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Praxis 17. August 2005

Wenn der Ordinationsbetrieb still steht

Im Deckungsumfang bestehen bei den am Markt angebotenen Produkten durchaus Unterschiede. Auch die Entschädigung bei Teilarbeitsfähigkeit ist für Ärzte von Bedeutung.

Beim Abschluss einer Betriebsunterbrechungs-Versicherung gilt folgende Grundüberlegung: Im Schadensfall eine Summe ausbezahlt zu bekommen, die ausreicht, die wirtschaftliche Existenz bis zur Wiederaufnahme des Betriebes durch Ersatz der weiter laufenden Kosten und des entgangenen Gewinns zu erhalten. Es sollen also nicht die Schäden abgedeckt werden, die beispielsweise bei Zerstörung des Inventars durch Feuer entstanden sind, sondern der Einkommensentgang bei gänzlichem oder teilweisem Betriebsstillstand. Von nur wenigen Versicherungsgesellschaften angeboten, unterscheiden sich diese Produkte nur marginal im Bereich der Prämien, sondern vielmehr durch gravierende Verschiedenheiten im Deckungsumfang. Die Wahl der dafür nötigen Versicherungssumme hängt laut Dir. Wilhelm Zieger vom Basler Ärztedienst stark von den betrieblichen und individuellen privaten Gegebenheiten ab. „Von einer reinen Kostenversicherung, die nur die betrieblichen Unkosten abdeckt, bis zur Versicherung des gesamten Jahresumsatzes spannt sich ein weiter Bogen von Möglichkeiten.“ Die maximale Versicherungssumme ist laut Zieger jedoch mit Jahresbruttoumsatz minus Materialeinsatz und variable Kosten definiert.

Fachlich fundierte Beratung ist unbedingt erforderlich

Der Zusammenhang zwischen der Höhe der Versicherungssumme und den verschiedenen Möglichkeiten der Karenzzeiten mit der ausgewiesenen Prämie macht eine fachlich fundierte Beratung nötig. Hierbei ist auch der Steuerberater unbedingt einzubinden. Besondere Beachtung verdient die so genannte Haftungszeit. Diese endet bei fast allen Gesellschaften nach einem Jahr, alle Folgen einer Erkrankung oder eines Unfalles, die nach dieser Haftungszeit auftreten, fallen daher nicht mehr unter den Versicherungsschutz. Mit einer Ausnahme: Die Basler-Versicherung ist laut Zieger die einzige Gesellschaft, die eine Betriebsunterbrechungs-Versicherung mit Verzicht auf diese Haftungszeit anbietet. So werden selbst nach einer eventuellen Kündigung die Folgeerscheinungen einer Krankheit oder eines Unfalles im Rahmen der Versicherungssumme ohne zeitliche Begrenzung abgedeckt. Dies sind laut Zieger wohl die Gründe, weshalb sich dieses Produkt bei fast allen auf Ärzte spezialisierten Maklern großer Beliebtheit erfreut. Ein wesentlicher Punkt der Betriebsunterbrechungs-Versicherung ist die vereinbarte Leistung bei Teilarbeitsfähigkeit. Es ist oft nötig, eine Praxis aus wirtschaftlichen Gründen – wenn möglich – zumindest teilweise offen zu halten. Deshalb sollte die Entschädigung im Falle einer eingeschränkten Tätigkeit ebenfalls unbedingt Vertragsbestandteil sein. Laut Zieger ist beim Abschluss einer Betriebsunterbrechungs-Versicherung die Karenzfrist zu beachten, die bei ambulanter Behandlung den Erstzeitpunkt der Entschädigung nach dem Versicherungsfall regelt. Bei einer Karenzfrist von drei Tagen zahlt beispielsweise die Versicherung erst ab dem vierten Tag nach dem Eintritt des Versicherungsfalles. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, die Entschädigung bei einem stationären Aufenthalt bereits ab dem ersten Tag zu erhalten.

Eine hoch komplizierte Materie

Wie sich bereits aus diesen grundlegenden Aspekten erkennen lässt, ist die Versicherungsmaterie an sich hoch kompliziert. Alle Ordinationsversicherungen bedürfen daher einer regelmäßigen Wartung. Zieger: „Speziell im Bereich der Betriebsunterbrechungs-Versicherung verändern sich auch die Vertragsgrundlagen ständig, weshalb eine jährliche Überprüfung dringend anzuraten ist.“

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