zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 21. November 2005

Endfälliger oder Ratenkredit?

Wie unzählige andere Komponenten einer Kreditvereinbarung, z.B. Spesen aller Art, hat auch die Festlegung der Art der Rückzahlung Auswirkungen auf die Gesamtkosten.

Wer fremdes Geld „ausleiht“, kann verschiedene Rückzahlungsvarianten vereinbaren. „Die beiden Extremformen sind endfälliger Kredit und Ratenkredit, Mischformen dazwischen grundsätzlich beliebig denkbar“, steckt Dagmar Triller, Financial Manager des Basler Ärztedienstes, das Feld ab. Bei Endfälligkeit wird vereinbart, dass der aushaftende Kreditbetrag am Ende der Laufzeit zurückgezahlt wird. Während der Laufzeit bleibt man in voller Schuld und zahlt natürlich auch Zinsen dafür.

Ratenkredite belasten die Liquidität

Beim Ratenkredit wird über die gesamte Laufzeit eine gleich bleibende Rate bezahlt, die sich aus einem ständig verändernden Zins- und Tilgungsanteil zusammensetzt. Die Gesamtbelastung ohne Berücksichtigung von steuerlichen Vorteilen ist beim Ratenkredit eher niedrig, da sich aufgrund der kontinuierlichen Rückzahlung auch die steuerlich verwertbare Zinsbelastung ständig senkt. „Der steuerlich nicht nutzbare Tilgungsanteil wird aber immer größer und be-lastet die Liquidität“, so Triller. Steuerliche Vorteile gibt es jedoch nur im betrieblichen Bereich. Ob sich das in Summe rechnet, kommt aber auch noch auf andere Komponenten an. Schließlich muss der Betrag zur Abdeckung eines endfälligen Kredits angespart werden. Diese Ansparung erfolgt in einem so genannten Tilgungsträger, der genauso wie der Kredit einer bestimmten Verzinsung unterliegt. Demnach rechnet sich so ein Modell üblicherweise nur mit zumindest teilweiser Beimischung von Fremdwährungen. Triller: „Ansonsten ist die Zinsdifferenz zwischen Soll und Haben so klein, dass auch die Steuervorteile zu keinem Gesamtvorteil für die Endfälligkeit beitragen.“

Gewinnbeteiligung bei Lebensversicherungen

Ein Tilgungsträger sollte sorgfältig ausgewählt werden, Triller empfiehlt generell eher sichere Varianten. Beispiel Lebensversicherung: Es gibt keine Zinssatzschwankungen und eine hohe Sicherheit, garantierte Auszahlungsbeträge können zu 100 Prozent kalkuliert werden. Gewinnbeteiligungen bei Lebensversicherungen dürfen zwar nicht versprochen werden, sind aber sehr wahrscheinlich. Die Sicherheit ist auch der Hauptgrund, warum Lebensversicherungen bei Banken so beliebt sind. Aktien oder Fonds sind nicht gerne gesehen, da sie kurzfristig zu starke Schwankungen aufweisen. Triller empfiehlt aber trotzdem, bei Lebensversicherungen eine Sicherheitsspanne von mindestens zehn Prozent einzuziehen: „Wenn alles normal abläuft, gehört die Sicherheitsspanne nach Ablauf dem Kunden.“

Mögliche Alternativen vertraglich absichern

Eine Endfälligkeit macht jedoch nur bei Krediten Sinn, die mindestens zwölf Jahre laufen. Bei kürzerer Laufzeit sind die Erträge bei den Tilgungsträgern üblicherweise zu klein, um sich zu rechnen. Wichtig ist vor allem, mit der Bank im Voraus die Modalitäten auszuhandeln und sich alle möglichen Alternativen vertraglich zu sichern. Ein Rechenbeispiel: Wenn ein Kredit über 100.000 Euro zu vier Prozent Zinsen in 15 Jahren per Ratenkredit zurückgezahlt wird, fallen 133.522 Euro in Summe an. Die darin enthaltenen 33.522 Euro Zinsen sorgen für eine Steuerersparnis von 16.761 Euro. In Summe bleiben netto 116.761 Euro zu zahlen. Der vergleichbare Kredit in endfälliger Variante kostet 60.628 Zinsen, die eine Steuerersparnis von 30.314 nach sich ziehen. Mit insgesamt 75.600 Euro Lebensversicherungsraten lässt sich die Kreditsumme in 15 Jahren ansparen. Mit Gesamtkosten von 105.914 Euro liegt bei diesem Beispiel die Endfälligkeit um 10.847 Euro vor der Tilgung mittels Ratenkredit. Kalkulation ist laut Triller aber nur die eine Seite: „Ein Kunde muss auch damit leben können, dass seine Schulden über die Laufzeit nicht weniger werden.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben