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Praxis 17. August 2005

Strenge Risikobeurteilung für Kredite

Wenn heute ein Arzt für eine Praxisgründung einen Kredit benötigt, reicht der Berufsstatus allein nicht mehr aus, um die benötigte Summe zu Best-Konditionen zu bekommen.

Heute gibt es bei den Banken so genannte „Riskmanager“, deren Aufgabe darin besteht, die wirtschaftliche Entwicklung des „Kreditwerbers“ zu beurteilen. Von dieser Einschätzung hängt nicht nur die Kreditzusage, sondern hängen natürlich auch die Konditionen ab. Die Bank verlangt Unterlagen wie Planrechnungen, Business-Pläne, Patientenzahlen, Behandlungskosten und daneben noch eine ganze Reihe von Sicherheiten, um mit einer möglichst hohen Wahrscheinlichkeit die Rückzahlungen zu bekommen. Der wohl wesentlichste Punkt ist die Standortfrage für die neue Praxis. Diesen sollte jeder Arzt bedenken, wenn er plant, sich selbständig zu machen. Im Idealfall ist sich der zukünftige Unternehmer über eine ganze Reihe von entscheidenden Kriterien im Klaren: Wie sieht die Bevölkerungsstruktur im Umkreis des Standortes aus? Wie ist die Alterspyramide der Bevölkerung, gegliedert nach Geschlecht, beschaffen? Wie sieht die Einkommensstruktur aus, analysiert nach Alter und ebenfalls geschlechterspezifisch? Auch die Frage nach Berufsgruppen in Prozentsätzen pro Alter und pro Geschlecht hat Relevanz. Dazu kommen Fragen zur Konkurrenzsituation: Wie viele Kollegen der gleichen Fachrichtung sind hier bereits tätig? Welche Leistungen werden angeboten? Die Palette der Aspekte scheint unendlich. Doch erst diese und eine Reihe weiterer Parameter ermöglichen die Erstellung eines realistischen Business-plans, der nicht nur für eine Kreditgewährung von Bedeutung ist, sondern selbstverständlich für die grundlegende Entscheidung, sich an diesem Ort niederzulassen. Flexibilität wird in Zukunft immer mehr gefragt sein. Wer bereit ist, die Wahl seines Standortes an die wirtschaftlich notwendigen Gegebenheiten anzupassen, wird es leichter haben als ein Arzt, der örtlich fixiert ist.

Basel II setzt strenge Maßstäbe

Das viel zitierte Basel II zwingt die Banken dazu, sich das wirtschaftliche Umfeld eines Arztes und seine Entwicklungsmöglichkeiten als Freiberufler wesentlich genauer anzusehen als früher. Je besser die Bonität eines jungen Arztes, desto günstiger sind seine Finanzierungskosten, und je gehaltvoller und genauer seine Planrechnung, desto besser ist seine Bonität. So gesehen, erhebt sich die Frage, ob ein junger Arzt allein wirklich imstande ist, seine Pläne diesen Anforderungen gemäß aufzubereiten und seine Chancen entsprechend darzustellen. Meist wird es nötig sein, sich einiger Profis zu bedienen, die langjährige und einschlägige Erfahrung mit der Berufsgruppe der Ärzte aufweisen können. Diese Profis zu finden, ist im Fall des Falles allerdings nicht immer einfach.

Dagmar Triller, Ärzte Woche 37/2004

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