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Praxis 17. August 2005

Ein neues Auto steht ins Haus

Für Dr. H. ist die Sache klar: Nachdem der Finanzminister die Luxusgrenze für PKW auf 40.000 Euro erhöht hat, kommt endlich der Kauf eines Wagens der oberen Mittelklasse eines deutschen Autoherstellers in Frage. Doch wie sollen die Anschaffungskosten finanziert werden?

Die Konditionen für das neue Auto sind schnell ausgehandelt. Der Autohändler würde Dr. H. ein Exemplar des gewünschten Wagens um 40.000 Euro verkaufen. Bei der Finanzierung stellt sich zunächst die Frage nach vorhandenen Eigenmitteln. Gibt es Geld am Sparbuch, das ohne Bindung leicht zu haben ist und für keinen anderen Verwendungszweck gebraucht wird? In diesem Falle muss die Zinsbelastung bei einer Finanzierung mit dem Zinsverlust des nicht mehr vorhandenen Geldes auf dem Sparbuch verglichen werden. Im Falle eines privaten Autos ist die Sache klar: Sollte die Finanzierung einen Zinssatz von vier Prozent kosten, müsste das Sparbuch schon ein wahres Wunderding sein. Wer zwei Prozent netto bekommt, kann sich heute schon glücklich schätzen. Die Antwort ist also klar: Private Autos, wenn möglich, zumindest teilweise mit vorhandenen Eigenmitteln finanzieren.

Ausmaß der betrieblichen Nutzung berücksichtigen

Bei der betrieblichen Nutzung von Fahrzeugen kommt die Absetzbarkeit der Finanzierungskosten ins Spiel. Wer beispielsweise einen 80-prozentigen Privatanteil ausweist, kann von den angenommenen vier Prozent Fremdfinanzierungszinsen 80 Prozent betrieblich nutzen. Bei einer Steuerprogression von 50 Prozent reduziert sich die effektive Zinsbelastung daher auf 2,4 Prozent. Doch in diesem Fall müsste ein Sparbuch schon gute Qualität aufweisen: Ein Bruttozinssatz von 3,2 Prozent entspricht diesem Nettozinssatz von 2,4 Prozent. Liegt das Sparbuch darunter, müsste die betriebliche Finanzierung eines Fahrzeugs um 40.000 Euro rein rechnerisch mittels angespartem Geld durchgeführt werden. Doch wer hat schon so viel Geld gut geparkt und keinem anderen Verwendungszweck zugeordnet?

Vergleich von Angeboten

Bleibt also die Frage nach der optimalen Fremdfinanzierung. Hier liegen zunächst zwei Alternativen auf der Hand: Kredit oder Leasing. Beim Kreditkauf wird der Besitzer gleichzeitig Eigentümer des Fahrzeugs, beim Leasing bleibt das KFZ im Eigentum des Leasinggebers. Unser Beispielarzt Dr. H. lässt sich jeweils ein Kredit- und ein Leasingoffert berechnen. Der Kredit wird mit 3,75 Prozent Nominalzinssatz finanziert, das ergibt über eine Laufzeit von viereinhalb Jahren (54 Monate) eine Monatrate von 811 Euro. Ein vergleichbares Leasingoffert wird mit 12.000 Euro Restwert bei einer Kilometerleistung von 20.000 pro Jahr mit monatlich 610,93 Euro errechnet. Diese beiden Offerte lassen sich nicht direkt vergleichen. Zunächst muss der Kredit mit dem gleichen Restwert nachgerechnet werden. Die Berechnung ergibt 607,91 Euro Kreditrate, werden auch die geringfügig unterschiedlichen Vertragsgebühren mit eingerechnet, ergibt sich quasi kein Unterschied.

Abschreibung über acht Jahre bei Leasing und Kredit

Ohne Unterschiede sind auch die Möglichkeiten der Abschreibung. Unabhängig von der Kilometerleistung oder sonstigen Komponenten wird das Auto sowohl bei Kredit als auch bei Leasing auf acht Jahre abgeschrieben. Beim Leasing funktioniert das über einen Aktivposten, der im Rahmen des Jahresabschlusses gebildet wird. Dieser Aktivposten sorgt dafür, dass die steuerliche Nutzung exakt jener bei Kauf entspricht. Somit lässt sich auch hier kein Vorteil zugunsten von Kredit oder Leasing ausmachen. Gäbe es eine Möglichkeit, die Abschreibung tatsächlich auf 4,5 Jahre zu verkürzen, wäre ein Stundungseffekt spürbar. Wer die erzielten Steuervorteile der ersten Jahre und die Nachteile der letzten Jahre mit drei Prozent netto (Betriebsgirokonto nach Steuer) verzinst annähme, käme immerhin auf einen Stundungseffekt von 1.300 Euro, die bei zwei Prozent Nettoverzinsung (Sparbuch) noch 800 Euro wert wären. Diese verkürzte Abschreibmöglichkeit gibt es beim so genannten Operating-Leasing.

Operating-Leasing als Ausweg

Operating-Leasing ist durch die Gebrauchsüberlassung eines Fahrzeugs gekennzeichnet, im Gegensatz zum hauptsächlichen Finanzierungscharakter des herkömmlichen Leasing. Ein Restwert ist vertraglich nicht vereinbart und somit auch nicht offiziell kalkuliert, daher muss in diesem Fall keine Amortisationskomponente (Aktivposten) in die Einnahmen-/Ausgabenrechnung mit einbezogen werden. Dr. H. lässt sich auch für diese Vertragsvariante ein Angebot unterbreiten. Mit 629,50 Euro pro Monat liegt er über der Leasingrate, in Summe wären – über die Laufzeit gerechnet – knapp 1.000 Euro mehr für Operating-Leasing zu zahlen. Dies wird durch den bereits errechneten Stundungsvorteil ziemlich genau aufgehoben, also bleibt auch hier kein nennenswerter Vorteil.

Restwert als Joker?

Wenn die Wertabschätzung nach der geplanten Laufzeit nicht wäre. Wer gekauft hat, muss in jedem Fall die Konsequenzen tragen. Ist das Auto nach der Nutzungszeit mehr als der errechnete Restwert wert, ist das schön für den Besitzer und führt zu einem Gewinn. Bei einem geringeren Wert muss aber auch der Verlust in Kauf genommen werden. Der Operating-Leasing-Kunde hat keine Wahl. Ihm kann das alles egal sein, da er ohnehin kein Andienungsrecht hat. Der Leasingkunde hingegen hat das Recht, zum vereinbarten Restwert das Auto zu übernehmen. Was er auch tun wird, wenn das Auto (was üblicherweise der Fall ist) tatsächlich mehr als der kalkulierte Restwert wert ist. Ist es weniger wert, gibt er es einfach entsprechend dem Vertrag zurück. Alleine das ist schon ein guter Grund, warum Restwerte von den Leasingfirmen üblicherweise unter erwartete Marktwerte kalkuliert werden. Noch ein Hinweis: Die Vergleichsangebote von Dr. H. liegen auch deshalb so eng beisammen, da sie von einem Institut stammen und sich so in der gleichen „Qualitätsstufe“ befinden. Große Unterschiede treten dann auf, wenn beispielsweise ein gutes Leasingangebot mit einem schlechten Kreditangebot verglichen wird.

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