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Praxis 17. August 2005

Kostenanalyse von Gruppenpraxen

Gemeinsam sollte kostengünstiger sein. Diese Erwartung gilt ganz allgemein für Gruppenpraxen. Betriebswirtschaftlich gesehen, hält sich dieser Effekt nach den bisherigen Erfahrungen allerdings in Grenzen.

Zahlreiche Aspekte beeinflussen die praktische Umsetzung der Praxisform Gruppenpraxis. „Von Bedeutung sind die politischen Absichten der Standesvertretung, die Bereitschaft der Sozialversicherungsträger, der soziale Aspekt hinsichtlich Freizeit und persönlichem Freiraum, der Aspekt der Patientenbetreuung und auch der Patientenerhaltung“, fasst Univ.-Lektor Mag. Roman Hofmeister, Berater der Ärztekammer für Oberösterreich in Sachen Gruppenpraxis, zusammen. „Nicht zuletzt ist die Wahl der optimalen Praxisform auch für den Ausbau und die Absicherung einer dauerhaften Patientenbeziehung, also für die Marktsicherung, wichtig.“
Betriebswirtschaftlich sind laut Hofmeister die Bereiche Kostenentwicklung nach dem Zusammenschluss von Einzelpraxen zur Gruppenpraxis und die Umsatzentwicklung nach dem Zusammenschluss zu betrachten. Die Kosten werden nach seiner Auffassung beim Zusammenschluss im Wesentlichen durch zwei „Kostentreiber“ beeinflusst und verändert. Einerseits funktional, also durch Zusammenlegung von Funktionen und durch das Erfordernis neuer Funktionen aufgrund der Koordinationsbedürfnisse der Gruppenpraxis. Andererseits durch Änderungen bei den Praxisressourcen, also durch Bereitstellung oder Wegfall von Leistungskapazitäten.
„Manche Kosten wiederum werden durch den Zusammenschluss nicht beeinflusst“, erklärt Hofmeister. Dazu zählen unmittelbar auf den Patienten oder Fall bezogene Kosten, wie Ordinationsmaterial oder Verwaltungskosten für die Patientenabrechnung, sowie Kosten für die soziale Sicherung jedes Arztes, wie Wohlfahrtsfonds und Betriebsunterbrechungsversicherung. Ebenso nicht betroffen sind so genannte Fixkosten, die sich aufgrund ihrer Struktur nicht degressiv entwickeln, beispielsweise Leasingraten und Kreditzinsen.

Was ist „Ressourcen-Leverage“?

Betrachtet man den Aspekt der Kosteneinsparung durch einen Zusammenschluss, gibt es mehrere realistische Ansätze, die je nach Fachrichtung der beteiligten Ärzte und überdies nach individuellen und regionalen Gegebenheiten ein deutlich unterschiedliches Ausmaß haben werden. Der erste Kostensparansatz ergibt sich durch so genanntes „Ressourcen-Leverage“, die gemeinsame Nutzung von Räumen, insbesondere Wartezimmer, medizinisch-technischen Geräten und Verwaltungseinrichtungen wie Hard- und Software. Einsparungen entstehen vor allem durch Minderung der Abschreibungskosten, gegebenenfalls durch Reduktion anteiliger Raummieten und mit Investitionen verbundener Finanzierungskosten. Ein weiterer, unter dem Aspekt der „Synergien“ als wesentlich zu betrachtender Kostenspareffekt wird beim Personal vermutet und erwartet, nachdem diese Kostenposition einen Hauptanteil an den üblichen Praxiskosten ausmacht, wenige Fachgruppen ausgenommen. „Praktisch wird diese Einsparung nicht vorrangig bei den Ordinationshilfen zu erwarten sein, es sei denn, dass die Ordinationsbediensteten mehrere Funktionen erfüllen. Die Möglichkeiten liegen vor allem in Teilbereichen der Verwaltung, wobei Urlaubs- und Krankenstandsvertretungen sicherzustellen sind“, so Hofmeister.

Kleine Einheiten können nur in Randbereichen sparen

Bei den übrigen Fixkosten sind selbst bei sorgfältigster Analyse bestenfalls geringfügige Einsparungseffekte zu erwarten. Auf den Punkt gebracht, ist die Umsetzung von Rationalisierungsmaßnahmen bei auch nach Zusammenschluss noch kleinen Wirtschaftseinheiten schwie-rig und nur in Randbereichen nachzuvollziehen.„Eine Detailanalyse der zu erwartenden Kosten nach Zusammenschluss und Fachbereich ergab bei unserer Analyse je nach Fachbereich und Struktur der potenziellen Partnerpraxen stark unterschiedlich einzuschätzende Einsparungseffekte“, resümiert Hofmeister. Bei Praxen mit hohem Investitionsanteil im medizinisch-technischen Bereich in Verbindung mit vorwiegend den Arzt unterstützendem Personal könnten die zu erwartenden Einsparungen einer Gruppenpraxis nahe Null sein.

Flankierende Maßnahmen

„Noch problematischer ist die Annahme einer additiven oder progressiven Umsatzentwicklung“, so Hofmeister. „Weder Erfahrungen in Österreich noch in Deutschland lassen nach uns zugänglichen Datenquellen einen derartigen Schluss zu. Es ist im Gegenteil vielmehr zu erwarten, dass zumindest unmittelbar nach dem Zusammenschluss Umsatzrückgänge zu verzeichnen sind.“ Eine definitive betriebswirtschaftliche Beurteilung der Gruppenpraxiskonzeption leidet also noch unter fehlenden Erfahrungswerten. Hofmeister: „Die Ex-ante-Analyse lässt erwarten, dass aus betriebswirtschaftlicher Sicht bestenfalls geringfügige Einsparungseffekte erzielt werden und das Gesamtergebnis nur dann um diese Einsparungen verbessert werden kann, wenn sich durch flankierende Maßnahmen der beteiligten Ärzte Patientenverlust vermeiden lässt.“

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