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Praxis 17. August 2005

Der Zinssatz ist nicht alles

Ein Kredit ist eine teure Angelegenheit. Wer sich beispielsweise den Betrag von 200.000 Euro für eine Ordinationsgründung ausleiht, muss bis zu 50 Prozent mehr zurück zahlen. Ein Sparpotenzial liegt im Bereich der Spesen und diverser Gebühren.

„Bei einem Kredit von 200.000 Euro ist zusätzlich zu dieser Rückzahlungssumme mit Kosten von 100.000 Euro auf die gesamte Laufzeit zu rechnen. Diese setzen sich einerseits aus den Beschaffungskosten für Geld seitens der Bank, andererseits aus dem Gewinn der Bank zusammen“, so Dagmar Triller, Financial Manager des Basler Ärztedienstes in Graz.

Stammtischthema: Wer hat den günstigsten Kredit?

Die Qualität eines Kredits wird von Ärzten häufig vorwiegend über den Zinssatz beurteilt. So sind Kredite zu Bestkonditionen am „Stammtisch“ sehr verbreitet anzutreffen. Wer einen halben Prozentpunkt schlechter „einkauft“, darf das gar nicht erwähnen, weil er ansonsten belächelt würde. „Der Zinssatz allein sagt jedoch nichts über die Güte eines Kredits aus, weil zusätzlich Spesen und Gebühren verrechnet werden, welche die gesamte Finanzierung wesentlich teurer machen können“, so Triller. Sie empfiehlt, wirklich auf alles im Vertrag genau zu achten. Triller befasst sich seit fünfzehn Jahren mit Kreditgeschäften und ist selbst immer wieder erstaunt, was alles verrechnet wird: „Die Liste der möglichen Spesen und Gebühren auszuführen, würde im Rahmen dieses Artikels zu Platzmangel führen – die Banken sind hier unglaublich einfallsreich.“

Summe der Konditionen ­ist entscheidend

Dabei funktioniert die Syste-matik einer Kreditvergabe ganz einfach: Eine Bank braucht einen Ertrag X zur Deckung von Geldeinkauf, Verwaltung, Ausfallsrisiko und Gewinnaufschlag. „Dieses X wird durch die Summe der Konditionen erreicht, wobei man sehr genau weiß, dass der Kunde Arzt im Sinne von Zinssatz sehr empfindlich ist und oft um ein Achtel Prozent feilscht, während er versteckte Gebühren gerne übersieht“, so Triller. Banken nutzen das oft schamlos aus, vor allem wenn der Arzt nicht professionell betreut wird und seine Kreditverträge vor Abschluss nicht vom Fachmann prüfen lässt. „Die meisten versteckten Spesen sind nämlich standardisiert in den Verträgen angeführt“, erklärt Triller. „Wenn man nicht weiß, was es alles gibt, kommt man auch nicht auf die Idee, dass man nachverhandeln kann.“ So werden viele Ärzte beim ersten Abschluss von den Kosten überrascht und überrannt. Dabei kann alles – außer der staatlichen Kreditsteuer von 0,8 Prozent – verhandelt werden.

Fremdwährungskredite ­besonders empfindlich

Beispiele für „versteckte“ Spesen sind Bearbeitungsgebühren von 0,25 bis 1,5 Prozent, bei Privatkrediten von bis zu zwei Prozent vom Nominale. Vorsicht ist besonders bei Fremdwährungskrediten geboten. Wie wird der Kurs bestimmt? Welche Devisenkommission wird verrechnet? Es sind aber nicht nur Spesen, die in die Kreditvertragsgestaltung einfließen. Was ist beispielsweise bei Konvertierung? Laut Triller sind in Verträgen oft weit auslegbare Klauseln zu finden, welche die Banken theoretisch zu allem ermächtigen: „Wenn ein normaler Zinssatz bei guter Bonität eine bestimmte Gesamtbelastung ergibt, kann ein Spitzenzinssatz mit einem halben Prozentpunkt weniger eine Effektivbelastung erzeugen, welche die des ‚schlechteren’ Zinssatzes weit übersteigt. Dies ist dann der Fall, wenn die Spesen schlecht ausverhandelt sind.“ Jeder Kreditwerber unterliegt jedenfalls aufgrund der Summe der Informationen (Finanzierungsvolumen, Sicherheiten, Bonität, Konzept) einer bestimmten Einstufung, die ihm aus Sicht der Bank eine Gesamtkondition ermöglicht. Ausgehend von diesem Szenario wird verhandelt. Natürlich versucht die Bank viel eher über die Spesen zu ihrem Ertrag zu kommen, da Ärzten diese Auswirkungen weniger geläufig sind. Marktkonforme Konditionen sind daher in aller Regel nur durch Nachverhandlungen mit Hilfe eines Profis zu erreichen.

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