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Praxis 17. August 2005

Kreditsicherheit muss erkauft werden

Ein Detail bei der Gestaltung von Kreditverträgen befasst sich mit der Frage, ob Zinssatzvereinbarungen fix oder variabel abgeschlossen werden sollen. Fixierung bedeutet, dass der Zinssatz während einer vereinbarten Periode unverändert bestehen bleibt, während er bei einer variablen Vereinbarung verändert werden kann. Bei Fixierungen kommt dem vereinbarten Zeitraum große Bedeutung zu.

Laut Dagmar Triller, Financial Manager des Basler Ärztedienstes, ist die Entscheidung über die Zinssatzvereinbarung von zwei Komponenten abhängig: „Einerseits ist die aktuell vorliegende Zinslandschaft zu beachten, die persönliche Komponente darf jedoch nicht vernachlässigt werden.“ Durch eine Fixierung kauft man schließlich Sicherheit ein, die mit einem Aufschlag in Abhängigkeit von der Fixierungszeit bezahlt werden muss.

Bei variabler Lösung Indikatorbindung vereinbaren

Variable Zinssätze sollten laut Triller unbedingt an einen Indi-kator gebunden werden. Bei Kreditaufnahmen in Euro ist der so genannte Euribor maßgebend, von Libor spricht man im Fremdwährungsbereich. Beides sind Zinssätze, zu denen sich die Banken untereinander Geld ausleihen. Dieser ändert sich ständig, es werden aber in der praktischen Berechnung üblicherweise Durchschnittswerte über einen bestimmten Zeitraum verwendet.

Anpassung des Zinssatzes

Der 3-Monats-Euribor ist daher der durchschnittliche Zinssatz des Euro der letzten drei Monate. Er wird bei einer bestehenden Kreditvereinbarung alle drei Monate angepasst. Der Kunde vereinbart dann diesen Indikator mit einem definierten Aufschlag, beispielsweise 1,5 Prozent, der natürlich von Bonität und anderen Kriterien abhängt. In der Praxis führt eine Indikatorbindung zu einer ständigen Änderung des Zinssatzes nach oben oder unten, gemäß des von Kunde und Bank definierten Anpassungszeitraumes. Bei einer Fixvereinbarung wird für eine bestimmte Laufzeit ein fixierter Zinssatz ausgemacht, der sich auch bei stark schwankender Marktsituation nicht mehr ändert.

Nachteil bei Fixvereinbarungüber längeren Zeitraum

„Fixierungen können auf bis zu zehn Jahre erfolgen, während dieses Zeitraums sind allerdings üblicherweise keine Tilgungen ohne Pönale möglich“, warnt Triller. Das ist eine logische Konsequenz, da ansonsten jeder Kunde mit Fixzinssatz bei sinkenden Zinsen am Markt sofort umschulden würde. Ein Fixzinssatz ist in Niedrigzinsphasen wie derzeit immer teurer, da die Bank das Risiko einer eventuellen Zinssatzsteigerung kalkulieren muss. „Das bedeutet“, so Triller, „dass die Art der Zinssatzbindung nicht nur eine Geschmacksfrage darstellt. Wer vor zehn Jahren eine Fixierung ausgemacht hat, hat sicher viel Geld verloren.“ Das könnte auch heute noch passieren, wobei die Chance einer Zinssatzsteigerung eher vorhanden ist als die Chance einer noch weiteren Senkung. Triller empfiehlt keine Fixierungen für länger als fünf Jahre. Der Vorteil ist sicher eine fixe Kalkulationsbasis. Wer jedoch nicht ausschließen kann, dass er eventuell frühe Teilrückzahlungen tätigt, sollte sich von Fixzinsvereinbarungen fernhalten.

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