht leicht geändert werden – zum Nachteil jener Ärzte, die eben nicht so gut situiert sind. Man habe sich außerdem mit Steuerexperten zusammengesetzt, die bezweifeln, dass die steuerliche Absetzbarkeit wirklich hält, wenn der Zugang zur Beitragsbefreiung zu leicht ist und die Beitragsgrenzen unrealistische Höhen erreichen.

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