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Praxis 17. August 2005

Wie ein Arzt seine Bonität gut darstellen kann

Basel II als international ausgehandeltes Regelwerk soll die Sicherheit der Banken gewährleisten. Es schreibt die Bonitätsprüfung der Kreditnehmer vor und bestimmt mithilfe des „Ratings“, wie hoch die Eigenkapitalhinterlegung der Bank für jeden Kredit sein muss.

Basel II nimmt massiv Einfluss auf die Vergabemöglichkeit sowie die Zinsen für einen Kredit. Dafür sollen „Bankenpleiten“ der Vergangenheit angehören. Zusätzlich erschwert wird die Kreditaufnahme in aller Regel durch die Tatsache, dass es sich beispielsweise bei einer Praxisgründung nur noch selten um einen Kassenarzt handelt.

Soft Facts als Voraussetzung für die Kreditvergabe

„Daher wird es immer schwieriger, einen Kredit zu bekommen“, weiß Dagmar Triller, Financial Manager des Basler Ärztedienstes. Wichtige Voraussetzung für eine Kreditvergabe: „Die so genannten Soft Facts, also sich gegenüber der Bank gut verkaufen zu können.“ Früher war es üblich, bei Kreditwunsch einfach einmal unvoreingenommen mit der Bank zu sprechen und zu artikulieren, dass man eine bestimmte Menge Geld braucht. Diese Zeiten sind vorbei. Selbst bei bester Bonität sind alleine schon aufgrund von Basel II bestimmte Voraussetzungen notwendig. So muss ein exaktes Investitionsvolumen vorliegen, auch Umbaukosten müssen exakt abgeschätzt werden. „Die Bank möchte auch bereits Kostenvoranschläge sehen.“

Wirtschaftliche ­Überlebenschancen

Wichtig ist laut Triller ein Businessplan: „Der Arzt sollte sich mit der Frage ‚Kaufen oder Mieten’ auseinandergesetzt haben und der Bank vermitteln können, warum er exakt den gewünschten Standort gewählt hat.“ Wie sieht beispielsweise die lokale Bevölkerungs- und Einkommensstruktur aus? Hat das betreffende Fach gute Chancen? Wie sieht die Marketingplanung aus? Bestehen Chancen, die Dienstleistung auch an den Mann zu bringen?„Die Bank möchte jedenfalls vorgerechnet haben, dass das Unternehmen Arztpraxis wirtschaftliche Überlebenschancen hat. Daher müssen auch die Betriebskosten wie Personal, Miete und Nebenkosten genau einkalkuliert werden, auch unter Berücksichtigung eventueller Anlaufverluste im ersten halben Jahr“, betont Triller.

Bittstellerrolle fehl am Platze

Selbstverständlich muss auch ein Puffer von etwa zehn Prozent eingebaut werden. Kernstück ist jedoch nicht die eigentliche Berechnung, sondern die Argumentation, die von einem perfekt gestalteten Businessplan ausgeht. Dieser Plan kann den Ausschlag für die Genehmigung einer Finanzierung geben, die ohne entsprechende Vorbereitung aussichtslos wäre. Ärzte sollten daher niemals unvorbereitet zur Bank gehen. Trotzdem ist eine Bittstellerrolle des Arztes laut Triller fehl am Platze. Ärzte sind immer noch hochwertige Kunden und daher gefragtes Klientel, nicht nur bei Banken. Alleine ist so ein Businessplan jedoch kaum zu erstellen. Hier bedarf es eines Profis aus dem Steuerberatungs- oder Finanzierungsgewerbe, dem alle Facetten einer Arztpraxis geläufig sind.

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