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Praxis 17. August 2005

Telemedizin für die Praxis

Für Ärzte aller Fächer bietet die Telemedizin bereits zahlreiche Möglichkeiten für den Praxisalltag. Das Know-how dafür vermittelt z.B. ein Lehrgang an der Fachhochschule Joanneum in Graz.

„Telemedizin bedeutet nicht immer spektakuläre Ereignisse, wie einen chirurgischen Eingriff via Videokonferenz über zwei Kontinente hinweg“, betont Dr. Heiko Renner. Der Chirurg ist Oberarzt an der Grazer Universitätsklinik und Leiter des Lehrgangs „MSc Tele-Medizin“. Dieser fand letztes Jahr erstmals statt und startet wieder ab Oktober 2004 „Hausärzte sind oft die Gatekeeper der Daten der Patienten“, so Renner. „Gerade angesichts der verstärkten Notwendigkeit, ältere oder chronisch kranke Patienten zu Hause zu betreuen, geht es auch darum, dass er oder sie nie 24 Stunden vor Ort sein kann.“

Kontinuierlicher Kontakt

Telemedizin bietet beispielsweise die Möglichkeit, einen kontinuierlichen Kontakt mit der Hauskrankenpflege zu halten und auch regelmäßig aktuelle Daten zu übermitteln, etwa Bilder von einem Geschwür, das sich gebildet hat und wo die ärztliche Behandlungsanweisung via E-Mail erfolgen könnte. Ein anderes Beispiel ist die Kontrolle des Blutzuckerspiegels. „Längst gibt es Geräte, die mit dem Handy verbunden sind, das dann automatisch codierte SMS an den Arzt sendet“, berichtet Renner. So kann eine Veränderung der Werte rechtzeitig erkannt und auch auf akute Notsituationen rasch reagiert werden. In vielen Fällen ließe sich so der Einsatz eines Notarztes oder einer Spezialambulanz vermeiden. Renner ist sich zudem sicher, dass bei Einsatz der Telemedizin rascher und effizienter klar ist, ob es um ein Problem im Verhalten des Patienten geht oder die Medikation verändert werden muss. Auch bei anderen chronischen Krankheiten könnte die Kontrolle auf ähnliche Weise via Telemedizin optimiert werden. Ein weiteres Einsatzgebiet betrifft Herzschrittmacher, deren Funktion durch ein Gerät neben dem Bett kontrolliert wird, das Daten an den Arzt sendet. „Batterien für diese Geräte haben eine Lebensdauer von etwa zehn Jahren, das hängt aber auch davon ab, wie oft sie einen Impuls setzen müssen. Daher ist eine regelmäßige Prüfung, ob sie noch genug Energie liefern, wichtig“, erläutert Renner.
Im letzten Lehrgang an der FH Joanneum wurde gemeinsam nicht nur zu diesen Themen und konkreten Anwendungsbereichen gearbeitet, sondern auch multimediale CD-Roms entwickelt. Diese informieren zu Bereichen wie Sonographie, EKG, auch ein interaktiver Ratgeber zum Thema Strahlenschutz und ein Schulungsprogramm zur Diagnose und Therapie von Knochenbrüchen wurde erarbeitet. Entwickelt wurde auch „MyMobileDoc“, ein mobiler Diagnosehelfer, der Daten des Patienten erfasst und an den Hausarzt weiterleitet.

Rasche Reaktion

Einer der Lehrgangsteilnehmer, der Allgemeinmediziner Dr. Josef Filz, ist Sekundararzt am Krankenhaus Eisenstadt. Er kann eine Auseinandersetzung mit dem Themenfeld Telemedizin wärmstens empfehlen: „Hier können scheinbar trockene Daten und Abläufe sehr gut visualisiert werden.“ Seine Abschlussarbeit zum Lehrgang beschäftigt sich mit einem EU-Projekt, bei dem Patienten mit einem einfachen Gerät selbst Blutdruck und Augendruck messen sowie den Augenhintergrund fotografieren können. „Diese Daten werden an einen zentralen, speziell abgesicherten Datenserver gesendet. Bei auffälligen oder gefährlichen Werten wird sofort der Arzt alarmiert, der dann mit dem Patienten via Telefon oder E-Mail in Kontakt tritt“, berichtet Filz. „Sonst werden solche Patienten manchmal nur einmal im Jahr kontrolliert.“ Mit diesem Projekt wird erstmals eine kontinuierliche Kontrolle dieser wichtigen Werte und ein rasches Reagieren möglich.

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