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Praxis 17. August 2005

Ärztefinanzen verschärft unter der Lupe

Auf Basis der unter dem Begriff „BASEL II“ zusammengefassten verschärften Bestimmungen für Bankinstitute erfolgen ab dem Jahr 2004 die Ratings für Bankkunden. Diese werden für Unternehmen sowie Klein- und Mittelbetriebe seit Jahresanfang durchgeführt, für Ärztinnen und Ärzte beginnen sie ab Mitte dieses Jahres.

Rating an sich ist laut Harald Reigl, Leiter des Competence Centers für Ärzte der Niederösterreichischen Landesbank – Hypothekenbank AG, nichts Neues: „Schon in der Vergangenheit haben Banken die Bonitäten ihrer Kunden im Anlassfall beurteilt.“ Neu ist nunmehr, dass diese Überlegungen über den Einzelkunden systematisch, schriftlich und regelmäßig erfolgen und dann im Sinne eines Qualitätsmanagements in eine Gesamtdokumentation einfließen.

Auswirkungen des Ratings

Das Rating hat einige Auswirkungen: Je schlechter es für deren Kunden ausfällt, desto mehr Eigenkapital muss das Kreditinstitut für die Risikovorsorge bereit halten. Das bedeutet letztlich, dass die Bank bei Kunden mit schwacher Bonität einen höheren Risikoaufschlag kalkulieren muss, was sich in einem höheren Sollzinssatz niederschlagen wird. „Wessen Rating jedoch besser ist, der wird in Zukunft tendenziell geringere Zinsen zu bezahlen haben“, so Reigl.

Grundsätzlich werden Ratings einmal im Jahr bei jedem Kunden erstellt, auf jeden Fall aber immer im Rahmen einer neuen Finanzierung. Ein Rating setzt sich hierbei aus zwei Arbeitsschritten zusammen. Zunächst werden die „hard facts“, also Umsatz, Personalkosten, Anlagevermögen, Abschreibungen oder steuerlicher Gewinn erfasst, die im Rahmen der Erstellung der jährlichen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung als Basis für die Steuererklärung dienen. Zusätzliche Informationen, wie das Alter des Kunden, die Bestandsdauer der Ordination, die Anzahl der Mitarbeiter, die Auslastung der Ordination, die Aktualität der Buchführung, die Höhe eines allfälligen Investitionsbedarfs sowie Erfahrungen aus der Kontoverbindung werden als so genannte „soft facts“ erfasst.

Auswertung und Gewichtung der erhobenen Daten

Die Ergebnisse der oben angeführten Fragen werden in einen Zahlencode umgerechnet, unterschiedlich gewertet und gewichtet. Danach wird eine Endsumme errechnet, die den Kunden in einer Art Leiter mit 25 bis 30 Stufen (je nach Bank oder Sparkasseninstitut) einreiht.„Ein Rating lässt sich natürlich bewusst verbessern, indem man zusätzliche Daten, beispielsweise die Dokumentation unbelasteten Privatvermögens, einfließen lässt“, erklärt Reigl. Auch die rasche Erstellung des Jahresabschlusses und die ehest mögliche Übermittlung an den jeweiligen Kundenbetreuer der Bank werden als positiver Faktor vermerkt und gewertet.

Sicherheiten nachschießen

Aber auch für den Bankkunden ist das Rating von Nutzen. Er erhält damit das „Feedback“, wie er von seinem „Geschäftspartner Bank oder Sparkasse“ gesehen wird und kann sich mit seiner Informationspolitik darauf einstellen bzw. so auch sein Rating verbessern. Wenn es zu einer andauernden wesentlichen Verschlechterung des Ratings kommt, muss die jeweilige Bank die Kondition erhöhen oder sich im schlechtesten Fall von diesem Kunden trennen. Reigl: „In diesem Fall wären die Einbringung von Eigenmitteln oder die Bereitstellung von zusätzlichen dinglichen Sicherheiten die einzigen Möglichkeiten, eine Finanzierung zu erhalten.“

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