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Praxis 17. August 2005

Wo Fallen auf Bankkunden lauern

Banken bieten Ärzten die Vermittlung von Geldanlageprodukten, Versicherungen und Krediten „aus einer Hand“, wobei oft auch zur Bankengruppe gehörende Finanzinstitute wie Investmentgesellschaften, Immobilienmakler, Hypotheken-banken und Bausparkassen eingebunden werden. Dieses auf den ersten Blick kundenfreundliche Vorgehen birgt mitunter einige tückische Fallen.

Das Hauptargument der Anbieter ist bekannt: Dem Kunden sollen zeitaufwändige Wege erspart bleiben. Die Zeitersparnis muss aber häufig mit höheren Kosten bei Zinsen und Gebühren bezahlt werden. Bequemlichkeit hat eben auch bei Finanzdienstleistern ihren Preis. Diese Erfahrung musste auch ein Kollege machen, der sich auf die Kreditzusage seiner Hausbank verließ. Er benötigte einen langfristigen Kredit für ein Bauvorhaben und erhielt von seinem Bankinstitut den gut gemeinten Rat, einen Teil des Kreditbetrages mit einem ebenfalls langfristigen Darlehen bei einer zum gleichen Finanzkonzern ge-hörenden Hypothekenbank zu finanzieren.

Bonitätsprüfung des Arztes hatte unerwartete Folgen

Die Hausbank vermittelte dieses Darlehensangebot, das der Kunde schließlich auch unterschrieb und damit akzeptierte. Offensichtlich vertraute er darauf, dass es mit der Restfinanzierung keine Probleme geben würde. Mit dieser Einschätzung lag er allerdings völlig daneben: Seine Hausbank fand ihn im Gegensatz zur Hypothekenbank offenbar für nicht kreditwürdig genug und lehnte nach einer entsprechenden Prüfung seiner Bonität die Restfinanzierung ab. Nun legte unser Kollege auch keinen Wert mehr auf das bereits zugesagte Hypothekardarlehen und verweigerte dessen Abnahme. Damit gab sich die Hypothekenbank nicht zufrieden und verlangte eine finanzielle Entschädigung, vor allem für den ihr entgehenden Zinsgewinn. Diesen Haftungsanspruch leitete sie aus den Bedingungen des mit dem Arzt abgeschlossenen Darlehensvertrages ab. Eine gütliche Einigung war nicht möglich, so dass dieser Fall vor dem Richter landete. In seiner Begründung führte dieser aus, dass diese Haftungsklausel „unter den gegebenen Umständen überraschend und daher nichtig sei“, und hat somit zu Gunsten des Kollegen entschieden.

Warum der Richter für den Arzt entschied

Allerdings machte der Richter auch deutlich, dass eine derartige Vereinbarung grundsätzlich durchaus in Ordnung sei. Dies gelte aber nur dann, wenn der Kunde mit mehreren Kreditgebern verhandelt. Im vorliegenden Fall habe aber die Hausbank zur Kreditaufnahme bei ihrer Konzerntochter, der Hypothekarbank, geraten. Der Arzt müsse daher nicht damit rechnen, dass die Kreditverpflichtung auch dann gelte, wenn der restliche Kredit nicht gewährt werde.

Keine voreilige Unterschrift!

Dieses Urteil verdeutlicht: Kreditverträge sollten immer erst dann unterschrieben werden, wenn die Gesamtfinanzierung definitiv gesichert ist. Die Warnung des Richters sollte sehr ernst genommen werden: In ähnlichen Fällen kann es bei einer voreiligen Unterschrift teuer werden. Da es bei langfristigen Immobilienfinanzierungen regelmäßig um erhebliche Kreditbeträge und hohe Zinsbelastungen geht, sollten Sie sich bei „Mischfinanzierungen“ mit verschiedenen Kreditgebern nicht ausschließlich auf die Angebote Ihrer Hausbank und der ihr möglicherweise angeschlossenen Hypothekarbank oder Bausparkasse verlassen. Bitten Sie darüber hinaus unterschiedliche Banken und Ver-sicherungen um Finanzierungs-konzepte, die Ihren Bedürfnissen gerecht werden. Lassen Sie sich nicht von an geblichen Bearbeitungsvorteilen bei Finanzierung „aus einer Hand“ beeinflussen. Orientieren Sie sich vor Ihrer Entscheidung neben Ihren bisherigen Erfahrungen mit den jeweiligen Kreditgebern vor allem an den Fakten wie Zinsen, Gebühren und sonstigen Nebengebühren. Auch wenn es für Sie Mehrarbeit bedeutet: Prüfen Sie jeden einzelnen Darlehensvertrag Punkt für Punkt und klären Sie eventuell offene Fragen rechtzeitig vor Ihrer Unterschrift. Bitten Sie Ihre jeweiligen Gesprächspartner ebenfalls um eine Beratung bezüglich einer eventuellen Förderung.

Dr. Jürgen Brunotte, Ärzte Woche 32/2004

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