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Praxis 17. August 2005

Franken und Yen: Die Chancen nutzen

Risiken abschätzen und begrenzen. Damit sollte der Abschluss eines Kreditvertrages in einer Fremdwährung beginnen. Wachsamkeit während der Laufzeit ist angebracht, um auf Veränderungen am Geldmarkt rechtzeitig zu reagieren.

Alle Aspekte von Fremdwährungskrediten waren Thema eines Seminars in Linz, das vom Finanzdienstleister Finaconsult in Kooperation mit der Ärztesteuerberatung Dr. Braunschmid veranstaltet wurde. Knapp 20 Prozent des Finanzierungsvolumens in Österreich entfallen auf Fremdwährungen, ein laut Mag. Wolfgang Deinhammer von der Finaconsult international beachtlicher Wert. Im Jahr 2003 war wieder eine Vergrößerung des Anteils zu verzeichnen, allerdings mit starker Tendenz weg vom Yen und hin zum Schweizer Franken. Dieser nahm 2003 fast 80 Prozent des Fremdwährungskredit-Neugeschäftes ein. Risiko begrenzen, Chancen nutzen Die Nationalbank – gefolgt von einigen Bankinstituten sowie einschlägigen Tageszeitungen – macht gegen Fremdwährungskredite mobil, sehr aktiv zeigt sich auch der Konsumentenschutz. Grund genug für die Initiatoren der Veranstaltung, einmal alle wichtigen Fragen zum Themenkomplex Fremdwährung zu erläutern und Wege aufzuzeigen, wie man einerseits Risiken einschätzt und begrenzt, aber andererseits Chancen aktiv nutzt.

Hauptgrund für die Finanzierung in einer Fremdwährung ist der Zinssatz, der derzeit in den gängigen Fremdwährungen um bis zu zwei Prozentpunkte niedriger ist als im Euro. „Es gibt allerdings das Risiko, dass der Kurs zum Rücktausch im Negativen vom Kurs des Hintausches abweicht“, so Deinhammer. Mit diesen Eckdaten lässt sich allerdings ein Break-even-Szenario berechnen, ab der sich ein Fremdwährungskredit rechnen sollte.

Optimalszenario für Einstieg

Beispiel Schweizer Franken: Wer derzeit finanziert, befindet sich etwa einen Zehntel Prozentpunkt vom historischen Höchststand entfernt. Dieser ist das Optimalszenario für einen Einstieg und das Horrorszenario für einen Ausstieg. Wer also jetzt einsteigt, kann durch die Zinsersparnis einen Break-even-Zeitraum von knapp vier Jahren berechnen, nach dem ohne Gesamtverlust zum historischen Höchststand die Währung rückgetauscht werden könnte. Vereinfacht ausgedrückt: „Der Franken zeigt für langfristige Finanzierungen heute ein sehr attraktives Chancen-Risken-Verhältnis.“ Das liegt jedoch auch an der relativ geringen Schwankungsbreite und -freudigkeit des Kurses. Auch Details von Kreditverträgen waren ein Thema. Die Banken sind bekanntlich sehr erfinderisch, wenn es um die Verrechnung von Spesen und Gebühren geht. Wer beispielsweise die Fremdwährung wechselt, sollte auf die so genannte Cross-Rate bestehen oder diese bereits im Vorfeld der Vertragsgespräche aushandeln.

Bei Direkttausch halbe Spesen

Cross-Rate ist die Bezeichnung für den Wechselkurs einer Fremdwährung zur anderen. Wenn also direkt getauscht wird, fallen nur die halben Spesen an, als wenn zuerst zum Euro getauscht wird und danach wieder vom Euro in die nächste Fremdwährung. „Das kann bei Ärztefinanzierungen leicht einmal 1.000 Euro Ersparnis ausmachen“, so Deinhammer. Vorsicht ist bei der steuerlichen Auswirkung eines Rücktausches geboten. Dr. Karl Braunschmid erläuterte beim Seminar die unterschiedlichen Auswirkungen von Privat- bzw. Betriebskredit auf die Steuerbelastung: „Während ein Betriebskredit spätestens bei Rücktausch steuerlich wirksam wird, lässt sich das aufgrund der Fristen beim Privatkredit unter Umständen vermeiden.“ Solche Entscheidungen sollten daher immer im Vorfeld mit dem Steuerberater abgeklärt werden, damit es nicht Jahre später zu unliebsamen und teuren Über-raschungen kommt.

Beliebte Finanzierungsfehler

Braunschmid wies auch auf beliebte Finanzierungsfehler hin, die nicht nur bei Ärzten vorkommen: „Speziell Fremdwährungskredite werden gerne bis ans Limit ausgereizt. Wenn ich mir so viel zumute, wie ich mir eben in dieser Fremdwährung gerade noch leisten kann, sind Probleme vorprogrammiert.“ Wenn man sich jedoch eine herkömmliche Finanzierung leisten kann, die Vorteile eines Fremdwährungskredits in Anspruch nimmt und separat anspart, lassen sich eventuell auftretende Probleme von vornherein vermeiden. Vorsicht ist auch beim Tilgungsträger geboten: Viele Kunden stimmen die Rate für die Ansparung noch mit Phantasiezinsen ab. Dies kann zur Folge haben, dass bei normaler Zinsentwicklung der Tilgungsträger nicht das hält, was versprochen wurde. Der Rat der Referenten lautet unisono, mit konservativen Renditen zu kalkulieren – „was dann übrig bleibt, wandert in die eigene Tasche.“

Gewinnanteil derzeit steuerfrei

Voraussetzung dafür ist allerdings eine ordentliche Vertragsgestaltung: Braunschmid wies darauf hin, dass nach derzeitiger Rechtslage die Auszahlung des Gewinnanteils von Lebensversicherungen – egal ob für eine betriebliche oder private Refinanzierung – steuerfrei ist. Das muss aber nicht immer so bleiben. Daher wird bereits jetzt eine vertragliche Trennung zwischen Kredit und Tilgungsträger empfohlen. Es darf nicht auf den ersten Blick ersichtlich sein, dass eine Lebensversicherung unmittelbar zur Absicherung und Tilgung eines Kredits abgeschlossen wird. Daher sollte auch eine deutliche zeitliche Abtrennung eingebaut werden. Laut Deinhammer lässt sich dies sehr gut mit einem endfälligen Darlehen mit Vortilgung gestalten. Dass eine Refinanzierung bereits in der Vorphase eines Kredites angespart wird, schont die Liquidität und vermindert die Kreditlaufzeit. Angenehme Nebenwirkung dabei ist, dass sich in diesem Fall sicher kein direkter Bezug des Tilgungsträgers zum Kredit nachweisen lässt. Neben all diesen Details empfehlen die beiden Referenten grundsätzlich eines: Ein Fremdwährungskredit darf nach Abschluss nicht in der Schublade verschwinden, er sollte auch gewartet werden.

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