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Praxis 17. August 2005

Teure Finanzierung über Girokonten

Wer bei Banken nach Gebühren und Kosten in Zusammenhang mit Girokonten fragt, wird möglicherweise keine klare Antwort hören. Sich abschrecken zu lassen, ist der falsche Weg.

Im privaten Bereich ist die Diskussion über die Höhe von Gebühren für Buchungszeilen, die quartalsmäßige Abrechnung von Pauschalbeträgen für die Kontoführung und über die Kosten von Barabhebungen oder E-Banking sehr beliebt. Im kommerziellen Bereich, und dazu gehören auch die Arztpraxen, läuft hingegen wenig, und die Banken tun auch wenig dazu, das zu ändern. Warum auch?

Im Wirrwarr der Konditionen

Doch immerhin geht es auch schon bei kleineren Arztpraxen nicht nur um ein paar hundert Euro. „So zwischen 1.000 und 5.000 Euro“ sagt man bei den Geldinstituten. „Locker nahe der Zehntausender-Schwelle“ ergeben Zusammenstellungen aus dem Datenfundus von Steuerberatern; ohne Zinsen für Kredite und Kontoüberziehungen. In Tabellenform vergleichbar wären die Konditionen der Banken für ihre Geschäftskunden nur höchst beschränkt. Zu vielfältig sind die Möglichkeiten, für Dienstleistungen im Zahlungsverkehr Gebühren zu verrechnen. Ein paar Grundbausteine sind aber bei vielen Instituten ähnlich. Insofern ist ein Blick beispielsweise in das Blatt „Aktuelle Konditionen für Girokonten von Kommerzkunden und selbständigen Freiberuflern“ einer großen österreichischen Bank nicht uninteressant. Das Blatt umfasst immerhin drei Seiten mit immerhin 59 kostenpflichtigen Positionen. Andere Banken kommen auf bis zu zehn Seiten.

Buchungskostenbeitrag

All diese Informationen lassen sich den in den jeweiligen Filialen leicht erhältlichen Kontopreisblättern entnehmen, über die in den Zentralen mit der Begründung der Unvergleichbarkeit nicht gerne geredet wird. Tatsächlich genügt ein Blick, um angeblich Unvergleichbares auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen. Eigentlich sind nur die All-in-Rabatte ein bisschen unübersichtlich, aber das Geld wird ohnehin woanders gemacht. Heftiger klingelt die Kassa nämlich unter dem Titel Buchungskostenbeitrag pro Buchung, und zwar in der Regel von der ersten Buchungszeile an. Die bei Privaten oft gesehenen Pauschalbeträge gibt es im Kommerzverkehr nur begrenzt. Deckelungen und Pauschalen sind verhandelbar, zumindest zeitlich limitiert, eher jedenfalls, als z.B. ein Zusammenhang mit den Zinsen. Nach längeren Verhandlungen mit einer Bank hier ein Beispiel für eine Arztpraxis: Mindestens 60 Euro Kontoführungsgebühr, Kosten für das e-banking 220 Euro, 1.000 bis 3.000 Buchungszeilen: 350 bis 800 Euro. Fazit: 650 bis 1.100 Euro pro Jahr, wesentlich geringer als die vom Steuerberater ermittelten Kosten. Mögliche Erklärungen wären: Die Zusammenstellungen der Banken ziehen die jeweils gültigen Mindestsätze als Berechnungsbasis heran und tun so, als ob es keine weitere Manipulation im Zusammenhang mit dem Konto gebe, also keine Daueraufträge, keine gedruckten Kontoauszüge, keine Schecklast- und Scheckgutschriften. Und es ist kein Kleinvieh, das hier Mist macht. Kostenersatz für Bestätigungen und Auskünfte an Steuerberater und Wirtschaftsprüfer anlässlich der Jahresschlussarbeiten: 40 Euro. Kreditrestschuldbestätigung: 27 Euro. Neue Zahlungsvereinbarung: 50 Euro. Fälligstellung: 100 Euro. Mahnspesen: 20 Euro für die erste und 50 für die dritte Mahnung. Zu beachten ist, dass bis hierher das Thema Auslandszahlungsverkehr ausgeklammert ist, denn da setzen die Geldinstitute die Kommastelle woanders. Plötzlich geht es nicht mehr um Eurocents, sondern um Euro. Es lohnt sich also in jedem Fall, hart zu verhandeln.

Dr. Jürgen Brunotte, Ärzte Woche 29/2004

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