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Praxis 17. August 2005

Verlockende Fremdwährungskredite

Was Fremdwährungskredite angeht, sind die Österreicher nach wie vor europa-weit im Vorderfeld zu finden. Bereits mehr als 20 Prozent der Kreditaufnahmen werden in Fremdwährungen getätigt, auch Ärzte nutzen gern diese Option.

Laut Österreichischer Nationalbank hat nunmehr der Franken dem Yen den Rang abgelaufen. „Dies ist zurzeit auch deutlich risikoloser als noch vor einigen Jahren, wo sich ein wahrer Yen-Boom entwickelt hat“, weiß Dagmar Triller, Financial Manager des Basler Ärztedienstes in Graz. Naturgemäß machen sich auch viele Ärzte das in manchen Ländern bestehende, wesentlich günstigere Zinsniveau als im Euroland zu Nutze. Beispiel Schweiz: Hier liegt laut Triller die Verhandlungsbasis für den Zinssatz um bis zu 1,5 Prozentpunkte niedriger als in Österreich. Das ergibt bei einem Volumen von 200.000 Euro schon ein Ersparnispotenzial von 3.000 Euro pro Jahr. Hierbei gibt es wie im Eurokredit auch grundsätzlich die Möglichkeit, zwischen einem Ratenkredit und einer endfälligen Version auszuwählen. Die endfällige Variante liegt laut Triller stark im Trend, da man sich einen weiteren Vorteil erwarten kann, nämlich die Zinsspanne zwischen Kredit und Tilgungsträger. Tilgungsträger bei einem endfälligen Kredit ist ein Ansparprodukt, mit dessen Ertrag man zum Ende der Kreditlaufzeit den Kredit komplett abdeckt. Weist dieser Ertrag einen höheren Zins auf als der Kredit, hat man durch die endfällige Variante einen weiteren Vorteil. „Bei den bestehenden Zinsniveaus ist das ein realistisches Szenario“, so Triller.

Kein Licht ohne Schatten

Bei Fremdwährungsfinanzierung gibt es allerdings noch weitere Chancen bzw. Risiken. Die Wechselkurse schwanken naturgemäß, je nach gewählter Währung kann das erheblich sein. Wenn also beispielsweise der Zinsvorteil pro Jahr 1,5 Prozent beträgt, darf sich der Wechselkurs ohne Verlust pro Jahr um 1,5 Prozent zu Ungunsten des Kreditnehmers entwickeln. Nach zehn Jahren verträgt man also eine Verschlechterung um 15 Prozent ohne finanzielle Einbuße. Diese Kursentwicklung kann sogar noch steuerliche Folgen haben. „Gerade jetzt, wo viele Kreditnehmer noch ans Wechseln denken, sollte man sich im Vorhinein unter Mitwirkung des Steuerberaters über die steuerlichen Konsequenzen Gedanken machen“, rät Triller. Einfach ist die Situation im Privatbereich. Hier tritt Steuerpflicht ein, wenn die Spekulationsfrist von einem Jahr unterschritten wird. Ist dies der Fall, setzt die Steuerpflicht auch nur dann ein, wenn in den Euro getauscht wird. Der Wechsel von beispielsweise Yen zu Franken löst im Privatbereich nie eine Steuerpflicht aus.

Im Betrieb immer ­steuerpflichtig

Unangenehmer wird die Sache bei Fremdwährungskrediten für einen Betrieb. Hier tritt in jedem Fall eine Versteuerung des Kursgewinnes oder -verlustes ein. Beim Arzt als Einnahmen-/Ausgabenrechner ist dabei der Tilgungszeitpunkt des Kredites maßgeblich. Triller weist auch auf beliebte Finanzierungsfehler hin, die nicht nur bei Ärzten vorkommen: „Speziell Fremdwährungskredite werden gerne bis ans Limit ausgereizt. Wenn man sich so viel Kredit zumutet, wie man sich in der gewählten Fremdwährung gerade noch leisten kann, sind Probleme vorprogrammiert.“ Wenn man sich jedoch eine herkömmliche Finanzierung leisten könnte, die Vorteile eines Fremdwährungskredits aber doch in Anspruch nimmt, den Tilgungsträger mit etwas mehr Spielraum dimensioniert und den gesparten Teil vielleicht sogar noch separat anspart, kann man eventuell auftretende Probleme von vornherein vermeiden.

Ordentlicher Tilgungsträger als Voraussetzung

Vorsicht ist auch beim Tilgungsträger geboten: Viele Kunden stimmen die Rate für die Ansparung noch mit Phantasiezinsen ab, z.B. mit Ansparungen in Aktienfonds. Dies kann zur Folge haben, dass bei normaler Zinsentwicklung der Tilgungsträger nicht das Versprochene hält. Triller empfiehlt als Ansparung konservative Produkte, die mit moderaten Renditen kalkuliert werden. Sollte entsprechend dieser Erwartung bei Tilgung sogar noch etwas übrig bleiben, steht das Kapital sogar privat zur Verfügung. Der Yen als Kreditwährung kommt für Triller derzeit nicht in Frage: „Zu groß ist das Wechselkursrisiko bei der derzeitigen Situation.“ Niemand wisse, in welche Richtung der Yen tendiere. Bei höherem Volumen kann sogar ein Splitting zwischen der derzeit bevorzugten Fremdwährung Franken und dem Euro vereinbart werden. Triller weist allerdings darauf hin, dass nicht nur die Kalkula-tion, Steuer und Vernunft in die Entscheidung einfließen sollten: „Fremdwährungskredite sind auch Gefühlssache. Wer mit Schulden im Franken schlecht schläft, dem nützt auch ein wirtschaftlicher Vorteil wenig.“

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