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Praxis 21. November 2005

Wie gut ist Ihre Hausbank?

Zumindest einmal im Jahr sollte für jeden Arzt das Gespräch mit der Hausbank zum Pflichtprogramm gehören. Kreditkonditionen, Ratings und Grundzüge der Kooperation müssen dabei unbedingt auf die Tagesordnung.

Zu den internen Regularien vieler Kreditinstitute gehört es, zumindest einmal im Jahr den bisherigen Geschäftsumfang und entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten für das folgende Jahr mit den Geschäftskunden so detailliert wie möglich zu planen. Die Datenbasis bilden die Geschäfts- und Ertragsumfänge der vergangenen Zeit. Ein solches Orientierungs-Gespräch sollten Ärzte dazu nutzen, eigene Interessen ins Spiel zu bringen. Sieht Ihr Institut ein derartiges Orientierungs-Gespräch nicht vor, dann sollten Sie darauf drängen und sich mit entsprechenden Unterlagen wappnen. Im Gespräch müssen vor allem die derzeitigen Kreditkonditionen zur Sprache kommen. Möglicherweise bieten sich zinsgünstige Alternativen, beispielsweise beim Kontokorrentkredit, bei bisher variabel verzinsten Investitionskrediten oder im Fall von Immobiliendarlehen an. Sprechen Sie den Bankmitarbeiter auf aktuelle Angebote an – auf solche, die Ihre Hausbank angeboten oder aber Mitbewerber offeriert haben.

Angemessene Kreditsicherheit?

Einen weiteren Gesprächsanlass liefern die Kreditsicherheiten. Ihr Wert liegt meist höher als die jeweiligen Kreditsalden, weil regelmäßige Tilgungsraten die Kreditsumme kontinuierlich verringern. Auf diesem Weg lassen sich oft überflüssige Sicherheitsleistungen verringern und damit auch noch Kosten sparen. In diesem Zusammenhang ist es hilfreich zu erfahren, wie die Bank die einzelnen Sicherheiten konkret bewertet. Die Beurteilung sollte mit der eigenen Bewertung abgestimmt werden, denn es bestehen regelmäßig unterschiedliche Auffassungen über die Belehnungswerte der einzelnen Kreditsicherheiten.

Transparenz des Ratings

Diese Bewertungen der Sicherheiten lassen sich im Rahmen des Ratings ansprechen. An entsprechenden bank- und sparkasseninternen Beurteilungen orientiert sich die Bonität oder Kreditwürdigkeit des jeweiligen Geschäftskunden, zumal viele Kreditinstitute heute noch statisch statt dynamisch bewerten. Die Transparenz dieser Ratings ist gerade für Freiberufler und damit Ärzte stark verbesserungswürdig. Wer Einzelheiten seines Ratings erfahren will, kommt bisher nicht umhin, gezielt danach zu fragen. Diese Praxis ist schwer nachvollziehbar, weil die vollständige Offenlegung des Ordinations-Ratings dem Arzt eindeutige Anhaltspunkte zur Aufarbeitung eventueller Schwachstellen bietet. Vor allem die zunehmende Bedeutung der so genannten „weichen Faktoren“, wie Qualität und Organisation der Unternehmensführung, ist nicht jedem Arzt in ausreichendem Maß bewusst. Hier sind Geldinstitute aufgefordert, Aufklärungsarbeit zu leisten.
In jedes Orientierungsgespräch gehört außerdem der Punkt „Zusammenarbeit mit der Bank“. Hier sollten Sie klären, wie sich die Effizienz der Zusammenarbeit steigern lässt, z.B. durch Electronic Banking oder individuelle Betriebsberatungen. Zwei methodische Tipps zum Schluss: Treten Sie im Gespräch bestimmt und offen auf. Vornehme Zurückhaltung birgt in Zeiten zunehmend härterer Kreditvergabe-Bedingungen mehr Risiken als Chancen. Und gehen Sie nicht auseinander, bevor Sie den nächsten Gesprächstermin verbindlich vereinbart haben.

Dr. Jürgen Brunotte, Ärzte Woche 27/2004

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