zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 17. August 2005

Gute Noten für Praxis-Software

Niederösterreichs Kassenärzte haben „gevotet“. Insgesamt 600 von mehr als 1.000 gaben Auskunft über Zufriedenheit mit ihrer Ordinations-EDV sowie Probleme beim Service der Anbieter.

Welches Softwareprogramm ist für mich optimal? Nach welchen Kriterien kann ich überhaupt eine Auswahl treffen? Diese Kernfragen muss sich jeder Neueinsteiger und Umsteiger angesichts der mehr als hundert am Markt befindlichen Softwareprogramme stellen. Ein Blick in die Liste der EDV-Anbieter der Ärztekammer oder des Hauptverbandes lässt keine Freude aufkommen, da dort die für Ärzte wesentlichen Kriterien nicht zu erkennen sind.

Was für den Anwender zählt

Wer sich die angebotenen Programme anschaut, wird feststellen, dass es sich größtenteils um ausgereifte Anwendungen handelt. Sie unterscheiden sich für den Techniker zwar wesentlich im Hinblick auf Programmiersprache, Aufbau und Datenbank, für den Laien ist allerdings überwiegend die Sympathie der Benutzeroberfläche, die Übersicht der Karteiführung und das Wissen um die Machbarkeit der Kassenabrechnung entscheidend. So werden die wichtigen Menüpunkte eigentlich von allen Programmen bedient, in dieser Ebene spielen sich auch 95 Prozent der täglichen Arbeit ab.

Etablierte Ärzte sind beste Informanten

Nachdem im Zuge der technischen Entwicklung auch der Leistungsfähigkeit der Hardware keine Grenzen mehr gesetzt sind, bleibt als Hauptkriterium die Auswahl des Partners. Bei dieser Entscheidung hilft oft der Rat von Ärzten gleicher Fachrichtung im gleichen Bundesland, die mit demselben System arbeiten. Wenn der Anbieter freiwillig wichtige Informationen preisgibt, ist dies schon ein gutes Zeichen – doch das ist leider viel zu selten der Fall. Außerdem können Daten wie beispielsweise Anwenderzahl nicht überprüft werden.Ärzte, die schon mit einem System arbeiten, sind für Neueinsteiger jedenfalls die besten Informanten. Denn nur bei tatsächlich aufgetretenen Problemen zeigt sich die wahre Servicequalität des Anbieters.

Erstklassige Basis für Auswertung

So gibt es einige Anbieter, die schon mehrere Jahre erfolgreich am Markt tätig sind und mehrere hundert Anwender haben. Dies ist als gutes Zeichen für den weiteren Fortbestand und somit die zeitlich unlimitierte Servicierung eines Programms zu werten. Doch woher soll man diese Informationen bekommen? Bis dato gab es keinerlei Informationsquellen, die diese wichtigen Dinge preisgeben. Das hat sich jedoch zum Jahreswechsel zumindest in Niederösterreich geändert. Die Ärztekammer Niederösterreich unter der Leitung von EDV-Referent Dr. Johann Jäger hat eine Umfrage unter den Kassenärzten durchgeführt, die mittels EDV abrechnen. „Von der Gesamtaussendung an etwa 1.100 Ärzte kam mit etwa 600 eine stattliche Anzahl an Fragebögen zurück. Also eine erstklassige Basis für unsere Auswertung“, so Jäger.

Fragebogen einfach gestaltet

Der Fragebogen war bewusst einfach gestaltet. Man verzichtete auf unnötige Schnörksel und Details, sondern stellte nur wenige gezielte Fragen. Das war auch sicherlich ein Grund für den großartigen Rücklauf.
Nachdem sich die Zukunft eines Softwareanbieters auch teilweise von der Größe ableitet, ist die Statistik des Rücklaufs schon eine erste gute Information. Die Anbieter mit weniger als acht Rückläufern wurden ausgeschieden, so blieben genau neun Firmen in Niederösterreich übrig, deren Größe als für die Auswertung ausreichend betrachtet wurde (Grafik 1). Hier ist die Aussage eindeutig. Marktführer in Niederösterreich ist die Firma Gruber, die mit einem Rücklauf von 165 Fragebögen auf 30 Prozent kommt. Die Firmen Gruber, Innomed, MCW und CSP teilen insgesamt fast 80 Prozent des Marktes unter sich auf. Ein wesentliches Element der Betreuung des Arztes durch den EDV-Anbieter ist das Verhalten bei Problemen. Diese können auftreten und tauchen immer wieder auf – entscheidend ist jedoch, wie die Firma damit umgeht. Daher wurde ganz einfach gefragt, wie die Zufriedenheit mit dem Support ist. Es durften Schulnoten vergeben werden.
Addiert man die Bewertungen „sehr gut“ und „gut“, kommt man auf eine Bandbreite zwischen knapp 25 Prozent und knapp 80 Prozent über den Firmenquerschnitt (Grafik 2). Das ist sicherlich ein wesentliches Element für die Auswahl eines Partners. Bemerkenswert ist das Ergebnis der Firma Gruber. Bei 165 Rückmeldungen als einzige Firma ohne „nicht genügend“ in dieser Kategorie.

Updates sollten fehlerfrei sein

Dem Thema Updates wurden zwei Fragen gewidmet. Hier ging es um Fehlerfreiheit und um Zufriedenheit. Das Ergebnis auf diese beiden Fragen ist fast identisch. Die Bandbreite reicht hier von knapp 45 Prozent bis knapp 90 Prozent Bewertungen mit „sehr gut“ und „gut“ pro Firma (Grafik 3). Bei der Frage nach der Benutzerfreundlichkeit zeigt sich, dass es sich bei allen Programmen um etablierte Hersteller mit gut ausgereiften Programmen handelt. Die Bandbreite der Rückläufer mit „sehr gut“ und „gut“ reicht hier von etwa 70 Prozent bis etwa 90 Prozent. Entscheidend ist allerdings die Bewertung „Gesamtzufriedenheit“. Entsprechend Grafik vier reicht hier die Bandbreite der Bewertungen mit „sehr gut“ und „gut“ von 55 Prozent bis über 90 Prozent.

Leider nur in Niederösterreich brauchbar

Der niederösterreichischen Ärztekammer ist mit dieser Umfrage ein Quantensprung in Sachen Beurteilung von Ärztesoftwareprogrammen gelungen. Diese Auswertung ist mit Abstand die beste verfügbare Informationsquelle für potenzielle Neueinsteiger und Umsteiger. Das sollte eigentlich in den anderen Bundesländern Schule machen. Leider sind die Ergebnisse aus Niederösterreich in den anderen Bundesländern nur bedingt verwertbar, da es große regionale Unterschiede beim Angebot, den Marktanteilen und auch bei regionaler Betreuung gibt.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben