zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 17. August 2005

Tipps für Kauf und Verkauf von Kassenpraxen

Eine Ordination ist ein Dienstleistungsbetrieb mit hohem immateriellem Wert. Für die Bewertung gibt es ein ausgeklügeltes Verfahren.

Wenn ein Arzt in Österreich einen Kassenvertrag möchte, muss er sich mit den Reihungskriterien des jeweiligen Bundeslandes auseinan-dersetzen. Unabhängig von zum Teil unterschiedlichen Regelungen erfolgt die Bewertung der Bewerber nach einem Punktesystem. Bei gleichem Punktestand kommt es zu einem Hearing vor VertreterInnen des Krankenversicherungsträgers und der Ärztekammer.

Schätzung des Praxiswertes

Der Erstgereihte der Interessentenliste und der Vertragsarzt, der seine Praxis verkaufen möchte, können nun über einen möglichen Kaufpreis verhandeln. Sollte es zu keiner Einigung kommen, sind beide Seiten gut beraten, einen Dritten zu Rate zu ziehen, um eine objektive Bewertung der Ordination vorzunehmen. Sollte dennoch keine Einigung zwischen Verkäufer und Käufer erzielt werden, kann der Käufer in unmittelbarer Nähe eine neue Ordination eröffnen. Ein allgemeines Verfahren zur Ordinationsbewertung stützt sich vor allem auf den Wert der vorhandenen Sachgegenstände. Viele niedergelassene Ärzte fragen sich, ob sie einen höheren Ablösebetrag verlangen können, als es dem Wert von Ordinationseinrichtung und medizinischen Geräten entspricht. Der OGH anerkennt mittlerweile auch die Schätzung des Praxiswertes auf Basis des durchschnittlichen Umsatzes des Verkäufers.„Sieht man den Arztbetrieb als Dienstleistungsbetrieb mit einem hohen immateriellen Wert, so bedarf es eines ausgeklügelten Verfah-rens, diesen zu bewerten“, sagt Mag. Gerhard Morawetz, Wirtschaftstreuhänder in Wien. Er stellte im Rahmen des Seminars „Bewertung und Verkauf von Kassenpraxen“ die neu entwickelte Methode vor.

Fairer Kaufpreis für alle

Grundsätzlich gilt: Ein fairer Kaufpreis kommt sowohl dem Verkäufer als auch dem Käufer zugute. Der Praxiswert setzt sich einerseits aus der Ertragskraft der bestehenden Praxis und andererseits aus der Chance des Nachfolgers, diese Ertragskraft fortzusetzen, zusammen. Ein ideeller Praxiswert kann dann festgestellt werden, wenn der Ertragswert infolge einer besonderen Ertragskraft der Praxis über den reinen Sachwert hinausgeht. Vier Faktoren bestimmen den ideellen Praxiswert: Die Reputation des Arztes und daraus folgend sein Kundenstock, die Dokumentation der Patientenkartei, die Funktionalität der technischen Einrichtungen sowie die Organisation des Personals. Käufer und Verkäufer einer Kassenpraxis sollten sich laut Morawetz auch einer Checkliste jener Punkte bedienen, die vor Betriebsübergabe zu bedenken sind. So wird eine genaue Definition der Vertragsparteien und der Kaufgegenstände empfohlen. Verkauft werden können die Ordinationseinrichtung, medizinische oder sonstige technische Einrichtungen oder Geräte sowie die Räumlichkeiten. Nicht verkauft werden können jedoch die Kassenverträge. Der Zeitpunkt der Übergabe ist genauso zu definieren, wie ein eventueller Übergang bestimmter Vertragsverhältnisse auf den Käufer. „Auch Vereinbarungen über Konkurrenzverbot, Kassenverträge, Gewerbeberechtigung, medizinische Geräte, Wartungsverträge, Kosten, Steuern, Gebühren und der Gerichtsstand sollten unbedingt schriftlich festgelegt werden“, empfiehlt Morawetz.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben