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Praxis 17. August 2005

Lust auf ein neues Auto?

Alljährlich im Frühling befassen sich viele Autofahrer wieder mit der Anschaffung eines fahrbaren Untersatzes, wobei Neuwägen nach wie vor hoch im Kurs stehen. Es stellt sich daher auch immer wieder die Frage nach der besten Finanzierungsvariante, speziell wenn ein Fahrzeug teilweise oder sogar zur Gänze steuerlich geltend gemacht werden kann. Obwohl Ärzte berufsbedingt Vielfahrer sind, gelten nach wie vor Grenzen für die von der Finanz akzeptierte Investition. Eine Erhöhung dieses Rahmens hat dieÖsterreichische Ärztekammer erst kürzlich von der Finanz gefordert.
Wer least, hat keine Schulden. „So empfindet es zumindest in der Regel die (allzu) menschliche Psyche“, meint einer unserer Experten zur Frage „Kaufen oder leasen?“ Die angebotenen Leasingfinanzierungen unterscheiden sich heute in Details, eine gern angebotene Variante ist das Operating-Leasing. In der Regel ist der effektive Zinssatz bei Leasingangeboten nicht offengelegt, betont einer unserer Experten. EDV-Programme, wie sie Steuerberater meist haben, können da Licht ins Dunkel bringen. Am meisten Flexibilität bietet in jedem Fall, wenn der fahrbare Untersatz im Eigentum erworben wird. Details zur Entscheidungsfindung in der Frage: „Auto kaufen oder leasen?“ erläutern unsere Experten.

Mag. Hans-Georg Goertz
Steuerberatungskanzlei
Dr. Scholler & Partner, Wien
Tel. 01/599-22
goertz@scholler.at

Beim Kauf eines Autos für die betriebliche Nutzung in der Ordination sind einige steuerliche Auswirkungen in die Kaufüberlegungen einzubeziehen. Der Kaufpreis eines neuen Autos ist immer noch auf acht Jahre zu verteilen. Außerdem darf ein Auto laut Finanz nur 34.000 Euro kosten. Der darüber hinaus gehende Kaufpreis ist als Luxustangente steuerlich nicht absetzbar. Das „klassische“ Leasing ist in Bezug auf Abschreibungsdauer und Luxustangente nicht wirklich günstiger, da auch die bezahlten Leasingraten nicht sofort in voller Höhe als Betriebsausgaben abzusetzen sind. Es muss ein so genannter Aktivposten gebildet werden, der ab dem Zeitpunkt des Kaufes zusammen mit dem Restkaufpreis über eine steuerliche Restnutzungsdauer abzuschreiben ist. Auch wäre beim Leasing eine anfallende Luxustangente zu berücksichtigen.
Anders verhält es sich mit dem so genannten Operating-Leasing, bei dem die „Mietzahlungen“ sofort als Betriebsausgabe abzusetzen sind. Dies ist nur dann möglich, wenn kein Restwert vereinbart wird und der Leasinggeber das Risiko der Verwertung alleine trägt. Eine Luxustangente ist aber auch hier zu berücksichtigen. Zusätzlich könnte man sich beim Operating-Leasing überlegen, ob es im Einzelfall Sinn macht, am Ende des Jahres die Leasingraten für einige Monate oder das gesamte nächste Jahr vorauszuzahlen. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass diese Vorauszahlungen zu finanzieren sind und auch nur einen einmaligen Effekt im ersten Jahr der Vorauszahlung bringen.

Horst Jünger
Steuerberater, Innsbruck
Tel. 0512/598-59-0; info@juenger.at

Wer least, hat keine Schulden – so empfindet es zumindest in der Regel die (allzu) menschliche Psyche. In Wirklichkeit besteht bei den herkömmlichen Kfz-Leasingverträgen von der Rechtsposition des Leasingnehmers her nicht wirklich ein substanzieller Unterschied zu einem Kreditkauf. De facto bezahlt auch der Leasingkunde in Summe den Anschaffungspreis zuzüglich einer Zinsenkomponente und trägt das Verwertungsrisiko für das Auto. Steuerlich gesehen besteht zumindest beim PKW ebenfalls kein Unterschied zwischen der Behandlung von geleasten oder gekauften Fahrzeugen, da die früher bei Leasing mögliche Schnellabschreibung mittels besonderer Steuervorschriften unterbunden wurde. Damit bleibt als springender Punkt der verrechnete Zinssatz. Diesen muss heute jede Bank genau offen legen, und der Kunde kann relativ einfach verschiedene Angebote vergleichen.
Hingegen ist der effektiv verrechnete Zinssatz bei Leasingangeboten in der Regel nicht offen gelegt. Ihr Steuerberater verfügt sicher über ein entsprechendes Computerprogramm zur Errechnung dieses Effektivzinssatzes. Nehmen Sie daher seine Hilfe in Anspruch, denn im Gegensatz zu Bankangeboten, wo meist nur marginale Zinssatzunterschiede bestehen, erleben wir bei Leasingangeboten immer wieder ganz erstaunliche Bandbreiten. Generell können die Leasingangebote meist nicht mit Kreditangeboten mithalten. Dabei spielt wohl auch eine Rolle, dass viele Ärztinnen und Ärzte aufgrund der mehrjährigen guten Kundenbeziehung mit ihrer Hausbank in der Regel Top-Konditionen erhalten, hingegen bei Leasinganbietern die Kundenbonität eher uniform eingeschätzt wird.

Mag. Johannes Unger
Steuerberater, Wien
Tel. 01/713-55-00-10
office@kanzlei-unger.at

Vielfach wird von Autoverkäufern die Leasingvariante mit steuerlichen Argumenten empfohlen, wobei zwischen Finanzierungs- und Nutzenleasing zu unterscheiden ist. Die Leasingvariante wird jedoch nachteilig, je höher der Privatanteil ist. Insbesondere beim Nutzenleasing werden die Gesamtausgaben, die auch zu zahlen sind, bewusst zu Gunsten eines geringeren Restbuchwertes erhöht. Von diesen erhöhten Gesamtausgaben ist jedoch der Privatanteil auszuscheiden. Wenn der PKW später verkauft wird, entsteht durch die geringeren Anschaffungskosten von der Leasinggesellschaft ein höherer Veräußerungs-gewinn, der jedoch zu hundert Prozent steuerpflichtig ist. Die im Lea-singentgelt enthaltenen Zinsen sind ebenfalls um den Privatanteil steuerlich zu kürzen.
Wenn der Kaufpreis jedoch vom negativen betrieblichen Girokonto bezahlt wird, können die Zinsen in der Regel nicht dem Autokauf direkt zugeordnet werden; deshalb sind die Zinsen des Girokontos zur Gänze steuerlich absetzbar. Vielfach wird die Flexibilität beim Nutzen-leasing hervorgehoben, diese ist jedoch nur gegen entsprechend höhere, teilweise steuerlich nicht absetzbare Kosten zu erreichen. Bei einer vorzeitigen Beendigung eines Leasingvertrages ist zusätzlich mit erhöhten Kosten zu rechnen. Daher ist die Flexibilität beim Eigentum bedeutend höher. Meine Empfehlung lautet daher: „Kaufen!“

Mag. Rudolf Siart
Steuerberater, Wien
Tel. 01/493-13-99

Damit ein PKW zum Betriebsvermögen gezählt werden kann, muss er überwiegend betrieblich verwendet werden. Bei einer Anschaffung im Rahmen der Praxis zählt dieses Fahrzeug zum Anlagevermögen. Die Anschaffungskosten werden angesetzt und über die Nutzungsdauer von acht Jahren abgeschrieben. Aufpassen muss man allerdings bei der Höhe der Anschaffungskosten: Steuerlich anerkannt sind maximal 34.000 Euro. Kostet der PKW mehr, dann werden die Abschreibungen aliquot zu den anerkannten Anschaffungskosten gekürzt. Nach rein steuerlichen Gesichtspunkten bietet die Leasingvariante keinen nachweisbaren Vorteil. Bereits bei der Gestaltung der Leasing-Bedingungen gilt es aufzupassen: Werden die Vertragsklauseln so gestaltet, dass eine wirtschaftliche Betrachtungsweise ohnehin eine Zuordnung des „geleasten“ Autos zum Leasingnehmer zeigt, dann muss der Erwerber des PKW diesen ohnehin ins Anlagevermögen aufnehmen, sodass aus steuerlicher Sicht kein Unterschied zum Kauf mehr gegeben ist. Ist jedoch ein Leasing-Kontrakt so konzipiert, dass er einer Miete des PKW gleichkommt („Operating Leasing“), dann kann der Leasingnehmer die Raten als Betriebsausgaben ansetzen. Beim „Finanzierungsleasing“ ist die Leasingrate – objektiv erkennbar – so gestaltet, dass die gesamten oder ein Teil der Anschaffungskosten des Leasinggebers darin eingerechnet sind. Der Gesetzgeber hat für diesen Fall festgelegt, dass Leasingraten nur soweit steuerlich geltend gemacht werden können, als der Unternehmer steuerlich einem Kauf des Leasingobjekts gleichgestellt wird, also mit Aufteilung der Anschaffungskosten über acht Jahre. Selbst wenn keine Restwertzahlung vereinbart wurde, kann sich aus der wirtschaftlichen Betrachtungsweise ergeben, dass der PKW zu aktivieren und über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzuschreiben ist.
Im Zuge von Basel II kommt den Kennzahlen eine besondere Bedeutung zu. Aktiviert man die Anschaffungskosten, so kommt es zu einer Bilanzverlängerung und damit zu einer geringeren Eigenkapitalrentabilität. Die „reinen“ Leasing-raten hingegen führen grundsätzlich nicht zu einer Aktivierung; die Eigenkapitalquote wird davon nicht berührt. Kauft man den PKW, dann ist der Gesamtbetrag der Anschaffung sofort zu begleichen – unabhängig von der Mittelaufbringung. Will man die Anschaffung des PKW über einen Kredit finanzieren, sollte man auf alle Fälle zuerst einen Vergleich der Finanzierungskosten zwischen dem vorliegenden Kredit- und alternativen Leasingbedingungen durchführen.

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