zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 17. August 2005

Investment ist kein ­Glücksspiel

In den vergangenen Jahren ist am internationalen Kapitalmarkt einiges passiert. „Viele Anleger sind daher verunsichert, ob ihre Aktien langfristig tatsächlich den erhofften hohen Ertrag bringen“, so Mag. Herbert Autengruber von der Gerling Financial Services GmbH in Wien.

Der kurzfristige Kursrückgang in bestimmten Sparten war enorm, der Wunsch der Anleger ist vor allem, dies für die Zukunft zu verhindern. Doch wie soll man die Zusammenhänge auf den Märkten erfassen, wo den Medien doch stark widersprüchliche Wirtschaftsprognosen zu entnehmen sind?

Faktor Streuung ist maßgeblich

Autengruber gibt Tipps, wie Anleger ihre Chancen am Markt erhöhen können. Um niedrige Kursschwankungen zu erreichen, sollte eine breite Streuung von Aktien vorhanden sein, so wie das beispielsweise in Fonds der Fall ist. „Entscheidend ist jedoch nicht die Aktienzahl, sondern die Streuung nach Branchen und Ländern“, so Autengruber. Fondsmanager unterliegen allerdings einer strengen Messlatte ihrer Auftraggeber. Sie müssen besser als der vergleichbare Durchschnitt sein, um ihre Funktion zu rechtfertigen. Dies führt mitunter zu einer Entfernung vom „normalen“ Risiko laut Fondsprofil. Eine repräsentative Streuung sollte laut Autengruber jedenfalls den Weltmarkt widerspiegeln, mit etwas stärkerer Gewichtung auf Europa, weil hier das Wechselkursrisiko entfällt. Ein Blick in die Vergangenheit gibt Aufschluss. Über 100 Jahre gesehen, brachte eine breit gestreute Aktienanlage in den Industrieländern im Schnitt etwa neun Prozent Rendite pro Jahr. Seit 1945 gab es keine Zehnjahresphase mehr, die im Schnitt der Aktien keine Rendite abwarf. Also ein klares Argument für Aktien als langfristige Kapitalanlage, wenn man es richtig angeht.

Kursschwankung zwangsläufig

Was viele Anleger abhält und verunsichert, ist laut Autengruber die zwangsläufige kurzfristige Schwankung von Aktien: „Diese wird durch allerlei Faktoren bewirkt, deren Auswirkung und Stärke niemand voraussehen kann und auf Psychologie beruht.“ Langfristig gesehen lässt sich für jede Aktie eine Tendenz erkennen, die sich ganz exakt anhand der betrieblichen Kennzahlen ableiten lässt. Wer sich die Entwicklung der Unternehmensgewinne in den letzten 100 Jahren anschaut und diese mit den Kursanstiegen in diesem Zeitraum vergleicht, wird eine fast exakte Deckung feststellen.

Kein kurzfristiges Spiel

„Ist ja logisch“, werden manche jetzt denken. Die Wertentwicklung einer Firma (in Aktienanteilen) für einen Investor muss ja mit den Unternehmensgewinnen zu tun haben. Diese bereits für ein Schulkind nachvollziehbare Logik wird leider durch die Gier zahlreicher Anleger beim Aktienkauf außer Kraft gesetzt. Wer daher diese Anlage nicht als kurzfristiges Spiel betrachtet, sondern sein wohlverdientes Geld langfristig sicher und rentabel anlegen will, sollte laut Autengruber ein Naturgesetz beachten: „Der Gewinn eines Unternehmens ist der alleinige Indikator für den Wert einer Aktie. Dieses fixe Verhältnis zieht sich durch alle Länder, Branchen und Zeiten.“ Gemeint ist das so genannte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das in den einschlägigen Zeitungen bei den Aktienkursen mit veröffentlicht wird. Dieses KGV liegt bei „normaler“ Aktienbewertung zwischen 12 und 18.

Fundis, Trendfolger und Co.

Laut Autengruber gibt es zwei unterschiedliche Anlegergruppen. Die so genannten Fundamentalisten kaufen bei einem KGV von weniger als 12 und stützen durch ihren Kauf natürlich auch die Kurse. Trendfolger sind die zweite Anlegergruppe. Sie kaufen „gefühlsmäßig“, beachten keine wirtschaftlichen Fakten und reagieren enorm auf Stimmungsschwankungen.

Wenn die „Blase“ platzt

Tritt nun aufgrund von Angebot und Nachfrage am Markt eine Steigerung des Aktienwertes ein, steigt das KGV; die Aktie ist überbewertet. Es bildet sich eine so genannte „Blase“, die dann platzt, wenn die Fundamentalisten verkaufen und damit den Kurs zum Einsturz bringen. Verlierer sind die Trendfolger, die erst in Zeiten guter Stimmung, also steigender und bereits überbewerteter Aktienkurse gekauft haben. Dieses Verhalten beschreibt Autengruber als „lustiges Draufloswedeln bei Lawinenwarnstufe fünf“. Eine Berücksichtigung der wirtschaftlichen Grundlagen kann so etwas verhindern. Bestes Beispiel sind die vergangenen Jahre, wo trotz KGVs von 150 bis 200 noch munter in Telekommunikations- und Internetwerte investiert wurde. „Solche Aktien waren zehnfach teurer als im historischen Durchschnitt“, erläutert Autengruber, „daher bei Drehung der Stimmung extrem absturzgefährdet.“ Derzeit besteht jedenfalls keine „Blasengefahr“, die Märkte sind eher unterbewertet. Daher ist laut Autengruber jetzt ein guter Zeitpunkt für einen Einstieg: „Es hat sich immer wieder bestätigt, dass ein Kauf in Krisenzeiten der beste Kauf ist.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben