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Praxis 17. August 2005

Cave! – Versteckte Kosten bei Krediten

Wenn Sie unterschiedliche Angebote für Darlehen und Kredite vergleichen, dürfen Sie sich nicht nur auf den ausgewiesenen Effektivzinssatz verlassen.

Jede Bank ist zwar verpflichtet, den Effektivzinssatz nach einer EU-weit einheitlichen Formel zu berechnen, dennoch kann es versteckte Kosten geben, auf die Sie als Kreditnehmer achten sollten. Schließlich haben Banken weiterhin verschiedene Möglichkeiten, außerhalb dieser Formel Gebühren einzuheben. Um beim Angebotspreis gut auszusteigen, verzichten manche Banken beispielsweise auf eine Bearbeitungsgebühr, da diese in die Berechnung des Effektivzinssatzes einfließt. Dafür werden prozentuale Schätzkosten erhoben. Für die Bewertung einer Immobilie kann dies bis zu einem Prozent des Kaufpreises ausmachen. Diese Kosten fließen aber auch nach der neuen Formel nicht in die Effektivzins Berechnung ein. Außerdem können die Banken Teilauszahlungsaufschläge verlangen, wenn der Kunde den Kredit je nach Baufortschritt in Raten abruft. Diese sind ebenso wie die Bereitstellungszinsen, die bei einer auf Kundenwunsch verzögerten Auszahlung anfallen, nicht im Effektivzinssatz enthalten.
Der beste Anhaltspunkt ist die Höhe der Restschuld nach Ablauf der Zinsbindungsfrist. In die Berechnung der Restschuld fließen nämlich tatsächlich alle Kosten ein. Für die Vergleichbarkeit der Angebote ist es aber wichtig, dass der vereinbarte Zinssatz über einen gleich langen Zeitraum gilt und dass bei allen Anbietern die glei-che monatliche Rückzahlungsrate und Tilgungsanrechnung zugrunde gelegt wird.

Vorsicht ist bei Krediten für Bauvorhaben angezeigt

Der einheitlich errechnete Effektivzinssatz ist eine Maßzahl für den Preis eines Kredites. Doch Vorsicht bei Baukrediten: Die Banken verlegen sich zunehmend darauf, zusätzliche Kosten zu verlangen, die nicht in die Berechnung des Effektivzinssatzes einfließen. So wird oft auf eine Bearbeitungsgebühr verzichtet mit der Begründung, diese würde in den Effektivzinssatz eingerechnet. Stattdessen werden aber beispielsweise Schätzkosten verlangt, die den Kredit verteuern – aber außerhalb der Effektivzinssatz-Formel. Man sollte sich daher immer ausrechnen lassen, wie hoch die Restschuld nach Ende der Zinsbindung sein wird. In diese Rechnung fließen alle Kosten ein. Damit ist jenes Angebot am günstigsten, bei dem die Restschuld am niedrigsten ist – vorausgesetzt, es wurden gleiche Zinsbindungsfristen, Rückzahlungsraten und Termine für die Tilgungsverrechnung angesetzt.

Dr. Jürgen Brunotte, Ärzte Woche 42/2004

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